Viele Vermögensverwalter reißen Performance-Latte auch in der Baisse
Armutszeugnis für Fondsmanager

Das Versagen vieler Aktienstrategen beschleunigt den Konsolidierungsprozess in der Asset-Management-Branche. Gewinner sind die großen Vermögensverwaltungen und kleine Spezialisten.

FRANKFURT/M. Welche Existenzberechtigung haben Fondsmanger, die ihre eigenen Vorgaben deutlich verfehlen? Diese Frage stellte Rüdiger Sälzle, der Geschäftsführer von FondsConsult Holding, München. Er lieferte auch gleich die Antwort mit: Keine. Die Anlagewelt, sagt er, sei voll von solchen Verlustbringern. Sie kämen viel häufiger vor, als man allgemein erwartet.

Experten zufolge werden schlechten Leistungen eines großen Teils der Asset-Manager die aktuellen Trends in der Branche eher beschleunigen. Dazu gehören die Konzentration auf erstklassige große Investmentgeselllschaften, die Auslagerung ("Outsourcing") von Asset-Management-Aufgaben an spezialisierte kleinere Häuser ebenso wie der Trend zum Vermögensmanagement auf Indexbasis und die Geschäftsverlagerung auf die reine Fondsadministration mit der Master-KAG. Nach Ansicht einiger Markbeobachtern gehört in diese Liste auch die dringend notwendige Offensive zur Verbesserung der Kundenberatung - die aber auf sich warten lässt.

Die jetzt veröffentlichte Auswertung der FondsConsult-Untersuchung muss die ganze Branche frustrieren. Die Münchner prüften die Anlageergebnisse der hier zu Lande angebotenen Publikumsfonds für die drei Aktienregionen Europa, USA und International und betrachteten die Haussejahre 1997 bis 1999 sowie die Baissephase 2000 bis 2002. Nur rund ein Drittel der Geldmanager lieferte im Aufschwung höhere Erträge ab als die entsprechenden breiten und zur Region passenden Indizes.

In der Baisse sollten diese Ergebnisse besser sein, heißt es in der Theorie, "schon wegen der immer vorhandenen Barquote, die Verluste abfedert", sagt dazu beispielsweise Andreas Peter, Leiter des Bereichs Asset Management bei der IT- und Managementconsultingfirma Cap Gemini Ernst & Young. Die Realität sieht allerdings völlig anders aus, wie die Zahlen in der Grafik belegen. "Erstaunlich", formuliert Peter. Tatsächlich hilft den Asset-Managern die Barquote nicht; auch Absicherungsstrategien scheinen sie nicht erfolgreich einzusetzen. Die Erfolgsquote in der Baisse ist noch niedriger als in der Hausse. Lediglich im Fall USA liegt sie etwas besser.

Nach Meinung von Sälzle werden sich nur große erstklassige Häuser behaupten können. Zu dieser Gruppe rechnet die Vermögensverwaltungs- und Fondsresearch-Firma Feri Trust unter anderem die DWS. In der Feri-Bewertung der Anlageleistungen belegt Deutschlands größtes Fondshaus regelmäßig Spitzenplätze.

Manche Anbieter mit unbefriedigenden Ergebnissen könnten in Zukunft erwägen, sich zu spezialisieren oder Asset-Management-Verantwortung abzugeben. Peter: "Man sucht sich für bestimmte Aktienbereiche einen Berater, von dem man weiß, dass er sein Spezialgebiet beherrscht." Sälzle spricht von der "beschleunigten Suche nach Spitzenleistungen." Er hat auch klare Vorstellungen davon, wo er sie finden kann. Top-Adressen bei US-Standardwerten sind für ihn beispielsweise Hotchkiss & Wiley, bei US-Nebenwerten Wanger Asset Management und im Osteuropa-Segment Charlemagne Capital.

Einige Asset-Manager könnten die Bremse auch weiter durchtreten, indem sie sich nicht mit Auslagerungen begnügen. "Die schlagen sich auf die Indexseite, lassen beispielsweise europäische Standardwerte indexnah betreuen, geben Randgebiete wie europäische Nebenwerte an aktive und spezialialisierte Manager ab", sagt Sälzle.

Angesichts der desolaten Performancebilanz und der miserablen Stimmungslage fordern einige Experten einer Beratungsoffensive bei den Privatkunden. "Aber da passiert leider gar nichts", klagt Daniel Enskat. Er ist bei der New Yorker Consultingfirma Strategic Insight im Bereich Asset-Management zuständig für das globale Geschäft. Er beklagt die Situation: "Es ist verheerend, wenn in Deutschland wegen der schlechten Börsenlage die Kostensparer regieren." Stattdessen sollten die Fondsanbieter lieber in Beratung investieren, um die Kundenbeziehung zu stärken.

Enskat warnt übrigens vor einem Tanz um das Goldene Kalb Performance. Er beruft sich auf Erfahrungen, die seine weltweit agierende Firma in Asien, Europa und Amerika machte: "Unter den langfristigen Fondssparern läuft kaum einer davon, weil er mit der Wertentwicklung unzufrieden ist - solange er sich gut beraten fühlt." Jetzt sei es höchste Zeit, die Anleger von den langfristigen Vorteilen der Aktienfondsanlage zu überzeugen und sie aus ihrer Depression zu befreien.

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