Viele unabhängige Finanzdienstleister stehen vor dem Aus: Angst vor der Konsolidierung

Viele unabhängige Finanzdienstleister stehen vor dem Aus
Angst vor der Konsolidierung

Der Markt der Fondsvertriebsgesellschaften steht vor dem Umbruch. Die Gesellschaften leiden unter der Börsenkrise, außerdem dürfte eine EU-Richtlinie die Konzentration fördern.

FRANKFURT/M. Harald Dehn, Vorstand des Verbunds unabhängiger Finanzdienstleister BCA, mag es drastisch. Auf den Titel der aktuellen Ausgabe des BCA-Magazins "Top News" prangt die Todesanzeige des "von (fast) allen geliebten unabhängigen Vermittlers". Im Heft hängt der Finanzdienstleister mit dem Kragen wehrlos an einem Paragrafen. "Den unabhängigen Finanzdienstleistern droht die Versklavung, der Weg in die Knechtschaft", sagt Harald Dehn.

Der stark zersplitterte Markt der unabhängigen Finanzvermittler leidet unter der schlechten Börsenlage. Viele der geschätzt 15 000 bis 30 000 Gesellschaften fürchten um ihre Existenz. "Die schwachen Märkte machen es momentan schwer für die Vermittler, ihre Produkte zu verkaufen. Deshalb wird es eine weitere Konsolidierung geben", sagt Peter Schwicht, Geschäftsführer von J.P. Morgan Fleming Asset Management. Weitere Angst bereitet aus Brüssel die EU-Wertpapierdienstleistungsrichtlinie, die bis 2005 in deutsches Recht umgesetzt werden soll. Sie könnte Experten zufolge die Konsolidierung weiter anheizen, weil sie die Gesellschaften finanziell stark belastet. Die Richtlinie soll zur Schaffung eines einheitlichen EU-Binnenmarkts für Finanzdienstleistungen bis 2005 beitragen, Haftungsfragen klären und den Schutz der Anleger verbessern. Sie steht kurz vor der Verabschiedung. Für den Vertrieb von Investmentfonds könnte sie vorsehen, dass diese in Zukunft nur noch von Wertpapierhäusern und so genannten "tied agents" verkauft werden dürfen, Handelsvertretern und Ausschließlichkeitsvermittlern. Die bisherige deutsche Ausnahmeregelung, wonach Unternehmen Investmentfonds auch ohne eine Wertpapierhaus-Registrierung vertreiben dürfen, dürfte dann weg fallen. Mit den Regelungen will die Europäische Union Anleger besser schützen.

Besonders für kleinere Fondsvermittlungsgesellschaften habe die Richtlinie jedoch verheerende Auswirkungen, sagt Dehn. Sei ein Unternehmen als Wertpapierhaus gemeldet, fielen Dokumentations- und Prüfungspflichten mit damit verbundenen Kosten von 30 000 Euro im Jahr oder mehr an. "Für kleine Unternehmen macht dies die Fondsvermittlung unrentabel", sagt Dehn. Die Möglichkeit für die Firmen, unter das "Haftungsdach" eines größeren Unternehmens zu schlüpfen, bedeute hingegen das Ende der Unabhängigkeit für die kleinen Vermittler. Dies schade dem Wettbewerb in der Branche.

Die Landschaft der Finanzvermittler ist in Deutschland zersplittert. Neben wenigen großen Gesellschaften wie DVAG, MLP, AWD, OVB und Bonnfinanz tummeln sich in dem Markt einige kleinere Unternehmen mit Umsätzen im einstelligen Millionen-Bereich und viele ZweiWörter "Tante Emma-Finanzvertriebe". "Nebenberufsverkäufer, die am Küchentisch Fonds verkaufen, haben in Zukunft keine Chance mehr", sagt Peter Engel, Managing Director und Asset Management-Experte bei der Beratungsgesellschaft Bearing Point.

Trotz der bevorstehenden Auslese sehen Experten aber gute Perspektiven für die Branche generell. "Berater, die ihren Kundenstamm haben und die wirklich Berater sind und nicht nur Verkäufer, werden immer ihren Markt haben", sagt Engel. Der Trend zur privaten Altersvorsorge halte an, dafür sorge schon die Überlastung des staatlichen Rentensystems. "Kurzfristig gesehen leidet die Branche wie andere Branchen auch, es gibt einen Nachfrageausfall", sagt Thorsten Karbaum, Analyst bei WestLB Panmure. Langfristig gebe es im Markt jedoch unverändert eine starke Nachfrage nach bankenunabhängiger Beratung. "Die Kunden wollen sich jemandem anvertrauen, der sie ohne den Hintergedanken, nur eigene Produkte zu verkaufen, berät", sagt Engel.

Diese Zukunftschancen im Hinterkopf, überlegt sich auch der Verbund unabhängiger Finanzdienstleister BCA, wie die kleinen Vermittler den ungeliebten "Haftungsdächern" entgehen könnten. "Eine Lösung könnte die Gründung regionaler Finanzdienstinstitute sein, die von zehn bis 20 Vermittlern gegründet werden, um die Kosten auf mehrere Schultern zu verteilen", sagt BCA-Vorstand Dehn. Dies schließe entsprechende EDV-Lösungen sowie die gemeinsame Nutzung eines Wirtschaftsprüfers ein.

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