Viele Unternehmen kürzen oder streichen ihre Ausschüttungen: Anleger bangen um ihre Dividenden

Viele Unternehmen kürzen oder streichen ihre Ausschüttungen
Anleger bangen um ihre Dividenden

Viele Aktionäre müssen sich auf eine Nullrunde einstellen: Bei einigen Unternehmen steht die Dividende auf dem Prüfstand. Als Kriterium bei der Aktienauswahl ist die Dividende mit Vorsicht zu genießen, sagen Analysten.

FRANKFURT/M. Zahlen sie oder zahlen sie nicht? Diese Frage stellen sich derzeit viele Aktionäre, die auf Dividendenausschüttungen ihrer Unternehmen warten. Wegen der schlechten Konjunkturlage werden zahlreiche Unternehmen ihre Dividende kürzen oder sogar völlig streichen. Andere lösen stille Reserven auf, um die Ausschüttung an die Aktionäre trotz fehlender Erträge zu finanzieren.

So werden Aktionäre der Deutschen Lufthansa dieses Jahr wohl leer ausgehen. Zwar hat die Fluggesellschaft offiziell noch nicht über die Dividendenhöhe entschieden, aber mehrere Analystenhäuser - darunter die Deutsche Bank und die BHF-Bank - prognostizieren eine Nulldividende. Denn die Lufthansa wird voraussichtlich ein negatives Konzernergebnis vorlegen, weil Terroranschläge und Konjunkturflaute die Bilanz verhagelten. Somit gibt es keine Gewinne, die an die Aktionäre zu verteilen wären.

Einen Dividendenausfall erwarten Bankexperten auch bei den M-Dax-Titeln SGL Carbon und Wedeco sowie beim spanischen Telekomkonzern Telefónica. "Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie in diesem Jahr gar keine Dividende ausschütten, oder zumindest eine stark gekürzte", sagt Ralph Breßler, Analyst beim Bankhaus Lampe. Bei den einstigen Siemens - Töchtern Epcos und Infineon steht bereits fest, dass die Aktionäre keine Ausschüttung erhalten. Eine krasse Kürzung werden wohl die Anteilseigner der Swiss Re hinnehmen müssen: Nach Schätzungen der Deutschen Bank dürfte der Rückversicherer die Ausschüttung von 50 Euro im Vorjahr auf nur noch 3,50 Euro kappen. Die Attentate in den USA trafen den Versicherer hart.

Die Deutsche Telekom zeigt unterdessen, dass man seine Dividende nicht unbedingt aus dem laufenden Geschäft finanzieren muss. Der Telefonkonzern hat angedeutet, seine Ausschüttung konstant halten zu wollen - obwohl das dafür aufzuwendende Geld für den Schuldenabbau benötigt wird. Marcus Sander, Telekom-Analyst bei der Bank Sal. Oppenheim, geht davon aus, dass sich an der Telekom-Dividende für 2001 nichts ändern wird, da das Unternehmen nach dem Kurseinbruch der T-Aktie ein positives Zeichen setzen wolle. Zahlt die Telekom wie erwartet, dann verspricht die T-Aktie eine der höchsten Dividendenrenditen (Kurs geteilt durch Dividende) im Deutschen Aktienindex. Europaweit käme sie auf den siebten Platz unter den Top-Dividendenbringern im Stoxx-50-Index.

Im Allgemeinen signalisiert eine hohe Dividende, dass das betreffende Unternehmen gut verdient. Daher gerät diese Kennziffer gerade in unsicheren Börsenzeiten in den Blick. Privatanleger nutzen sie ebenso wie die Profis der Investmenthäuser Schroder Salomon Smith Barney und Morgan Stanley, die derzeit verstärkt auf stabile Ausschüttungen achten.

Doch das Telekom-Beispiel zeigt, dass die Dividendenrendite allein irreführend sein kann. "Die Rendite ist nur so hoch, weil der Kurs so stark gefallen ist", sagt Oppenheim-Analyst Sander. Eine hohe Dividende sei nicht zwangsläufig ein Kaufsignal, warnt Sander. Sie könne im Gegenteil auch auf eine aktuelle Kursschwäche hinweisen. Das gilt laut Sebastian Reuter von der Helaba auch für die Top-Dividendenbringer im Stoxx-50-Index.

Umstritten sind hohe Dividendenzahlungen vor allem, wenn die Unternehmen sie nicht aus den laufenden Einnahmen aufbringen, sondern die eigene Substanz angreifen müssen. So kritisierten Aktionäre des Halbleiterherstellers Infineon die Einmalzahlung im Vorjahr scharf, da das Geld besser im Unternehmen geblieben wäre. Oliver Wojahn, Analyst der Berenberg Bank, glaubt denn auch, dass Dividenden ohnehin eher für wachstumsschwache Unternehmen geeignet sind: "Die Anleger der Technologiebranche erwarten keine Dividenden-Kontinuität". Doch auch bei anderen Branchen sollten Anleger nicht nur auf die Dividenden-Rendite schauen, warnt Wojahn. Entscheidend sei vielmehr, woher das Geld für die Dividende stammt.

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