Viele Länder reagieren mit Importstop
Tierseuche in Großbritannien weitet sich aus

Aus Angst vor einer schnellen Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche hat das Landwirtschaftsministerium Sperrzonen eingerichtet. Bei der letzten Epidemie vor 20 Jahren mussten 400 000 Tiere geschlachtet werden.

Reuters LONDON. Trotz umfangreicher Vorsichtsmaßnahmen hat sich die Maul- und Klauenseuche in Großbritannien am Freitag weiter ausgebreitet. Auch am zweiten Tag nach ihrer Entdeckung in einem Schlachthof bei London wurde die Seuche nach offiziellen Angaben in weiteren Schweine- und Rinderherden entdeckt. Bis Freitagmittag wurden insgesamt fünf Fälle der Tierkrankheit bestätigt. Landwirtschaftsminister Nick Brown forderte die Öffentlichkeit dazu auf, die wegen der Seuche gesperrten Gebiete zu meiden und damit die Ausbreitung zu bremsen.

Die Seuche ist leicht übertragbar und bei Paarhufern tödlich. Der Mensch erkrankt nur in Ausnahmefällen. Nach der Europäischen Union (EU), den USA, Kanada und Südkorea haben auch China und Malaysia Importe aus Großbritannien gestoppt.

Als fünften Infektionsherd stellte das Ministerium am Freitag eine Schweineherde im Norden Englands fest, von der Tiere zum Schlachten nach Brentwood bei London geschickt worden waren. "Die Krankheit gibt es in der Herde offenbar bereits eine Zeit lang. Es könnte sein, dass dies die Quelle der Infektion ist, die auf dem Schlachthof in der Grafschaft Essex festgestellt wurde", teilte das Ministerium mit. In dem Schlachthof war die Seuche am Mittwoch erstmals bei Schweinen festgestellt worden.

Die Seuche wurde am Freitag zudem in der Nähe von Brentwood bei weiteren Tieren diagnostiziert. Am Abend zuvor war sie in dieser Gegend auch bei Rindern festgestellt worden. Diese Herden leben in einer Sperrzone, die 16 Kilometer um den Schlachthof eingerichtet wurde.

Angst vor schneller Ausbreitung

Großbritannien befürchtet inzwischen, dass sich die Seuche ähnlich schnell wie bei ihrem letzten Ausbruch vor 20 Jahren ausbreiten könnte. Damals hatte sie rund 2 300 Tiere infiziert. 440 000 Stück Vieh mussten geschlachtet werden.

Brown appellierte an die Öffentlichkeit, das Risiko für eine Verbreitung der Erreger so klein wie möglich zu halten. Dies bedeute, dass die Menschen den Kontakt zu Bauernhöfen und Herden möglichst meiden sollten, sagte er. Auch der Vorsitzende des Bauernverbandes, Ben Gill, sagte, wenn Ausflügler in die ländlichen Gebiete reisten, könne sich die Seuche für die Landwirtschaft zu einer Katastrophe entwickeln.

Der Erreger kann sich an Kleider und Schuhe heften, über Fleischprodukte weitergetragen oder sogar vom Wind verbreitet werden. Nach Angaben von Experten sind Infektionen beim Menschen nur unter Landwirten bekannt, die einen intensiven Kontakt zu den Tieren haben. Auch im Nordosten Englands und im Süden im Bezirk Buckinghamshire sowie auf der Isle of Wight wurden Sperrzonen eingerichtet.

Irland verstärkt Grenzkontrollen

Irland verstärkte am Freitag seine Grenzkontrollen durch Soldaten, um einen Import von Tieren aus Großbritannien und Nordirland auszuschließen. Das Landwirtschaftsministerium wies Supermärkte und Lebensmittelhändler an, zahlreiche Produkte aus Schweinefleisch aus dem Angebot zu nehmen. Auch aus britischer Milch hergestellte Milchprodukte dürfen nicht mehr verkauft werden.

Mit ähnlich strikten Vorsichtsmaßregeln bei Fleischprodukten reagierte Südkorea, zumal dort ein Wiederaufflammen der Krankheit befürchtet wird. Vor einem Jahr hatte die Seuche dort zu einem Exportstopp von Schweinefleisch im Wert von 400 Mill. Dollar geführt.
Auch China und Malaysia stoppten am Freitag ihre Importe von Tieren aus Großbritannien. Die Maßnahme solle verhindern, dass die Krankheit ins Land eingeschleppt werde, sagten Regierungsvertreter in Peking. Das chinesische Verbot betraf auch Tiere aus der Mongolei in Zentralasien. Hier war die Seuche am Vortag festgestellt worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%