Viele Namen
Kommentar: Nachsommer

Die Auswahl war riesig: Aus einer Liste von 70 Spitzenmanagern konnte der damalige Aufsichtsratsvorsitzende der Telekom den Chef für die Telefonbehörde aussuchen. Die Wahl fiel auf den damals 46-jährigen Sony-Manager Ron Sommer.

Man suchte "einen Unternehmensführer mit internationaler Ausstrahlung, einen brillanten Verkäufer, einen dynamischer Beweger. Und den verkörperte Ron Sommer." Das waren laut Biograf Peter Glotz die Gründe, warum die Wahl auf den Sony-Mann fiel.

Heute, sieben Jahre später, ist der Lack ab. Die Tage des begnadeten Verkäufers Ron Sommer sind offenbar gezählt. Denn man kann es drehen, wie man will, der Mann, der die Deutsche Telekom in den vergangenen Jahren personifizierte, hat seine Glaubwürdigkeit verloren. Diese Erkenntnis dämmert nun auch der Bundesregierung. Und das kann, wie die prompte Reaktion der Börse zeigt, etwas bedeuten, schließlich ist der Bund Hauptaktionär. Der Sinneswandel in Berlin kommt jedoch reichlich spät: Denn noch im Mai stand Sommer in der Gunst des Bundeskanzlers: "Liebe Leute, es besteht kein Anlass, den Mann auszuwechseln, er hat gut gearbeitet", sagte Gerhard Schröder. Inzwischen, der Kurs der Volksaktie berührte kurz die Acht-Euro-Marke, hat Schröder die Fronten gewechselt. Er schließt sich eher der Gruppe an, die Sommers Rücktritt fordert.

Womit Ron Sommer Wahlkampfthema ist. Das beweist zunächst vor allem eins: Der politische Instinkt Schröders funktioniert noch. Der Kanzler hat das Herz für die Kleinaktionäre wieder entdeckt, immerhin haben drei Millionen Deutsche T-Aktien in ihren Depots - ein beträchtliches Wählerpotenzial. Auf den zweiten Blick aber ist es skandalös und purer Populismus, dass Schröder das Unternehmen Telekom, das wahrlich genug eigene Probleme hat, nun auch noch zum Spielball im Wahlkampf macht. Hieß es nicht bei der Übernahme des US-Mobilfunkbetreibers Voicestream, der Bund übe keinen Einfluss aus, sondern sei nur gleichsam stiller Teilhaber?

Wer Sommer-Nachfolger werden soll, darauf hat der Bund natürlich keine Antwort parat. Hartmut Mehdorn oder Ferdinand Piëch, Gerhard Cromme oder Klaus Esser - Namen gibt es viele, aber keiner überzeugt. Die Frage, was der neue Mann an der Spitze tun muss, ist da schon leichter zu beantworten. Er muss sanieren, so viel steht fest. Aber allzu viele Optionen hat er nicht. Natürlich könnte der neue Sommer den viel zu teuer eingekauften Mobilfunker Voicestream oder Teile des Systemlösungsgeschäfts verkaufen. Dadurch würde die Telekom kurzfristig Investitionskosten sparen, aber auf längere Sicht Wachstumsmöglichkeiten aufgeben.

Dann braucht der Ex-Monopolist endlich eine transparente Struktur. Der Nachfolger muss Ordnung im Konzernportfolio schaffen, bei den vielen Töchtern und Beteiligungen; und er muss den Verkauf des Tafelsilbers forcieren. Denn die Telekom braucht vor allem das Vertrauen der Märkte. Dies aber wird sie nur bekommen, wenn sie Ernst macht mit dem Abbau des Schuldenbergs. Ein Sommer-Nachfolger müsste sich auch mit den Gewerkschaften anlegen, um die ohnehin geplanten Entlassungen schneller und im größeren Umfang anzugehen. Und das dürfte Schröder angesichts der Arbeitslosenzahlen bestimmt nicht gefallen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%