Vier Bewerber buhlen um Deutsche-Städte-Medien
Verkauf der DSM geht in die Endrunde

Der Verkauf des Außenwerbevermarkters Deutsche-Städte-Medien (DSM) steht kurz vor dem Abschluss. Eine Entscheidung soll nach Angaben von Beteiligten am 9. Dezember fallen. DSM-Aufsichtsratschef Constantin Alsheimer wollte diesen Termin nicht bestätigen. Er sagte nur: "Die Entscheidung fällt vor Weihnachten."

DÜSSELDORF. Nur vier Bewerber sind in der Endrunde: Neben der Kölner Ströer AG bietet noch der US-Mediengigant Viacom und die US-Radio- und Werbefirma Clear Channel sowie das Beteiligungsunternehmen Apax. Der französische Konzern JC Decaux, der am Berliner Außenwerbevermarkter Wall AG beteiligt ist, hatte bereits sich vor Wochen zurückgezogen.

Die DSM lehnte einen Kommentar zum Bieterwettstreit ab. Aufsichtsratschef Alsheimer sagte nur: "Die Due Diligence ist abgeschlossen. Die Gespräche laufen auf Hochtouren." Angesichts der desolaten Finanzlage der Städte würden vor allem der Preis und weniger strategische Überlegungen den Ausschlag geben, berichtet ein Insider.

Der einzige deutsche Bewerber Ströer rechnet bei einem Sieg im Wettbewerb um die DSM mit einem Wachstumsschub. "Wir hoffen stark darauf, den Zuschlag zu bekommen, um ein bundesweites Werbeträgernetz aufbauen zu können. Die DSM und Ströer würden sich perfekt bei der beleuchteten Wechselwerbung ergänzen", sagte Vorstandssprecher Udo Müller dem Handelsblatt.

In Branchenkreisen wird ein Kaufpreis von mehr als 200 Mill. Euro erwartet. "Unter 250 Millionen ist das nicht zu machen", hieß es allerdings aus dem Umfeld der DSM - Gesellschafter. Zu Beginn des Bieterwettstreits war noch ein möglicher Preis von 400 Mill. Euro genannt worden.

Die DSM, die 28 Städten und Kommunen gehört und Werbeflächen wie Plakatwände auf öffentlichem Grund vermarktet, steht seit dem Sommer zum Verkauf. DSM ist mit einem Umsatz von 251 Mill. Euro im vergangenen Jahr größter Vermarkter von Außenwerbung in Deutschland, gefolgt von der Ströer AG mit einem Umsatz von 220 Mill. Euro.

"Das Schicksal der Branche hängt an der Entscheidung im Dezember", sagt Ströer-Chef Müller, der auf den Zuschlag hofft. "Die DSM passt ideal zu uns. Wir sind die Nummer eins mit Werbeflächen auf privatem Grund, die DSM ist die Nummer eins auf städtischem Grund." Bei der einer Fusion der beiden Unternehmen würde Ströer Branchendritter in Europa.

Derzeit gibt es in Deutschland einen zweigeteilten Markt. Die kleinformatige Werbung von Wartehäuschen wird bereits vom europäischen Marktführer Decaux-Wall bestimmt. Bei den beleuchteten Großflächen konkurrieren vor allem Ströer und DSM. Dieser Markt mit einem Volumen von rund 100 Mill. Euro gilt wegen seiner Wachstumsperspektiven als der interessanteste. "Bei der beleuchteten Wechselwerbung in der Größe von neun Quadratmetern gibt es ein jährliches Wachstum von 15 bis 20 Prozent", erläutert der Ströer-Chef.

Dem Kölner Unternehmen Ströer mit voraussichtlich 240 Mill. Euro Umsatz und einer zweistelligen Rendite in diesem Jahr geht es darum, trotz schwachen Werbemarktes das hohe Wachstum der letzten Jahre zu halten. "Ohne den überfälligen Konsolidierungsschritt ist die weitere Entwicklung nur eingeschränkt möglich.", sagt Müller.

Die Städte als DSM-Gesellschafter können sich freuen. Sie werden sowohl vom Verkauf als auch von der Verpachtung profitieren. Doch Ströer warnt: "Wenn es kein nationales Netz bei der Außenwerbung in Deutschland gibt, werden auch die Städte weniger Geld bekommen." Von den Einnahmen stammen 80 % aus Pachten und 20 % aus Gewinnausschüttungen.

Im Vergleich zu Print, TV und Radio spielen Plakate im Werbemarkt nur eine Nebenrolle. 2002 setzte die Branche laut Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) 713 Mill. Euro um - ein Minus von 6 %. "Die bisherige Zersplitterung der Außenwerbung bremst das Wachstum des Marktes", bilanziert Ströer-Chef Müller. Das könnte sich nun bald ändern.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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