"Viele US-Bürger fragen sich: Wer hat gewonnen - Bush oder Gore?"
Verwirrung bei US-Sendern nach dem Urteilsspruch

Die Verwirrung der vergangenen Wochen im US-Präsidentschaftsstreit hat auch die Stunden nach dem vermutlich entscheidenden Urteilsspruch in der Nacht zum Mittwoch geprägt: Die Vertreter der großen US-Sender taten sich schwer, den hochkomplizierten Schriftsatz des Obersten Gerichts zu interpretieren.

afp WASHINGTON. Um 22.00 Uhr Ortszeit versetzte der Sender MSNBC nach 36 Stunden Warten die Kollegen in Alarmbereitschaft: Der Urteilsspruch stehe bevor, hieß es. Vor den Kameras versuchten sie wenig später, den Urteilstext zu durchschauen. Die Konkurrenten CNN und MSNBC waren sich schnell einig: "Die Sache wird ans Oberste Gericht Floridas zurückverwiesen." Ihren Schnellschuss mussten sie wenig später korrigieren. Nun hieß es: "Das Oberste US-Gericht verwirft die Entscheidung des Obersten Gerichts von Florida". Allein der Urteilsspruch selbst umfasste rund ein Dutzend Seiten, die voneinander abweichenden Meinungen der Richter füllten weitere 40. "Um dies zu übersetzen, wäre ein ganzes Heer von Anwälten nötig", sagte der CBS-Starkorrespondent Dan Rather. "Kompliziert ist noch gelinde gesagt. Ich verstehe nicht, was das heißen soll", entgegnete sein Kollege Bob Schieffer. Auf ABC stellte Peter Jennings fest: "Viele von Ihnen zu Hause fragen sich nun: Wer hat gewonnen, Bush oder Gore?" Dann mobilisierte CNN seine Rechtsexperten: "Wir besprechen uns", teilte einer von ihnen um 22: 25 Uhr mit. Wenig später waren sich die Sender einig: Mit ihrer Entscheidung, für rechtmäßige Handzählungen in Florida sei keine Zeit mehr, hatten die Richter Bush den Weg ins Weiße Haus geebnet.

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