Vielfältige Aufgaben deutscher Soldaten auf dem Balkan
Stabilisierung des Friedens genießt Vorrang

Mit der als sicher geltenden Entscheidung des Bundestages, auch Soldaten der Bundeswehr an der Nato-Operation "Essential Harvest" in Mazedonien zu beteiligen, wird die Verantwortung, die Deutschland im Rahmen des atlantischen Bündnisses für die Sicherung von Frieden und Stabilität auf dem Balkan bereits inne hat, deutlich ausgeweitet.

rev BUDAPEST. Die Zahl der in dieser Region eingesetzten deutschen Soldaten wird sich dadurch aber nicht beträchtlich erhöhen. Schon jetzt sind dort etwa 6 700 Angehörige der Bundeswehr in drei Staaten beziehungsweise Teilrepubliken stationiert.

So befinden sich etwa 4 500 deutsche Soldaten in der Provinz Kosovo, die formal noch zur Bundesrepublik Jugoslawien gehört, aber unter Uno-Verwaltung steht und von der Nato-Friedenstruppe Kfor beaufsichtigt wird. Sie gehören sowohl zum Hauptquartier der Kfor in der Hauptstadt Pristina als auch zu zwei Verbänden, die in Prizren und Orahovac im südlichen Kosovo stationiert sind. Wichtigste Aufgabe der Uno-Verwaltung mit ihrem Leiter Hans Häkkerup ist zur Zeit die Vorbereitung der Parlamentswahl am 17. November. Es steht zu erwarten, dass die albanische Bevölkerungsmehrheit des Kosovo die Wahl nutzen wird, um ihren Wunsch nach staatlicher Unabhängigkeit zum Ausdruck zu bringen.

Auch in Mazedonien selbst war die Bundeswehr auch bisher schon präsent. Denn seit dem Beginn der Auseinandersetzungen zwischen der albanischen Minderheit und der slawischen Mehrheit wird nahe der westmazedonischen Stadt Tetovo die Hauptbasis der Kfor für den Einsatz im Kosovo unterhalten.

Zur Zeit halten sich dort etwa 400 deutsche Soldaten auf. Über Mazedonien wird der Nachschub von Häfen in Griechenland organisiert. Bei Tetovo soll zusammen mit französischen Soldaten auch das jetzt von Bundestag beschlossene Kontingent eingesetzt werden. Dieses Kontingent, das gut 400 Soldaten umfassen soll, wird sich zum Teil aus Kompanien zusammensetzen, die noch im Kosovo stationiert sind. Hinzu kommen Bundeswehrangehörige, die aus Deutschland eingeflogen werden.

Bereits einzelne Todesfälle

Des weiteren gehören gut 1 600 deutsche Soldaten zur internationalen Friedenstruppe Sfor, die in Bosnien-Herzegowina mithilft, das Friedensabkommen von Dayton aus dem Jahre 1995 umzusetzen. Die komplizierte Situation dieses Landes besteht vor allem darin, dass es mit der Serbischen Republik und der Bosnisch-Kroatischen Förderation aus zwei Teilrepubliken besteht, die in vielerlei Hinsicht noch nicht mit der Zentralregierung in der Hauptstadt Sarajevo kooperiert.

Die deutschen Soldaten in Bosnien-Herzegowina tragen im Rahmen der Kfor zur öffentlichen Sicherheit bei, helfen bei der Rückkehr und Wiederansiedlung von Flüchtlingen und unterstützen auch die Stärkung der wirtschaftlichen Selbständigkeit des Landes. Vor allem die Wirtschaft trägt dazu bei, dass Bosnien-Herzegowina trotz aller Widersprüche langsam zusammenwächst. Ein wichtiges Beispiel dafür ist die Durchsetzung der Konvertiblen D-Mark als einziges Zahlungsmittel landesweit.

Sicher hat es seit Beginn des Einsatzes deutscher Soldaten auf dem Balkan einzelne Todesfälle gegeben, die vor allem aus Verkehrsunfällen sowie Unfällen mit Waffen oder beim Räumen von Minen resultierten. Auch Selbstmorde sind vorgekommen. Seit 1995, als die ersten deutschen Soldaten insbesondere nach Bosnien verlegt wurden, hat Deutschland über 6 Mrd. DM für deren Balkan-Einsätze aufgebracht. Die Kosten für den deutschen Anteil an "Essential Harvest" in Mazedonien bezifferte Bundeskanzler Gerhard Schröder mit knapp 150 Mill. DM zuzüglich der laufenden Unterhaltskosten von 15 Mill. DM pro Monat.

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