Viele Privatanleger wollen nicht verkaufen – EU genehmigt Transaktion
Skeptische Kleinaktionäre stören INA bei FAG-Übernahme

Die geplante Übernahme von FAG Kugelfischer durch den Konkurrenten INA läuft zäher als gedacht. Zwar unterstützt der FAG-Vorstand mittlerweile die ursprünglich feindliche INA-Offerte. Doch viele Kleinanleger scheint das nicht zu beeindrucken. Sie sträuben sich gegen das Angebot.

mm/jojo FRANKFURT. Die Entscheidung darüber, ob die INA Holding Schaeffler KG die FAG Kugelfischer AG wie geplant übernehmen kann, rückt näher: Am Montag um 12 Uhr endet die Angebotsfrist, innerhalb der die Anleger ihre FAG-Aktien zu 12 Euro an INA verkaufen können. Obwohl das ursprünglich feindliche Übernahmeangebot mittlerweile auch von der FAG unterstützt wird, gibt es Zweifel, ob es der INA wirklich gelingt, sich innerhalb der Frist - wie erhofft - mindestens 75 % der FAG-Anteile zu sichern.

In Frankfurter Bankenkreisen hieß es gestern, dass die meisten FAG-Aktionäre ihre Anteile noch immer halten würden und noch nicht getauscht hätten. Ein Sprecher des Wälzlager-Konzerns bestätigte auf Anfrage, dass viele Anteilseigner, die sich telefonisch auf der Info-Hotline melden, ihre Papiere trotz der Verkaufs-Empfehlung des FAG-Vorstands nicht abgeben wollen. Aus Kreisen der beteiligten Unternehmen hieß es, die Zahl der negativen Anrufe habe massiv zugenommen. Gemessen am schlechten Feedback der Aktionäre sei es zweifelhaft, ob die 75 % zusammenkommen würden. Ein mit der Übernahme befasster Banker meinte: "Der Anteil der Kleinaktionäre an der FAG ist sehr hoch, das macht die Transaktion unberechenbar". Es sei sehr schwer einzuschätzen, ob das Umtauschziel erreichbar sei. Vor Beginn des Angebots hielten Privatinvestoren 63 % der FAG-Anteile, davon entfielen 53 % auf Kleinanleger.

INA bietet seit Montag 12 Euro je FAG-Aktie, nachdem sich das Management mit der FAG auf eine einvernehmliche Übernahme geeinigt hatte. Das entspricht einer Prämie von 65 % gegenüber dem Kurs vor Beginn des Übernahmekampfes. Zuvor hatte FAG-Chef Uwe Loos die Offerte strikt abgelehnt, weil er den ursprünglich gebotenen Preis von 11 Euro für zu niedrig hielt. Die Herzogenauracher INA-Gruppe zeigte sich am Donnerstag wie schon in den vergangenen Wochen "sehr optimistisch", das angepeilte Umtauschziel zu erreichen.

Über den Stand des Angebots wollte ein INA-Sprecher keine Angaben machen. Die Ergebnisse würden vermutlich erst am kommenden Dienstag vorliegen, betonte der Sprecher. Sollte INA an der Hürde von 75 % scheitern, hätte der Konzern mehrere Optionen: Theoretisch könnte er sein Angebot zurückziehen. INA könnte sich aber auch mit einem Anteil von 50 oder 60 % zufrieden geben oder das Angebot zu den gleichen Konditionen um 25 Tage verlängern. Dafür wäre allerdings die Zustimmung der Übernahmekomission notwendig.

Die Aktionäre stört offenbar vor allem, dass INA nicht mehr bezahlen will als 12 Euro. FAG selbst hatte den fairen Wert der Aktie mehrmals bei 14 Euro angesetzt, Banker in München sprachen sogar von 20 Euro. Darüber hinaus würden offenbar einige Anteilseigner Verlust machen, wenn sie ihre Aktien jetzt verkaufen, weil sie zu wesentlich höheren Kursen eingestiegen sind. 1997 war die FAG-Aktie noch knapp 18 Euro wert, fiel dann aber bis auf unter 7 Euro. Über der Marke von 12 Euro notierte die Aktie zuletzt im Oktober 1998. Analysten mehrerer Bankhäuser haben das Umtausch-Angebot als attraktiv eingestuft.

INA will FAG komplett übernehmen und hat über die Börse bereits mehr als 20 % der Anteile gekauft. Mindestens weitere 5 % hält INA-Inhaberin Maria-Elisabeth Schaeffler. FAG und INA hatten sich am vergangenen Wochenende in dreitägigen Verhandlungen auf eine gemeinsame Linie geeinigt.

Aus Sicht der Kartellbehörden gibt es offenbar keine Bedenken gegen die Transaktion. Die Wettbewerbshüter der Europäischen Union haben am Donnerstag grünes Licht für die geplante Übernahme gegeben.

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