Viele Staaten waren vorab informiert
Reaktionen: Unterstützung für die USA

Nicht nur Deutschland, auch die EU war vorab über die Pläne der USA informiert worden. Während die westliche Welt USA ihre Unterstützung zusagt, kritisieren Länder wie Irak und Iran die militärischen Angriffe auf Afghanistan.

dpa/Reuters/afp/AP. Die Europäische Union hat sich hinter den bewaffneten Kampf der USA gegen Ziele in Afghanistan gestellt. "Wir bekräftigen unsere Solidarität mit den USA, Großbritannien und den anderen beteiligten Ländern", sagte der belgische Premierminister Guy Verhofstadt als amtierender EU-Ratspräsident am Sonntagabend im belgischen Fernsehen.

EU war vorab informiert

Die EU sei vorab informiert worden. Es habe am Nachmittag Kontakte mit dem EU-Beauftragten für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, gegeben. US-Außenminister Colin Powell habe mit der EU gesprochen. Die Militärschläge seien nicht gegen den Islam gerichtet, sondern gegen die Verantwortlichen der Terroranschläge vom 11. September, sagte Verhofstadt.

Bush: "Wir werden unterstützt"

Die USA und Großbritannien können bei der am Sonntagabend eingeleiteten Offensive gegen die Taliban und die extremistische Organisation El Kaida mit weltweiter Unterstützung rechnen. US-Präsident George W. Bush sagte nach dem Beginn der Angriffe im Fernsehen, Deutschland, Frankreich, Kanada und Australien hätten zusagt, sich an den folgenden Militärschlägen zu beteiligen. In Berlin bekräftigte Bundeskanzler Gerhard Schröder, die Bundesregierung unterstütze "ohne Vorbehalte" das Vorgehen gegen terroristische Ziele in Afghanistan. Bush hatte die Spitzenvertreter der führenden Industrienationen und auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin vor Beginn der Angriffe informiert.

"Wir werden vom kollektiven Willen der Welt unterstützt", sagte Bush in seiner Fernsehansprache und unterstrich, jede Nation stehe bei diesem Konflikt vor der Entscheidung, auf welche Seite sie sich stelle. Wer immer den Mördern unschuldiger Menschen helfe, werde damit selbst zum Mörder und Verbrecher, sagte Bush im Blick auf die Terroranschläge vom 11. September. "Es gibt dabei keinen neutralen Boden", sagte Bush. Das Ziel der Offensive, die sich allein auf militärische Ziele der Taliban und des Extremisten Osama bin Laden richte, sei es, dauerhafte Gerechtigkeit in dem Land herzustellen.

US-Vize-Präsident Cheney an einem geheimen Ort

Nach dem Beginn der US-Angriffe gegen Afghanistan ist US-Vizepräsident Dick Cheney aus Sicherheitsgründen an einen geheimen Ort gebracht worden. Die Nummer zwei der US-Regierung sei aus seinem Büro im Weißen Haus an einen sicheren Ort gebracht worden, sagte ein Sprecher in Washington. Seit Beginn der Angriffe seien eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. Bereits nach den Terroranschlägen in New York und Washington vor knapp vier Wochen hatte sich Cheney auf den Präsidenten-Landsitz Camp David begeben, während US-Präsident George W. Bush im Weißen Haus blieb.

Kritik aus Iran

Das iranische Außenministerium hat die amerikanischen Luftangriffe auf Ziele in Afghanistan am Sonntag als "inakzeptabel" bezeichnet. "Diese Angriffe, die ohne Rücksicht auf die öffentliche Meinung besonders der moslemischen Nationen gestartet wurden und die unschuldige und unterdrückte Afghanen in Mitleidenschaft ziehen, sind inakzeptabel", sagte Außenamtssprecher Hamid-Resa Assefi der amtlichen Nachrichtenagentur Irna.

Er warnte die USA gleichzeitig davor, Irans territoriale Integrität und speziell den Luftraum zu verletzen. Dowlat Abadai, Berater im Außenministerium, hatte zuvor die Angriffe auf Afghanistan bedauert und sie als Bemühen der USA bezeichnet, ihre militärische Präsenz in der Region auszuweiten.

Irak verurteilt Angriffe in Afghanistan

Irak hat die Angriffe der USA und Großbritanniens auf Ziele in Afghanistan am Sonntag als "verräterische Aggression" verurteilt. Das staatliche Fernsehen berichtete ausführlich über die Angriffe. Zuvor hatte der irakische Staatschef Saddam Hussein die USA am Sonntag aufgerufen, ihre Beweise im Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September vorzulegen. In einer Kabinettssitzung vor Beginn der Angriffe beschuldigte er Washington einer Politik von Zuckerbrot und Peitsche nach dem Motto: "Wenn sie uns nicht geben, was wir wollen, bombardieren wir sie." Wenn die USA Beweise hätten, sollten sie diese öffentlich machen, forderte der irakische Machthaber. "Reicht es künftig aus zu sagen, dass sie Beweise haben, um einen Krieg gegen ein Land anzufangen?" Auf den mutmaßlichen Terroristenführer Osama bin Laden oder die in Afghanistan regierenden Taliban ging Saddam Hussein nicht direkt ein.

