Viele Szenarien, viele Unklarheiten
EM.TV: Hiobsbotschaft für das dritte Quartal erwartet

Der von der EM.TV & Merchandising AG für Freitagnachmittag oder Montagmorgen geplante Ausweis für das dritte Quartal dürfte nach Analystenmeinung Hiobsbotschaften enthalten.

vwd/rtr UNTERFÖHRING. Bereits in dieser Woche war der Kurs des einstigen Vorzeigeunternehmens am Neuen Markt nach Gerüchten über Liquiditätsprobleme auf ein Jahrestief von unter 18 Euro (Höchststand 120 Euro im Januar) gefallen. Positive Impulse erhielt der Kurs erst wieder nach Spekulationen, wonach sich die Kirch-Gruppe an EM.TV beteiligen wolle.

Ob und wie eine Beteiligung Kirchs, die in den Medien schon als Tatsache gehandelt wird, erfolgen könnte, ist nach Ansicht von Jan Herbst, Analyst bei Sal. Oppenheim, noch vollkommen unklar. Trotz diverser Szenarien gebe es derzeit zuviele Unwägbarkeiten und Variablen, um konkrete Aussagen zu machen. Branchenkenner halten es beispielsweise für möglich, dass die Brüder Haffa ihren EM.TV-Anteil von knapp 50 %, der Rest ist in Streubesitz, an Kirch veräußern und der EM.TV-Vorstandsvorsitzende Thomas Haffa im Gegenzug durch Aktientausch Anteile an der Film- und Fernsehrechte-Holding Kirch KGaA-Media erhalten könnte.

Ablösung von Thomas Haffa denkbar

Ob schon der Montag "der Tag der Wahrheit" sei, sei dagegen schwer zu prognostizieren, so Helaba-Trust-Analyst Florian Leinauer. Eine Ablösung des Vorstandsvorsitzenden Thomas Haffa ist nach Ansicht Leinauers, sollte es tatsächlich zu einer Übernahme des angeschlagenen Medienkonzerns kommen, durchaus denkbar. Zu den Unwägbarkeiten gehört auch die Frage, in welchen Bereichen eine Übernahme für Kirch strategisch sinnvoll ist. In erster Linie wird hier die Formel Eins als Ergänzung für das Bezahlfernsehen genannt. Gleichzeitig könnten sich für EM.TV in diesem Bereich im Falle der Ausübung der Verkaufsoption von 25 % über knapp eine Mrd $ durch Bernie Ecclestone tatsächlich Liquiditätsprobleme für EM.TV ergeben.

Merrill Lynch glaubt nicht an Liquiditätsprobleme

Mit Blick auf die Zahlen erläutert Bernhard Tubeileh, Analyst bei Merrill Lynch, er glaube nicht an Liquiditätsprobleme, sehe aber, dass die Erwartungen im Markt in Richtung Gewinnwarnung gingen. Einige Analysten rechnen mit einem niedrigeren Umsatz. Die Zahlen seien aber wenig aussagekräftig, da die Zukäufe noch nicht konsolidiert seien. Getrennt ausgewiesen werden das Kerngeschäft von EM.TV, also der Lizenzhandel mit Kinder- und Jugendprogrammen, die 100-Prozent-Beteiligung an der Jim Henson-Gruppe, die Formel Eins Holding SLEC (100 %) sowie die Beteiligung an der Tele-München-Gruppe (45 %).

Eine konsolidierte Bilanz will das Merchandising-Unternehmen erst im kommenden Frühjahr präsentieren. Für den Umsatz im Gesamtjahr 2000 hatte der Vorstandsvorsitzende Thomas Haffa noch vor drei Wochen die Prognose von rund 1,5  Mrd. DM und für das EBIT von 600 Mill. DM bekräftigt. Nach Ansicht von Roland Pfänder, Analyst bei der BHF-Bank, ist unsicher, ob EM.TV dieses Ziel erreicht. Ursprünglich hätten sich die Umsätze im Lizenzhandel auf 600 Mill. DEM verdoppeln sollen. Dieses Ziel werde aber - wenn nicht noch "ein größerer Deal in der Pipeline" sei - verfehlt.

Im Oktober hatte EM.TV die Zahlen für das erste Halbjahr nach unten korrigiert, weil die Umsätze der Jim Henson Co und der Formel Eins Holding SLEC unklar verbucht worden waren. In diesem Zeitraum verringerte sich das Betriebsergebnis des Ursprungskonzerns im Vorjahresvergleich um 37 % auf 94,1 (59,1) Mio DM und auch die Akquisitionen erweisen sich nach Ansicht von Branchenkennern als nicht so gewinnträchtig, wie ursprünglich von Haffa angekündigt. Thomas Haffa, würde einem Zeitungsbericht zufolge von einen Anteil von zwei bis drei Prozent an der Kirch Media GmbH & Co KGaA erhalten, falls sich Kirch und Haffa auf eine Übernahme der EM.TV durch Kirch einigen. Den größten Teil der Übernahme der EM.TV-Aktien der Familie Haffa würde Kirch mit einer Barkomponente begleichen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ohne die Nennung von Quellen weiter. Die beiden Unternehmen hatten bislang keine Stellung zu den angeblichen Übernahmeverhandlungen nehmen wollen. Bei der am neuen Markt notierten EM.TV war am Donnerstagabend zunächst niemand für eine Stellungnahme zu dem Bericht erreichbar.



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