Viele Unternehmen entdecken, wie wichtig ihr Internetauftritt ist und füllen die Auftragsbücher der Agenturen
Multimedia-Agenturen steht ein zweiter Frühling bevor

Die Aktien von Multimedia-Agenturen sind wieder gefragt: Nachdem Pixelpark und Co. am Anfang des Sommers fast in der Versenkung verschwunden waren, raten Analysten jetzt zum Kauf. Die Unternehmen haben sich von anderen Internetwerten abgesetzt und glänzen mit ersten Gewinnen.

DÜSSELDORF. Totgesagte leben bekanntlich länger. Dieses Sprichwort scheint auch für Multimedia-Agenturen zu gelten. Noch im Juli dümpelten Pixelpark-Aktien bei weniger als 60 Euro, weit entfernt von ihrem Höchstand knapp unter der 200-Euro-Marke Anfang März. Inzwischen notiert der Wert schon wieder bei 103 Euro, der Kurs von Kabel New Media erholte sich ebenfalls von 15 auf 33 Euro.

Analysten sehen weiter Luft nach oben: "Ich habe die ganze Branche auf Kaufen gesetzt", sagt Rainer Raschdorf, Analyst bei der DG Bank. Die Auftragslage sei sehr positiv. "Es gibt interne Wachstumsraten von 100 Prozent", berichtet Raschdorf. Damit haben sich die Multimedia-Dienstleister nach Ansicht von Analysten deutlich von anderen Internetwerten abgesetzt. Zu unrecht wurden sie bisher mit ihnen in einen Topf geworfen, findet Maximilian Schöller von Merck Finck & Co. Denn klassische Internetunternehmen wie Ricardo oder Amazon treiben Handel übers Netz. Sie sind im Bussiness-to-consumer-Geschäft tätig, das heißt, sie wenden sich direkt an den Endverbraucher. Deren Geschäft verläuft bisher nur schleppend. Zudem sind die Markteintrittsbarrieren niedrig. Neue Konkurrenten können ohne großen Aufwand in den Markt einsteigen.

Anders sieht es bei den Multimedia-Agenturen aus: "GFT Technologies und Pixelpark haben sich bereits einen sehr guten Ruf erworben. Für neue Gesellschaften wird es schwer", sagt Schöller. Der entscheidende Unterschied sei aber, dass die Unternehmen im Business-to-business-Geschäft aktiv sind, also für andere Firmen arbeiten. "Sie stellen in deren Auftrag die Verbindung zwischen zwei Unternehmen oder zwischen Unternehmen und Verbraucher her, haben aber selbst keinen Kontakt zu den Endkunden", erklärt der Analyst.

Die meisten Unternehmen haben die Bedeutung des Internets längst erkannt: "Es ist inzwischen ein Muss, sich im Web zu präsentieren", sagt Schöller. Behilflich sind ihnen dabei die Multimedia-Agenturen. Sie bieten neben dem Design auch Beratung und Vermarktung an. Zunehmend wichtiger wird außerdem die Integration der Internetlösung in das bestehende Softwaresystem des Unternehmens.

IT-Kenntnisse werden für alle Agenturen wichtiger

"Die Anforderungen werden immer komplexer", sagt Mirko Maier, Analyst bei der LB Baden-Württemberg. Davon profitiere vor allem die GFT Technologies AG, die ursprünglich aus dem IT-Sektor stammt. "Werte aus dem klassischen Agentur-Bereich tun sich mit der IT-Integration schwerer." GFT hat im ersten Halbjahr 2000 seinen Umsatz um 218 % auf 82,9 Mill. DM gesteigert, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte um 946 % auf 8,6 Mill. DM. "Die Gewinne sind eine absolute Ausnahmeerscheinung in der Branche", sagt Maier. Die Aktie stuft er zurzeit allerdings nur mit "akkumulieren" ein, da sie schon relativ hoch bewertet sei. Die alte Höchstmarke von 90 Euro könnte in den nächsten Monaten aber wieder erreicht werden.

Die Pixelpark AG, die eher aus dem klassischen Agenturbereich stammt, versucht unterdessen, durch Zukäufe Angebotslücken zu schließen. So übernahm das Unternehmen erst kürzlich das Beratungsunternehmen ZLU und den IT-Dienstleister K2. Das starke organische Wachstum ist für Melinda Wiharto, Analystin beim Bankhaus Julius Bär, auch einer der Hauptgründe dafür, dass sie den Wert zum Kauf empfiehlt.

Pixelpark als "Outperformer"

Außerdem schrieb Pixelpark im letzten Quartal erstmals einen Gewinn von 0,2 Mill. Euro bei einer Gesamtleitstung von 27 Mill. Euro. "Die hervorragenden Quartalszahlen haben uns positiv überrascht", meint Maximilian Schöller von Merck Finck & Co. Er bewertet die Aktie als "Outperformer".

Dritte im Bunde der führenden Multimedia-Agenturen am Neuen Markt ist die Kabel New Media AG. Für Stefan Kopp von der BFG Bank ist die Aktie, die gestern bei knapp 33 Euro notierte, ein "strong buy". In zwölf bis 18 Monaten hält er eine Bewertung von 50 bis 60 Euro für möglich. Kopp geht davon aus, dass Kabel New Media im dritten Quartal die Gewinnzone erreicht: "Da sind positive Überraschungen drin." Als besonders wichtig beurteilt er die Einstellung eines Investor-Relations-Directors bei Kabel New Media. Bisher war der Posten nicht besetzt. "Aber vor allem institutionelle Investoren legen Wert auf eine gepflegte Öffentlichkeitsarbeit." Auch Melinda Wiharto vom Bankhaus Julius Bär hält das Unternehmen für "sehr gut positioniert". Sie stuft das Unternehmen dennoch nur als "neutral" ein, da es weiterhin Schwächen in der Kommunikation gebe. Die Einstellung eines IR-Managers sei zwar ein guter Schritt, doch dieser müsse sich erst noch beweisen.

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