Viele Shooting-Stars des liberalisierten Telekommarktes werden zu Todeskandidaten
Analyse: Call-by-Call-Firmen wandeln auf der letzten Meile in den Ruin

DÜSSELDORF. "Wir können nur billig." Was für den Elektrofachhändler Media-Markt ein flotter Werbespruch ist, beschreibt für die Branche der Call-by-Call-Telefonanbieter die entscheidende Schwachstelle. Beim Call-by-Call-Verfahren sucht sich der Kunde für jedes Gespräch aufs Neue den billigsten Anbieter aus. In Deutschland war das der Schlüssel zu einer schnellen Öffnung des Telefonmarktes. Unternehmen wie Mobilcom, Telepassport oder Teldafax konnten ins Geschäft einsteigen, ohne eine eigene Infrastruktur aufbauen zu müssen. So zwangen sie die Deutsche Telekom, ebenfalls zügig die Preise zu senken. Am Ende scheint ihnen genau das zum Verhängnis zu werden.

Teldafax ist das jüngste Opfer. Gestern hat das Unternehmen einen Insolvenzantrag gestellt. Callino hat dies bereits am Freitag getan und steht damit auf der Liste der Todeskandidaten ebenso wie Herzog Telecom, ein Telekom - Fachhändler. Gigabell, SEC und Star Telecom sind schon begraben. Woche für Woche ein neuer Pleitekandidat, und ein Ende ist noch nicht abzusehen. In der Branche werden schon Wetten abgeschlossen, wer als Nächster Besuch vom Insolvenzverwalter bekommt.

Was aber sind die Ursachen für den Niedergang der einstigen Shooting- Stars des liberalisierten Telefonmarktes? Zum einen senkte die Deutsche Telekom ihre Preise so tief, dass einige den Konzern schon als den billigen Jakob titulierten. Damit taugte der Preis nicht mehr als Differenzierungsmerkmal - schlecht für die privaten Wettbewerber, gut für die Telekom, sie konnte durch die Preisoffensive ihre Marktanteile verteidigen. Nicht einmal die Telekom-Regulierungsbehörde konnte sie bremsen, da sie als Anwältin der Verbraucher schwerlich sinkende Gebühren verbieten kann.

Zum anderen gewann das Internet an Bedeutung. Kleine und mittelständische Unternehmen und auch Privatkunden waren irgendwann nicht mehr zufrieden damit, ein paar Mark bei ihren Telefonkosten zu sparen. Sie wollten mehr: eine gute Infrastruktur für ihren Datenaustausch zum Beispiel. Und das erfordert Investitionen, wie sie Call-by-Call-Anbieter der ersten Stunde einfach nicht aufbringen konnten. Die Konsolidierungswelle nahm ihren Lauf. Vor allem der Einstieg der France Télécom bei dem größten der Call-by-Call-Anbieter, der Mobilcom AG, zeigt die Grenzen der Billiganbieter. Vorher hatte Mobilcom schon Telepassport geschluckt.

Komplettanbieter war daher das Zauberwort, das im vergangenen Jahr die Runde machte und die Konsolidierungswelle antrieb. Außerdem kamen neue Anbieter auf den Markt, die angesichts sinkender Margen im Festnetz ihre Chancen in der Vermarktung von Bandbreite für den Datenverkehr oder im schnellen Internetzugang suchten. Doch auch diese tun sich schwer, wie das Beispiel GTS zeigt. Das Unternehmen bietet neben Sprachtelefonie auch Breitbanddienste an. Doch seit sich die Telekomeuphorie deutlich abgekühlt hat, sind die Kapitalmärkte kaum noch bereit, solche teilweise hoch verschuldeten Telekom - Newcomer weiter zu finanzieren.

Die letzte Meile bekommt damit eine ganz neue Bedeutung. Damit sind jetzt nicht mehr nur die letzten Meter Telefonleitung auf dem Weg zum Endkunden gemeint. Viele kleine Telekomanbieter gehen nun die letzte Meile auf ihrem Weg in den Bankrott.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%