Viele Probleme großer Konzerne sind sehr ähnlich
Ideen-Quelle im Jahresabo

Das amerikanische Corporate Executive Board sammelt Best-Practice-Lösungen der Wirtschaft und verkauft diese an seine Kunden. Ein Service, auf den mittlerweile 1 700 Großkonzerne vertrauen.

Vieles, was Jay McGonigle sagt, klingt auch nicht origineller als die üblichen Sprüche aus Management-Seminaren. "Wir sollten vermeiden, das Rad jeden Tag neu zu erfinden", ist einer seiner Lieblingssätze. Ein anderer: "Du solltest Deine Konkurrenz nicht hassen, sondern von ihr lernen." So weit, so platt. Trotzdem kann der 38-jährige Chefberater des Washingtoner Corporate Executive Board (CEB) eine respektable Kundenliste vorweisen. Coca-Cola, Sony, Canon, Unilever und Pfizer vertrauen ebenso auf den Rat von McGonigle wie McDonald?s, Shell und Microsoft. Anders als traditionelle Unternehmensberatungen verkauft McGonigle aber keine individuelle Beratung. Stattdessen erhalten die rund 1 700 Kunden, darunter über die Hälfte der Fortune 500 Unternehmen, für einen Jahres-Abopreis von 30 000 Dollar fünf bis zehn Best-Practice-Studien.

"Viele Probleme großer Konzerne sind sehr ähnlich. Unabhängig davon, ob es sich um einen Autohersteller in Europa, einen Computerkonzern in Amerika oder einen Stahlproduzenten in Australien handelt", glaubt McGonigle. Es ist also wenig sinnvoll, bei Null anzufangen, wenn ein anderes Unternehmen das gleiche Problem längst gemeistert hat. "Wir sammeln daher die besten Lösungsansätze und bereiten sie in unseren Studien für die Kunden auf." Aktuelle Themen sind zum Beispiel: "Wie lässt sich der eigene Managementnachwuchs effektiv fördern?", "Wie sollte das Marketing auf veränderte Marktsituationen reagieren?", oder "Welche Strategien gibt es, das Beschaffungsmanagement zu optimieren?". Insgesamt 16 Programme bietet CEB an, die sich jeweils auf eine Unternehmensdisziplin konzentrieren. Personalentwicklung, Finanzen und Verkauf sind besonders gefragt.

Anfang jeden Jahres diskutieren die CEB-Berater mit Managern, Finanzvorständen, Marketing- und Personalleitern welche Probleme in den kommenden Monaten besonders im Fokus stehen. Dann schwärmen die fast 700 Mitarbeiter aus, sichten Literatur, sammeln bei Unternehmen Lösungsansätze, arbeiten eigene Ansichten ein und stellen die Ergebnisse in Studien vor.

Zusatzfragen ohne Zusatzkosten

Die rund 80 jährlich veröffentlichten Studien diskutieren zwar eher generelle Lösungsansätze. Das gesammelte Material wird aber von den CEB-Beratern häufig auch an spezielle Bedürfnisse oder besondere Marktsituationen angepasst. Die Jahresgebühr schließt außerdem die Teilnahme an Konferenzen, kurze Recherche-Newsletter und ein Online-Archiv ein, in dem sämtliche Studien abrufbar sind. Zur Unternehmensphilosophie gehört es auch, dass sich die Kunden mit ihren Fragen jederzeit an CEB wenden können - ohne Zusatzkosten, versteht sich.

"Unser Geschäftsmodell funktioniert jedoch nur, wenn Unternehmen auch bereit sind, ihre Erfolgsstrategien mit uns zu teilen", erklärt McGonigle. Schließlich werde natürlich kein Kunde gezwungen, seine Strategien mit dem CEB-Berater zu diskutieren. Die meisten sind aber bereit, ihr Wissen mit anderen zu teilen. "Der Best-Practice-Ansatz des CEB gibt uns wichtige strategische Impulse", sagt beispielsweise Shell-Sprecherin Cerris Tavinor. Der Ölkonzern ist CEB Kunde im Finanz- und Rekrutierungsprogramm. "Anders als bei klassischen Unternehmensberatungen unterstützen sich die Teilnehmer der Konferenzen und Diskussionsrunden gegenseitig und versuchen gemeinsam, optimale Lösungen zu entwickeln." Inzwischen habe CEB ein Netzwerk zu den Vorstandsetagen der Großkonzerne weltweit geknüpft, das stark "auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt gründet", sagt McGonigle. "Jede Zeile, die wir publizieren, wird vorher von den Unternehmen gegengelesen und freigegeben." Falls gewünscht, tauchen Unternehmen in den Studien auch anonymisiert auf.

Werbeeffekt ist nicht zu unterschätzen

Doch welches Interesse haben Manager ihre besten Strategien auch an Konkurrenten weiterzugeben? Die meisten der rund 1 700 Kunden scheint das nicht zu stören. Su Thomas, Senior Director bei CEB in London, vermutet, dass bei den Managern ein Solidaritätsgefühl herrscht: "Vorstände haben in ihren Unternehmen selten Ansprechpartner, mit denen sie die Probleme ihres Aufgabenbereichs besprechen." CEB biete mit seinen Konferenzen das entsprechende Forum. Thomas: "Dort treffen dann beispielsweise die Personalvorstände aufeinander und diskutieren ganz offen über die Förderung junger Führungskräfte." Außerdem sei auch der Werbeeffekt nicht zu unterschätzen. "Wenn in einer branchenübergreifenden, neutralen Studie das eigene Unternehmen als Best-Practice beschrieben wird, ist das sicher ein Grund, stolz zu sein."

Brandt Sakakeeny, Analyst bei Deutsche Banc Alex Brown in New York sieht noch einen weiteren Erfolgsfaktor für CEB: "Das sind hochaktuelle und relevante Studien zu einem Schnäppchenpreis. Eine traditionelle Unternehmensberatung verlangt dafür locker die zehnfache Summe. Doch dafür erhält das Unternehmen auch nur die Lösung für eines seiner Probleme." Der Analyst beobachtet CEB seit dem Börsengang 1999. Am Anfang hätten die Kritiker noch laut gerufen: Kann denn ein solches Modell überhaupt funktionieren? Angesichts des Umsatzes von über 100 Millionen Dollar und jährlichen Wachstumsraten von 35 Prozent seien die Rufe der Kritiker leiser geworden, sagt Sakakeeny. "Das ist sicher eines der besten Geschäftsmodelle, das ich in den vergangenen Jahren gesehen habe." Noch dazu profitierten die Kunden von der großen Datenbasis, die CEB inzwischen gesammelt habe. Was es auch für mögliche Konkurrenten schwer mache, in die Marktnische einzudringen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%