Vier Angeklagte der Beihilfe zum Genozid angeklagt
Verfahren zum Ruanda-Völkermord in Belgien eröffnet

Sieben Jahre nach dem Völkermord in Ruanda hat vor einem belgischen Gericht ein Verfahren gegen vier Angeklagte begonnen. Das Gericht in Brüssel wählte am Dienstag die ersten der zwölf Geschworenen aus.

ap BRÜSSEL. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten - zwei katholischen Nonnen, einem Universitätsprofessor und einem früheren Regierungsberater - Beihilfe zum Genozid an der Tutsi-Minderheit nahe der Stadt Butare vor.

Die Geschworenen erhalten zunächst einen Intensivkurs über die Geschichte und ethnische Zusammensetzung Ruandas. Während des Prozesses, der voraussichtlich mindestens sechs Wochen dauert, sollen mehr als 170 Zeugen gehört werden. 50 von ihnen werden aus Ruanda eingeflogen. Die Angeklagten befinden sich nicht in Polizeigewahrsam. Das Verfahren wird durch ein Gesetz aus dem Jahr 1993 ermöglicht, das im Fall von Menschenrechtsverletzungen Strafverfolgung durch die belgische Justiz zulässt, auch wenn das Delikt in einem anderen anderen Land begangen wurde.

Der Benediktinernonne Schwester Maria Kisito wird vorgeworfen, im April 1994 Benzin zum Anzünden eines Gebäudes geliefert zu haben, in dem sich 500 Tutsis versteckt hatten. Schwester Gertrude soll hunderte Tutsis, die Zuflucht in dem Kloster gesucht hatten, aus dem Komplex gewiesen haben. 600 Tutsis wurden danach ermordet. Anschließend forderte die Nonne laut Anklage die Behörden auf, die noch im Kloster verbliebenen 30 Tutsis zu entfernen. Auch sie wurden getötet.

Mehr als eine halbe Millionen Menschen getötet

Dem Universitätsprofessor Vincent Ntezimana wirft die Staatsanwaltschaft vor, für die Ermordung von mindestens sieben Tutsis verantwortlich zu sein. Der Berater des früheren Präsidenten Juvenal Habyarimana, Alphonse Higaniro, soll Hutus zum Mord an Tutsis angestiftet haben.

Der Völkermord begann am im April 1994, nachdem Unbekannte das Flugzeug des Hutu-Präsidenten Habyarimana abgeschossen hatten. In den folgenden drei Monaten wurden mehr als eine halbe Millionen Menschen getötet, überwiegend Angehörige der Tutsi-Minderheit, die die politische und gesellschaftliche Elite stellte. Wegen Beteiligung an dem Völkermord wurden in Ruanda bisher 22 Menschen hingerichtet. Auch das Internationale Ruanda-Tribunal in Arusha beteiligt sich an der juristischen Aufarbeitung des Völkermords. Der belgische Ministerpräsident Guy Verhofstadt hat sich im vergangenen Jahr in Ruanda für die Untätigkeit seiner Regierung in dem bis 1962 von Belgien verwalteten Land entschuldigt.

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