Russland billigt die Angriffe

Das russische Außenministerium billigte die Angriffe. Der Sender ORT verlas eine Erklärung des Ministeriums, worin es hieß, der internationale Terrorismus gehöre vor Gericht. Afghanistan sei zu einem "internationalen Zentrum des Terrorismus und Extremismus" geworden. Die Terroristen, die dort Unterschlupf gefunden hätten, seien verantwortlich für viele Verbrechen weltweit.

Usbekistan verstärkt Kontrollen an afghanischer Grenze

Usbekistan hat als Reaktion auf die US-Angriffe im Nachbarland Afghanistan seine Grenzkontrollen verstärkt. Die Regierung habe zusätzliche Soldaten ins Grenzgebiet entsandt und "die höchste Alarmstufe" ausgerufen, sagte ein Grenzoffizier am Sonntag in Termes. Auch das Krisenministerium in Taschkent sei in Alarmbereitschaft versetzt und "auf alle Notlagen vorbereitet". Usbekistan hatte den USA als Vorbereitung für Angriffe auf die afghanische Taliban-Miliz die Stationierung von 1 000 Elitesoldaten erlaubt und die Nutzung von Militärbasen genehmigt. Die Taliban kündigten dafür Racheakte in Usbekistan an.

Die in Tadschikistan stationierten russischen Truppen teilten mit, sie würden "jede Angriffshandlung aus Afghanistan erwidern". Auch Flüchtlinge würden nicht ins Land gelassen, verkündete der Generalstab der 201. Division laut der Nachrichtenagentur ITAR-TASS. An Angriffen auf Afghanistan werde sich die Einheit jedoch nicht beteiligen.

Israel: US-Angriffe "mutig"

Israel nannte das amerikanische Vorgehen gegen die Taliban und Bin Ladens El Kaida "mutig". Israel bete für das Wohlergehen der US-Streitkräfte und der Verbündeten in diesem Konflikt, erklärte Israels Außenminister Schimon Peres im Fernsehen. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat den USA für den Einsatz in Afghanistan "jede mögliche Hilfe" zugesagt. Israels Unterstützung reiche über das bisherige Angebot hinaus, erklärte Scharon am Sonntag in Jerusalem. Scharons Büro versicherte, für die Sicherheit der israelischen Bevölkerung seien alle Vorkehrungen getroffen worden. Israel war eine Stunde vor den Angriffen informiert worden.

Spanien: "Legitime Verteidigung"

Spaniens Ministerpräsident Jose Maria Aznar hat die militärischen Angriffe auf Ziele in Afghanistan als eine Aktion der «legitimen Verteidigung» bezeichnet. In einer Erklärung im Anschluss an eine Sitzung des Krisenstabs des spanischen Kabinetts sagte der konservative Regierungschef am Sonntag in Madrid: «Keine terroristische Attacke darf unbeantwortet bleiben.»

Er sei zuversichtlich, dass der Kampf gegen den Terrorismus zum Erfolg führen werde. Die Regierung verschärfte die Sicherheitsvorkehrungen in Spanien, vor allem für die Botschaften der USA und Großbritanniens in Madrid.

Italien "an der Seite der USA"

Unmittelbar nach dem Beginn der US-Angriffe auf Afghanistan hat der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi am Sonntag einen Alarmplan gegen mögliche Terroranschläge in Kraft gesetzt. Der Plan sieht eine verstärkte Bewachung von als gefährdet eingestuften Plätzen und Orten vor. Außerdem wurde die Luftabwehr verstärkt.

Berlusconi war von US-Vizepräsident Dick Cheney über den Start der Militäroperationen informiert worden. Italien stehe an der Seite der USA und «all jener, die am Kampf gegen den Terrorismus beteiligt sind», sagte Berlusconi. Am späten Abend sollte nach Angaben von Innenminister Claudio Scajola der Krisenstab der Regierung in Rom zusammentreten.

China unterstützt US-Angriffe

China unterstützt die US-Angriffe unter der Bedingung, dass sie sich gegen "bestimmte Ziele" richten und Opfer unter der Zivilbevölkerung vermeiden. Peking lehne Terrorismus in jeder Form ab und unterstütze Maßnahmen zu seiner Bekämpfung, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua einen Sprecher des Außenministeriums am Montag (Ortszeit). Der Militäreinsatz solle sich jedoch nur gegen "bestimmte Ziele" richten, "um keine unschuldigen Zivilisten zu verletzen". China hoffe auf eine baldige Wiederherstellung des Friedens.

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