Viele Unternehmen erfüllen nicht die Voraussetzungen für eine gute Investition
Venture Capital: Immer mehr Geld fließt in Folgefinanzierungen

Der deutsche Risikokapitalmarkt holt auf. Doch einige Gesellschaften könnten auf der Strecke bleiben.

HB DÜSSELDORF. Die Situation wirkt paradox: Auf der einen Seite hinkt der Markt für Venture Capital (VC) in Deutschland noch immer dem in USA und Großbritannien hinterher, wenn man ihn in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrachtet. Das zumindest berichtete Michael Schefczyk, Professor für Technologieorientierte Existenzgründung an der Technischen Universität Dresden, kürzlich auf dem Kongress World of Venture Capital in Düsseldorf.

Nach seinen Angaben betrug das Portfolio der deutschen VC-Geber 1999 4,1 Promille des BIP. Damit lag Deutschland nicht nur hinter den USA (11,5 Promille) und Großbritannien (22,4 Promille), sondern auch hinter europäischen Nachbarn wie den Niederlanden (13,1 Promille). "Gemessen an der Wirtschaftskraft Deutschlands ist der Markt für Beteiligungskapital noch immer relativ klein", schreiben auch Detlef Mackewicz und Uwe Fleischhauer von der Münchener Unternehmensberatung Mackewicz & Partner in einer Studie.

Doch auf der anderen Seite hielten die mittlerweile rund 160 VC-Firmen auf dem deutschen Markt in den vergangenen Jahren einen immer größeren Anteil des verfügbaren Wagniskapitals zurück. So ist das Fondsvolumen laut Schefczyk von 1994 bis 1999 um jährlich 24,9 Prozent auf 26,7 Milliarden Mark gestiegen. Im gleichen Zeitraum sei die Kriegskasse auf immerhin 11,3 Milliarden Mark gewachsen.

"Möglicherweise investieren die VC-Geber zu langsam, oder es gibt zu wenig gute Unternehmer in Deutschland", folgert Schefczyk. Dagegen hält es Detlef Mackewicz für normal, dass die VC-Gesellschaften 30 bis 40 Prozent des Kapitals als "eiserne Reserve" zurückhalten. Er stimmt aber zu: "Viele Unternehmen erfüllen nicht die Kriterien für eine gute Investition."

Revolutionäre Technologien bieten für VC-Geber die größten Chancen

Doch in welche Geschäftsmodelle sollen die VC-Gesellschaften investieren, um den Rückstand aufzuholen? "Chancen für VC-Geber bieten revolutionäre Technologien", sagt Werner Dreesbach, Senior Partner bei der VC-Gesellschaft Atlas Venture. Einige dieser Technologien stellte er auf der World of Venture Capital vor.

Zu den "Stars" zählt Dreesbach die Anbieter im Supply Chain Management, der Optimierung von Wertschöpfungsketten. Im Kommen seien Spracherkennungsprogramme und Application Service Provider, die Software über das Internet vermieten. Auch Netcentric-Technologien (Hard-/ Software verlagern sich ins Netz) und die Integration von unterschiedlichen Netzwerken und Geräten, die den Besitzer permanent erreichbar machen, müssten nur noch psychologische Hürden bei den Nutzern meistern.

Neue lukrative Investitionsmöglichkeiten werden auch Projekte wie die Venture-Gruppe der Fraunhofer-Gesellschaft schaffen, die sich am erfolgreichen Beispiel des amerikanischen "Massachusetts Institute of Technology" orientiert. Das fünfköpfige Team unter Leitung von Dr. Lorenz Kaiser hilft seit 1999 Mitarbeitern der 50 Fraunhofer-Institute bei der Ausgründung. Noch in diesem Jahr soll aus der Venture-Gruppe eine private Beteiligungsgesellschaft werden. "Dann könnten wir auch eigene VC-Fonds auflegen", sagt Kaiser.

Trend geht zu größeren Beteiligungen

Schon jetzt sei zudem eindeutig ein "Trend zu höheren Beteiligungen" da, sagt Berater Mackewicz. Eine Erklärung dafür liefert der Blick in die USA und nach Großbritannien. Ein großer Anteil des Wagniskapitals wird dort nicht mehr in der Gründungsphase investiert. Wie der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften berichtet, fließt auch in Deutschland schon immer mehr Geld in Folgefinanzierungen. Mackewicz rechnet zudem damit, dass die Wagniskapitalfinanzierung zunehmend in traditionellere Branchen einzieht. Er glaubt deshalb, dass der deutsche VC-Markt bis 2005 auf das Drei- bis Fünffache steigt.

Trotz der insgesamt positiven Aussichten könnten einige VC-Gesellschaften bis dahin dem Vorbild vieler Startups folgen. "Viele von ihnen haben keine Reserven gebildet. Das wird in Deutschland in den nächsten zwölf Monaten dramatische Folgen haben", prophezeit VC-Geber Dreesbach.

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