'Viele Probleme hausgemacht'
Unternehmen verlassen den Smax

Auch für die kleineren und mittelständischen Unternehmen wird die Luft am Kapitalmarkt zunehmend dünner. Gerade zum Jahresende hin mehren sich die Ankündigungen der Firmen, die den Smax, das Segment der Deutschen Börse für die so genannten Small Caps, verlassen wollen.

dpa-afx FRANKFURT. Der Metallwarenhersteller WMF war bislang der letzte Kandidat, der sein Ausscheiden in Aussicht gestellt hat. Nach Informationen der Deutschen Börse haben inzwischen fünf der 200 SMAX-Unternehmen das Segment verlassen, drei wollen zum Jahresende aussteigen.

Kosten-Nutzenrechnung geht für Aussteiger-Unternehmen nicht auf

Die Gründe, die von den Firmen für den Rückzug genannt wurden, waren im wesentlichen dieselben: zu hohe Kosten und ein zu geringer Gegenwert. "Die Relation zwischen beiden Komponenten hat sich zunehmend verschlechtert", sagte ein Sprecher der Schuler AG.

Die Kosten für die Betreuung durch die Designated Sponsors, für das Börsensegment und die von der Deutschen Börse geforderte Rechnungsumstellung auf die internationalen Standards IAS oder US-GAAP zum Jahreswechsel nannte der Sprecher als Negativfaktoren. Dem stehe als Nutzen ein höherer Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit und am Finanzmarkt gegenüber.

Eine Rechnung, die offensichtlich für Firmen wie Schuler, die Kaufhauskette Kaufring oder WMF nicht aufgeht - die drei Unternehmen kündigten ihre Mitgliedschaft in dem Kleinwerte-Segment daher auf. Bijou Brigitte, Bien-Haus, Ahag Wertpapierhandelsbank, Adolf Ahlers und Uzin Utz sind bereits zu einem früheren Zeitpunkt ausgestiegen.

Branchenkenner sehen Probleme auch als "hausgemacht" an

Kritische Marktbeobachter wähnen hinter dieser Begründung aber nur einen Vorwand. Sie bezeichnen die Probleme als "hausgemacht", rügen mangelnde Kommunikationsfähigkeit und fehlende Markttransparenz. "Einige Unternehmen waren einfach nicht in der Lage, sich den Investoren überzeugend zu präsentieren", sagte Jochen Mathee von der Fondsgesellschaft Invesco.

Mit dem Ausscheiden aus dem Smax müssten die Firmen nun nicht mehr quartalsweise bilanzieren und könnten auch ihre Transparenz herunter fahren. "Die Firmen hatten eine Übergangsfrist, um ihre Rechnungslegung umzustellen. Diese Zeit ist offenbar nicht genutzt worden", sagte Mathee.

Neuordnung des Börsensegments und Umgewichtung 2002 geplant

Auch die angekündigte Neuordnung des S-Dax wurde von den Aussteiger-Firmen mitunter als Grund für ihre Kündigung angeführt. Ab dem 24. Juni 2002 soll die Zahl der größten im S-Dax gelisteten Smax-Unternehmen von derzeit 100 auf 50 reduziert werden. Damit einher geht auch die Umstellung der Index-Gewichtung von Marktkapitalisierung auf Streubesitz. Die Verkleinerung des Segments hat nach Angaben von Schuler die Perspektiven auf ein Verbleiben im Segment "noch weiter getrübt". Der schwäbische Systemlieferant würde nämlich nicht den exklusiven Kreis der 50 aufgenommen werden.

Für WMF ist die Umstellung auf Streubesitz ein zusätzlicher Dorn im Auge. "Für Unternehmen, die wie wir mehrere Aktiengattungen notiert haben, ist dies eine Benachteiligung", sagte WMF-Sprecher Jürgen Vogler. Frank Hartmann, Sprecher der Deutschen Börse, verteidigt dagegen die Neuordnung: "Die Beschränkung auf 50 Unternehmen macht den Index attraktiver, und die Umstellung auf Streubesitz gibt den Markt besser wider".

Für Jochen Mathee gibt es weitere gute Gründe, im Smax zu bleiben: "Stada, Kamps, Salzgitter - all diese M-Dax Unternehmen haben mal im Smax geübt. Wer sich im S-Dax 50 bewähren wird, hat Aufstiegschancen."

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