Viele Unternehmen erhalten kaum noch Schutz für Existenz gefährdende Risiken
Makler warnen vor Versicherungs-Notstand

Erst die Terroranschläge, dann die Flut: Für Unternehmen wird es immer schwieriger, Versicherungsschutz einzukaufen. Viele Firmen bedienen sich professioneller Hilfe durch Makler. Die freuen sich zwar über steigende Provisionen, weil die Policen teurer werden. Aber es gibt auch Probleme mit der Assekuranz.

rl HAMBURG. Viele Branchen müssen nach Ansicht von Versicherungsmaklern damit rechnen, große Schäden künftig selbst bezahlen zu müssen. Deckungsnotstand bedrohe vor allem die Pharma-, die Holz verarbeitende und die Papierindustrie sowie Recycling- und Textilaufbereitungsfirmen, Gießereien und natürlich Sprengstofffirmen. Sie müssten damit rechnen, "existenzgefährdende Risiken selbst tragen zu müssen", warnte Leberecht Funk, Inhaber des drittgrößten Maklerhauses in Deutschland und zugleich Vorsitzender des frisch fusionierten Verbandes Deutscher Versicherungsmakler (VDVM) am Dienstag in Hamburg.

Nach der Jahrhundertflut an der Elbe dürfte es auch für Logistikbetriebe eng werden, insbesondere Speditionen, meint Dankwart von Schultzendorff, Chef von Deutschlands führendem Maklerhaus Aon. "Die Versicherer werden die Deckung von Lägern massiv einschränken", schätzt er. Häufig sind Lagerhäuser über die Transportversicherung mit abgedeckt. Das ist eine komfortable Lösung, weil Transportversicherer so gut wie alles abdecken, unter anderem Überschwemmungsschäden. Künftig könnten die Transportversicherer versuchen, die Läger aus der Transportdeckung rauszunehmen und in die teurere aber begrenztere Sachversicherung zu packen, befürchten die Makler.

Aon-Chef von Schultzendorff resümiert: "In den gewerblichen Sachversicherungen haben die Kunden mit noch größeren Schwierigkeiten bei der Eindeckung ihres Versicherungsbedarfs zu rechnen als nach der WTC-Katastrophe." Seit den Terroranschlägen auf das World-Trade-Center (WTC) tun sich vor allem die Versicherungseinkäufer großer Konzerne ohnehin schon schwer, ihre Risiken bei der Assekuranz unterzubringen.

Die Großmakler haben in dieser schwierigen Marktphase zwei Seelen in ihrer Brust: Erstens verlange ihnen das komplizierte "Deckungspuzzle" für die Firmenkundschaft kostenintensive Mehrarbeit ab, klagt Funk. Zweitens, so räumt der Verband erst auf Nachfrage ein, folgen die Maklercourtagen nach wie vor den Versicherungsprämien. Und die steigen aktuell drastisch. Die Folge: "Es geht uns schon etwas besser als in den letzten Jahren", bestätigen die Makler gewohnt bescheiden. Als Personengesellschaften veröffentlichen sie grundsätzlich keine eigenen Geschäftszahlen. Nur so viel: die Umsatzrendite soll bei rund 15 % vor Steuern liegen - davon dürften die meisten ihrer Kunden nur träumen.

"Das Problem ist", versucht von Schultzendorff die aktuelle Situation zu verdeutlichen, "dass wir noch nicht wissen, wie viel von unserer Arbeit nachher auch in Umsatz umzusetzen ist." Denn die Firmenkunden suchen über höhere Selbstbehalte und Schadenverhütungsmaßnahmen teure Versicherungsprämien zu sparen. Das mindert nicht gerade die Arbeit des Maklers, wohl aber seine Vergütung.

Ums liebe Geld geht es auch in dem aktuellen Streit zwischen Versicherern und Maklern. Es geht darum, "wer wann ans Geld kommt." Das Inkasso läuft in der Regel über die Makler. Unlängst hat die Allianz den schleppenden Geldfluss von den Maklern zu den Versicherern öffentlich beanstandet. Das wolle man nicht länger akzeptieren, hieß es. "Die Versicherer blicken oft bei den Zahlungsströmen nicht mehr durch", kontern die Makler. Gleichwohl räumen sie "Saldendifferenzen in der Größenordnung von 100 Mill. Euro" ein. Daran seien die Versicherer nicht unschuldig: "Wir warten sechs Monate auf eine einfache Kfz-Police - und dann ist sie noch falsch", monieren die Makler. In beiderseitigem Interesse will der VDVM das nun ordnen. Ein Kriterienkatalog soll helfen, Schwarze Schafe auszusondern.

Quelle: Handelsblatt

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