Viele Titel entwickeln sich besser als die der PKW-Hersteller
Autozulieferer machen Aktionären Freude

Die Automobilzulieferer stehen an der Börse eher im Abseits. Die meisten Anleger interessieren sich für die Autos selbst und schauen nur selten unter das Blechkleid. Dabei liegen gerade hier viele Chancen verborgen. Vor allem kleinere Zulieferer überraschen immer wieder mit respektablen Kursgewinnen.

STUTTGART. Die Automobilzulieferer werden 2002 kein weiteres Rekordjahr verbuchen. Sie haben sich aber bisher robuster als Firmen anderer Branchen gegen den konjunkturellen Abschwung stemmen können. Das zeigt sich insbesondere bei den börsennotierten Unternehmen.

Rolf Woller, Analyst der Hypovereinsbank, hat 46 europäische Autozulieferer unter die Lupe genommen. 15 dieser Werte haben seit Jahresbeginn Kursgewinne verbuchen können. 38 sind immerhin noch besser gelaufen als der Dax-30 und 34 besser als der CDax, der Index für die Autobranche. Beide Indizes haben seit Jahresbeginn rund 40 % ihres Wertes verloren.

Wollers Liga der Spitzenreiter führt allerdings ein Unternehmen an, das inzwischen vom Kurszettel verschwunden ist. Die Kiekert AG, Nischenanbieter für Türschlösser, legte wegen Übernahmespekulationen ein Kursplus von 70 % hin. Nach einem Squeeze- Out-Verfahren ist das Unternehmen nicht mehr an der Börse notiert.

Freuen können sich auch die Aktionäre der Edscha AG, ein Spezialist für Scharniersysteme und Cabrio-Dächer. Der Kurs stieg in diesem Jahr um die Hälfte. Vor wenigen Tagen ist jetzt aber der US-Finanzinvestor Carlyle eingestiegen und hat den freien Aktionären ein Übernahmeangebot gemacht.

Andere Aktien der Spitzenliga jedoch könnten den Aktionären weiter Freude machen. Gut abgeschnitten haben in diesem Jahr der Dichtungsspezialist Elring Klinger und der französische Zylinderkopfhersteller Montupet mit Zuwächsen von über 30 %. Der Sitzeproduzent Grammer und der Bordnetzspezialist Leoni verbuchten noch ein Plus von über 10 %.

Die Aussichten für die Zulieferer sind auch für 2003 nicht schlecht. Woller geht davon aus, dass sich in den USA die gute Autokonjunktur 2002 im nächsten Jahr fortsetzen könnte. Auch für die europäischen Märkte rechnet er mit keiner weiteren Talfahrt sondern mit Stabilisierung.

Frank Biller von der Baden Bank-Württembergischen ist ebenfalls überzeugt, dass viele Autozulieferer noch Kurspotenzial haben. "Sie sind historisch günstig bewertet", sagt Biller. Außerdem könnten sich viele größere Zulieferer in rückläufigen Märkten immer noch positiv entwickeln.

Denn die Autohersteller verlagern immer mehr Aufgaben auf die Zulieferer. Ein Grund, warum die Zulieferer schon seit Jahren schneller als die Autohersteller wachsen. An diesem Trend wird sich nach Meinung der Experten so schnell nichts ändern.

Fabian Kania von Helaba Trust dagegen ist nicht ganz so optimistisch gestimmt und begründet dies mit dem Amerika-Geschäft. Den US-Automarkt versieht er mit einem großen Fragezeichen. "Wenn die Hersteller weniger Autos verkaufen, suchen sie nach Sparmöglichkeiten, um ihre Gewinnmargen zu halten", befürchtet Kania. Der Preisdruck auf die Zulieferer werde deshalb 2003 zunehmen. Die Zuliefererbranche ist sehr heterogen. Analysten empfehlen weiterhin die attraktiven Nischenkönige. Woller von der Hypovereinsbank sieht das größte Kurspotenzial bei der WET Automotive Systems. Gute Kurschancen werden auch Leoni eingeräumt.

Die Ingenieurdienstleister dagegen zählen Analysten derzeit nicht zu den Favoriten. Die Autohersteller geben Modellentwicklungen nicht mehr so schnell nach außen, wie sich viele Firmen erhofft haben. Bertrandt oder Pininfarina leiden deshalb unter Auftragsschwäche.

Unter den großen börsennotierten Zulieferern sehen Analysten vor allem beim Reifen- und Fahrwerkshersteller Conti noch Luft nach Oben. Die Nummer zwei im deutschen Markt befindet sich in einem Restrukturierungsprozess, der jetzt erste Früchte bringt und weitere für 2003 verspricht.

Der starke Konsolidierungsdruck der Branche dürfte noch für manches Kurs-Schnäppchen gut sein. Einige Analysten sehen die Phoenix AG als Übernahmekandidaten, nachdem der knallharte Sanierer Claas Daun in diesem Jahr rund 10 % der Anteile kaufte. Die Phoenix-Aktie hat mit ihrer Talfahrt 2002 den Anlegern keine Freude gemacht.

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