Viele nutzten die Chance zur Gewinnmitnahme
Übernahmespekulationen beflügeln MLP-Aktien

Übernahmespekulationen haben am Freitag den Aktienkurs des Finanzdienstleisters MLP erneut deutlich nach oben getrieben. In der Spitze legte die Aktie um über 30 Prozent zu.

Reuters FRANKFURT/M. Bis kurz vor Handelsschluss gab das Papier jedoch einen Teil seiner Gewinne wieder ab und lag noch 14 Prozent im Plus bei 16,30 Euro.

Den enormen Kurszuwachs am Vormittag hatten Marktteilnehmer mit Gerüchten begründet, denen zufolge unter anderem die Citibank Interesse an MLP haben könnte. Ein MLP-Sprecher sagte, das Unternehmen habe keine Informationen zu einem Übernahmeangebot. Auch gehe MLP nicht aktiv auf einen strategischen Investor zu. Die Citibank kommentierte die Spekulationen nicht.

Auch der zur Münchener Rück gehörende Erstversicherer Ergo, der ebenso als möglicher Interessent gehandelt wurde, wollte sich nicht äußern. Der Baufinanzierer BHW erklärte, er habe kein Interesse an MLP. Während einige Analysten eine Übernahme durchaus für möglich hielten, schlossen andere diese Möglichkeit weitgehend aus und bezeichneten den Kursanstieg als technische Reaktion auf den knapp 50-prozentigen Einbruch vom vergangenen Freitag.

Mit Blick auf das Abschmelzen der MLP-Kursgewinne am Mittag sagte der Händler Gregor Görtz vom Handelshaus Lang & Schwarz, es sei eine große Verkaufsorder platziert worden. Außerdem hätten offenbar viele Anleger die Chance zu Gewinnmitnahmen genutzt.

MLP - Unsere Großaktionäre wollen nicht verkaufen

MLP betont derweil, dass die wichtigsten Anteilseigner weiterhin an ihren Aktienpaketen festhielten. Die Großaktionäre von MLP, Bernhard Termühlen und Manfred Lautenschläger, wollten ihren Anteil von insgesamt rund 48 Prozent nicht verkaufen, sagte der Unternehmenssprecher weiter. Die übrigen Anteile befinden sich in Mitarbeiter- beziehungsweise Streubesitz.

Der Finanzdienstleister war lange Zeit ein sehr beliebter Wert bei Investoren. Der Aktienkurs stieg zeitweise bis auf 190 Euro. Der Ruf des Unternehmens wurde zuletzt allerdings durch Presseberichte über eine möglicherweise falsche Bilanzierung angekratzt. Außerdem leidet MLP wie viele andere Unternehmen aus dem Finanzsektor unter den schwachen Kapitalmärkten.

Kursturz nach Prognosekorrektur am vergangenen Freitag

Ende vergangener Woche war der Kurs der MLP-Aktie auf 7,60 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren gefallen. Zuvor hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass das Gewinnziel für 2002 angesichts der aktuellen Börsenflaute und anhaltend negativer Presseberichte nicht mehr erreichbar sei. Der Kurseinbruch hatte Spekulationen darüber ausgelöst, ob die Aktie aus dem Dax herausfallen werde.

Zu Wochenbeginn setzte dann eine Erholung ein, im deren Rahmen sich der Wert des Papiers verdoppelte. Nachdem Händler zunächst technische Reaktionen als Gründe für die Erholung genannt hatten, gab die zur Deutschen Bank gehörende DWS Mitte der Woche bekannt, MLP-Aktien gekauft zu haben. Die Fondsgesellschaft bekräftigte am Freitag ihre Einschätzung der Aktie als attraktives Investment.

Marktkapitalisierung drastisch gesunken

Dennoch ist der Börsenwert von MLP inzwischen so stark gesunken, dass sich Übernahmespekulationen Händlern zufolge geradezu aufdrängen. Die Marktkapitalisierung, die vor rund acht Monaten noch bei 6,2 Milliarden Euro gelegen hatte, betrug zuletzt nur noch rund zwei Milliarden Euro. Börsianer hatten verschiedene mögliche Adressen ausgemacht, die vor allem ein Interesse an dem gut ausgebauten MLP-Vertriebsnetz haben könnten. Investmentbanker schlossen aber die Allianz sowie die Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank aus.

Der Analyst Carsten Zielke von WestLB Panmure sagte dagegen, er halte den jüngsten massiven Kursanstieg eher für eine technische Reaktion. Fondsmanager hätten in den vergangenen Monaten aggressiv MLP-Aktien verkauft. Einige institutionelle Investoren seien überdies von einem Ausscheiden des Wertes aus dem Dax ausgegangen und hätten sich aus diesem Grund von dem Papier getrennt. Da diese Möglichkeit jedoch geringer geworden sei, deckten sie sich zu günstigen Konditionen wieder ein.

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