Viele Mittelständler nehmen Umrüstung auf die leichte Schulter
Euro-Umstellung enttäuscht Kassenhersteller

Bei der Umstellung der Kassensysteme im Einzelhandel ist die Situation zweigeteilt. Während viele große Ketten und Konzerne ab dem ersten Januar automatisch sogar in der Lage sein werden, Mischzahlungen aus Euro und D-Mark zu akzeptieren, gibt es gerade bei kleinen Händlern noch immer Kassen, die nicht einmal das Euro-Zeichen drucken können. Entsprechend unterschiedlich sind die Euro-Erfahrungen der Kassenhersteller. Bei den einen wie bei den anderen gilt jedoch: Sie profitierten bislang kaum von der Umstellung.

9.10.2001 DÜSSELDORF. Die am Neuen Markt notierte Vectron AG hatte sich zunächst auf ein Zusatzgeschäft eingestellt. "Noch Anfang des Jahres sind wir davon ausgegangen, dass es zu einem Euroboom in der Branche kommt", so Investor-Relations-Manager Jochen Fischer. Anders als die großen Anbieter wie Wincor-Nixdorf, IBM und NCR, die große Ketten und Konzerne mit ihren computergestützten Systemen ausrüsten, macht Vectron 80 bis 90 % seines Umsatzes mit Einzelkassen für kleine und mittlere Unternehmen. Typische Vectron-Kunden sind Bäckereien mit wenigen Filialen.

Gerade bei solchen Unternehmen hat sich aber noch nicht viel getan. Einigen sei anscheinend nicht bewusst, welche Probleme das Akzeptieren von zwei Währungen mit sich bringen wird, so Horst Rüter vom Eurohandelsinstitut (EHI). Einige würden sich in der Übergangsphase einfach mit einem Taschenrechner behelfen und nach dem 28. Februar wieder mit der alten Kasse weiterarbeiten. Das sei aber nur empfehlenswert für Geschäfte mit überschaubarem Kundenandrang, etwa bei Blumenläden, warnt Rüter.

Vectron bekommt die Zurückhaltung des Mittelstandes zu spüren. Trotz einer breit angelegten Kampagne in Branchen-Blättern und einer speziellen Euro-Rubrik auf der Unternehmens-Website macht sich die Euro-Umstellung im Geschäftsergebnis noch nicht bemerkbar. 15 bis 16 000 Systeme habe das Unternehmen in diesem Jahr verkauft, so Jochen Fischer. Wie viele Käufe auf den Euro zurückzuführen sind, sei nicht zu sagen. Fest steht: Der Ersatzbedarf müsste größer sein. "Anfang des Jahres sind wir davon ausgegangen, dass jede dritte Kasse in Euroland nicht eurotauglich ist."

Für Fischer gibt es jetzt nur noch zwei mögliche Szenarien: Entweder es komme noch ein Verkaufsboom, oder Anfang nächsten Jahres breche das Chaos aus. Möglicherweise müssten die Händler dann erfahren, dass es selbst für die kurze Zeit mit zwei Währungen eben nicht "auch so" geht. Seine Hoffnungen ruhen auf dem Beginn der Messesaison im Herbst.

NCR und Wincor Nixdorf, die große Einzelhandels-Konzerne mit intelligenten Kassensystemen ausstatten, haben ganz andere Erfahrungen mit der Euro-Umstellung gemacht. Hersteller und Kunden befassen sich schon seit Monaten mit der Umstellung. Ziel ist es, die Systeme so zu automatisieren, dass am 1. Januar ohne weitere manuelle Umstellung sämtliche Werte auf Euro lauten. Nach monatelanger Planung, Konzeption und Umsetzung sind die technischen Arbeiten inzwischen überwiegend abgeschlossen. Zur Zeit sind die meisten Unternehmen mit Tests und der Schulung des Kassenpersonals befasst.

Die Hersteller von Kassensystemen als Profiteure der Euro-Umstellung? Trotz mehrerer zehntausend umgestellter Systeme, winken die Beteiligten auf diese Frage ab. In den meisten Fällen wurden die Systeme langjähriger Kunden umgerüstet. Das geschieht im Rahmen der üblichen Service-Verträge, die in der Regel ohnehin Software-Updates beinhalten. Einige kleine Unternehmen mit nicht-eurofähigen Kassen hätten zwar die Gelegenheit genutzt, sich neue Hardware zuzulegen, aber: "Gewaltige Umsatzsteigerungen waren da nicht möglich", sagt Lothar Wolf, Programm-Manager von Wincor-Nixdorf. Als Gewinn sieht Wolf allenfalls noch die enge Kooperation mit den Kunden.

Wie erwartet sei kein großes Zusatzgeschäft gemacht worden, lautet auch das Fazit vom Wettbewerber NCR. Allenfalls vorgezogene Investitionen hätten zu kurzfristigen Umsatzsteigerungen geführt, sagte der für den europäischen Einzelhandel verantwortliche Hans Heiner Katt. Sein Fazit: " Die Euro-Einführung ist eher eine Belastung. "

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