Viele Probleme hausgemacht
Deutsche Software-Börsenstars scheitern in USA

Der jähe Absturz des Börsenstars Intershop (Jena/Hamburg) und die Furcht vieler Anleger vor einer Gewinnwarnung des Konkurrenten SAP (Walldorf) haben eine der verwundbarsten Stellen deutscher Softwareanbieter offen gelegt. So ist eine starke Marktposition in Europa zwar notwendig für einen erfolgreichen Aufstieg. Ausreichend für ein dauerhaftes Mitspielen in der Weltliga ist sie jedoch nicht. Als entscheidend erweist sich letztlich die Präsenz auf dem größten Software-Markt der Welt. In den USA aber haben der bisherige Riese des Neuen Marktes Intershop und das Dax-Schwergewicht SAP erhebliche Probleme.

adx BERLIN. Der Umsatz von Intershop (2000: 122 Mill. Euro bei rund 40 Mill. Euro Verlust) war im vergangenen Jahr erstmals seit der Gründung 1992 in einem vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal zurückgegangen. Dabei sackte der Umsatzanteil des Anbieters von Spitzen-Software für den elektronischen Handel in den USA von sonst etwa 40 auf 12 % ab. Ein Teil dieses Desasters ist hausgemacht. Obwohl die USA der Markt schlechthin für Software sind, schenkte die Unternehmensspitze ihm bei der schnellen Expansion aus einer Jenaer Garage zu einem weltweiten Vertriebsnetz nicht die notwendige Beachtung. So musste die Intershop-Führung des US-Bereichs mehrmals ausgewechselt werden. Die Kosten liefen aus dem Ruder, der Vertrieb arbeitete nicht effektiv genug. Die Außenstände erreichten ein bedrohliches Ausmaß.

Ähnliche Probleme verbuchte mit SAP (1999: Umsatz 5,1 Mrd. Euro bei einem Gewinn von 0,6 Mrd. Euro) ein weiteres Vorzeigeunternehmen der deutschen Firmenlandschaft. Seit der Gründung 1972 entwickelte sich die Softwareschmiede zu einem der Weltmarktführer von Programmen für Geschäftsprozesse zwischen Unternehmen per Internet. Ende Dezember räumte nun auch SAP-Vorstandssprecher Hasso Plattner ein, in den USA Fehler gemacht zu haben. Die Konzernspitze habe insbesondere die Bedeutung von Marketing und Verkauf in diesem Schlüsselmarkt unterschätzt. Die Zahlen für das vierte Quartal will SAP erst am 23. Januar bekannt geben. Doch viele Analysten sind bereits jetzt verunsichert. "Es kann schon sein, dass uns etwas Negatives erwartet", gibt Jörg Natrop von der WGZ Bank die Stimmung wieder.

Verheerende Folgen für SAP

Die Folgen für die Aktie von SAP sind verheerend. Das Papier stürzte innerhalb der vergangenen 52 Wochen an der Frankfurter Börse von seinem Höchststand 349,96 Euro (7. März 2000) auf ein Tief von 126,05 Euro ab. Die Anteilsscheine von Intershop fielen von 135,00 Euro (10. März 2000) auf 7,83 Euro. Mittlerweile ziehen diese Turbulenzen auch kleinere deutsche Softwarehäuser wie Brokat aus Stuttgart (1998/99: Umsatz 31,4 Mill. Euro) und Gauss Interprise aus Hamburg (1999: Umsatz 9,99 Mill. Euro) in den Abwärtsstrudel. Obwohl sie völlig anders geartete Programme herstellen, fliehen die Anleger aus diesen Werten. Brokat mit Software für Internet-Bankdienstleistungen ist nach einem Hoch von 195,00 Euro (10. März 2000) nur noch 13,10 Euro wert. Gauss Interprise mit dem Management elektronischer Web-Inhalte als Schwerpunkt rutschten von 42,00 Euro (24. März 2000) auf 4,30 Euro ab. Alle Papiere notierten damit am Donnerstag mit ihrem niedrigsten Schlusskurs innerhalb der vergangenen zwölf Monate.

Die deutschen Softwareschmieden haben allerdings in Übersee neben ihren hausgemachten Problemen auch mit den Folgen der schwächelnden US-Konjunktur zu kämpfen. Zahlreiche amerikanische Kunden schieben ihre Investitionen in Software und Informationstechnik auf. Das drückt Umsatz und Gewinn. Dieses rauer werdende Klima bekommen auch Intershop-Konkurrenten wie Broadvision und Art Technology sowie SAP-Rivalen wie I2 und Oracle (alle USA) zu spüren - doch die sind natürlich auf ihrem Heimatmarkt besser positioniert.

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