Viele Unternehmen sehen noch kein Ende der Talsohle
Quartalsberichte erschüttern Hoffnungen der Anleger

Tolle Firmenbilanzen hatte niemand erwartet. Doch die Börsianer überrascht, dass die Firmen-Prognosen schlechter als die Konjunkturerwartungen sind. Da helfen auch gute Siemens-Zahlen nicht.

DÜSSELDORF. Trotz unerwartet positiver Zahlen des Elektroriesen Siemens gingen die Börsen am Donnerstag auf Talfahrt. Ursache sind neben einem überraschenden Rückgang des Ifo-Konjunkturindexes ernüchternde Ausblicke vieler europäischer und amerikanischer Unternehmen. Anleger hatten nach den schlechten Vorjahreserträgen positivere Signale für die Zukunft erhofft. Weltweit tendierten fast alle großen Indizes, wie schon an den Vortagen, im Minus.

Inzwischen haben knapp zwei Drittel der im amerikanischen S&P- 500-Index notierten Unternehmen ihre Zahlen für das erste Quartal vorgelegt. Dabei fielen die Gewinne nach Handelsblatt-Recherchen im Schnitt um 12 % niedriger aus als im Vorjahreszeitraum. Die Gewinne schrumpften damit im fünften Quartal in Folge. Noch Anfang des Jahres hatte der Finanzdienstleister Thomson Financial ein optimistischeres Bild gezeichnet und für das erste Quartal einen Rückgang um nur 6,2 % prognostiziert. Viele Investmenthäuser hatten sogar darauf spekuliert, dass die Zahlen noch günstiger ausfallen würden.

In Europa ist die Enttäuschung noch größer. Zwar liegen für den Alten Kontinent keine vergleichbaren Zahlen vor, doch Marktführer wie Nokia und Ericsson erfüllten nicht annähernd die Erwartungen der Analysten. Unisono konstatieren Investmentbanken, dass europäische Firmen häufiger als amerikanische die Schätzungen verfehlten.

Die Börsen werden von den schlechten Aussichten stark belastet. Vor allem High-Tech-Unternehmen, mit Ausnahme der Chipproduzenten wie Infineon, dürften ein Ende der Talsohle noch nicht erreicht haben. Technologiefirmen wie ABB, Microsoft, Nokia, Ericsson, Nortel und Worldcom äußerten sich verhalten bis negativ oder senkten gar ihre Ertragsprognosen. "Viele Unternehmen sagen nicht, wie es weitergeht, geschweige dass es besser wird", macht der technische Chefstratege Holly Liss von Mizuho Securities eine große Verunsicherung aus. "Besonders die in Europa dominierende Mobilfunkbranche enttäuscht. Das wiederum überträgt sich auf die Ausrüster", meint Adrian Hopkinson von West LB Panmure. Für Handy-Hersteller erwartet er erst Mitte 2003 die Erholung. Bislang gingen Investoren davon aus, dass positive Konjunkturdaten die Erträge in der zweiten Jahreshälfte deutlich verbessern.

Mehr Lichtblicke gibt es in traditionellen Branchen. So übertraf Siemens gestern auf Grund großer Zuwächse in klassischen Unternehmensfeldern die Erwartungen. Zuvor überzeugten der US-Chemieriese DuPont und Europas größter Pharmaproduzent Glaxo Smith Kline. "Der Technologiesektor zieht den Rest des Marktes nach unten. Es gibt Sorgen, dass die Erholung in der Branche nicht so stark ausfällt wie in anderen Bereichen", begründet Peter Coolidge, Händler bei Brean Murray, die Kursrückgänge.

Neben ernüchternden Ausblicken sind nach Ansicht vieler Analysten hohe Bewertungen für die Verunsicherung verantwortlich: "Die Kurse waren weit vorausgelaufen, als sich die positiven Daten häuften. Jetzt werden die Erwartungen enttäuscht", meint HSBC-Stratege Klaus Lüpertz.

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