Viele Unternehmer unterschätzen Nachfolge-Problematik
Ungeregelte Managernachfolge gefährdet hunderttausende Arbeitsplätze

Die Deutsche Ausgleichsbank (DtA) sieht im Mittelstand hunderttausende Arbeitsplätze gefährdet, falls keine Fortschritte bei der Regelung der Managernachfolge erzielt werden. "Wenn der Generationswechsel nicht funktioniert, sind hunderttausende Arbeitsplätze in Gefahr", sagte der Vize-Chef der DtA, Peter Fleischer, am Montag in Berlin.

Reuters BERLIN. Viele Unternehmer unterschätzten die mit einer Nachfolge verbundenen Probleme, so dass jährlich 6 000 Chefsessel unbesetzt blieben. Dadurch seien zahlreiche Betriebe von der Schließung bedroht, jährlich gingen fast 40 000 Arbeitsplätze verloren. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Margareta Wolf (Grüne), rief die Firmen zu einer soliden strategischen und operativen Planung auf.

Vor dem Hintergrund der Konjunkturschwäche wird der Generationswechsel im Mittelstand nach Auffassung Fleischers zunehmend wichtiger. Denn rechtzeitig gelöste Nachfolgeprobleme könnten den Weg frei machen für zusätzliche Investitionen. Ältere Unternehmer seien meist weniger investitionsfreundlich als jüngere. Die bundeseigene Ausgleichsbank unterstützt vor allem den Mittelstand und Unternehmensgründer.

Während Anfang der 90er-Jahre Kinder fast selbstverständlich die Nachfolge im elterlichen Betrieb übernommen hätten, fänden heute nur noch vier von zehn solcher Betriebe einen Nachfolger aus der Verwandtschaft. Etwa 13 % dieser Betriebe würden von Mitarbeitern weitergeführt, sagte Fleischer. Die Hälfte der Firmen müssten einen externen Nachfolger finden.

Eine rechtzeige Nachfolgeregelung ist nach Angaben Fleischers auch wichtig für die neuen Eigenkapitalrichtlinien (Basel II). Denn nach den bisherigen Planungen sollten vermehrt auch so genannte weiche Faktoren wie Führungsstil und Nachfolgeregelung bei der Beurteiligung der Kreditfähigkeit berücksichtigt werden. Seit Mitte der 90er-Jahre diskutieren in Basel internationale Bankenaufseher und Finanzvertreter über neue Grundsätze für Eigenkapitalanforderungen an die Banken. Vertreter deutscher Banken, der Bundesregierung und des Mittelstandes hatten die in Basel erarbeiteten Vorschläge kritisiert, da sie durch letztlich erhöhte Kreditkosten für den Mittelstand eine Benachteiligung sehen.

Die Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, Staatssekretärin Wolf, forderte, Basel II müsse nicht nur aufsichtsrechtliche, sondern auch mittelstandspolitische Belange berücksichtigen. Die Bundesregierung habe sich für eine Gleichstellung der internen zur externen Beurteilung der Kreditwürdigkeit, dem so genannten Rating, eingesetzt. Dies sichere dem deutschen Mittelstand auch künftig die Kreditfinanzierung und erleichtere den Generationswechsel.

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