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Vier Deutschen droht die Todesstrafe

Die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan wollen die festgenommenen Deutschen und die anderen Ausländer nach dem islamischen Scharia-Recht aburteilen.

dpa ISLAMABAD/BERLIN. Das sagte der stellvertretende Chef der Religions- und Sittenpolizei der Taliban, Mohammad Salim Haqqani, am Dienstag in Kabul. Er warf den Mitarbeitern der Organisation "Shelter Now" vor, "den Islam und die afghanischen Traditionen schwer beleidigt" zu haben, und beschuldigte sie, christliche Mission betrieben zu haben. Er führte der Presse Bücher und Multimediamaterial vor, das angeblich der Verbreitung des Christentums dient und bei den Festgenommenen gefunden worden sei. Haqqani ließ aber offen, welche Strafe die vier Deutschen, zwei US-Bürger und zwei Australier zu befürchten haben. Das berichtete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP.

Taliban-Anführer Mullah Mohammad Omar hat für Afghanen, die vom Islam abfallen, die Todesstrafe angeordnet. Es gibt jedoch unterschiedliche Interpretationen darüber, was das Dekret vom Januar für Missionare vorsieht. Während es in einigen Quellen heißt, auch derjenige, der Afghanen zum Religionswechsel veranlasse, werde mit dem Tode bedroht, gehen andere von einer Gefängnisstrafe oder der Ausweisung von Missionaren aus.

Nach Angaben der Taliban sind die Gefangenen wohlauf und werden "gut behandelt". Die Ehefrau und die beiden Kinder des deutschen Projektleiters Georg Taubmann konnten Afghanistan verlassen und trafen am Dienstag in der pakistanischen Grenzstadt Peshawar ein.

Die Botschaften Deutschlands, der USA und Australiens in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad forderten von der dortigen Taliban-Vertretung konsularischen Zugang zu den Festgenommenen. Nach Angaben diplomatischer Kreise wurden auch die Vertretungen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und der Vereinten Nationen in Kabul um Hilfe gebeten. Das Auswärtige Amt in Berlin bildete einen Krisenstab; es arbeitet mit Australien und den USA zusammen, um Zugang zu den Festgenommenen bekommen. "Botschaftsvertreter aus Islamabad werden außerdem selbst nach Kabul reisen", sagte ein AA-Sprecher.

Die Taliban hatten 24 Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Shelter Now" festgenommen. Unter ihnen sind der Projektleiter aus Bayern, drei Mitarbeiterinnen aus Niedersachsen, zwei US-Bürger, zwei Australier und 16 Afghanen. Die Religionspolizei der Taliban wirft ihnen vor, sie hätten versucht, Afghanen zum Christentum zu bekehren.

Die Deutschen in Afghanistan waren nach Angaben ihrer Organisation Shelter Germany ehrenamtlich für eine Schwestergruppe namens "Shelter Now International" tätig. Ihr Sprecher Esteban Witzemann sagte in Peshawar, Shelter Now arbeite vor allem für afghanische Flüchtlinge in Pakistan, betreibe dort eine Bäckerei und eine Suppenküche und habe mit finanzieller Hilfe der Bundesregierung 6700 Lehmhütten gebaut. In Afghanistan selbst seien deutsche Mitarbeiter erst seit einem Jahr präsent. Dort würden Betonträger für den Bau von Dächern gefertigt.

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