Vier Fünftel der ursprünglich 21 000 Jobs gesichert
Babcock versucht Neustart als Kraftwerksdienstleister

Drei Monate haben sie gezittert, jetzt können weitere 2600 Mitarbeiter der seit Juli insolventen Maschinen- und Anlagenbaukonzerns Babcock Borsig AG erleichtert aufatmen. Am Montag genehmigte der Gläubigerausschuss das Zukunftskonzept für die Auffanggesellschaft Babcock Borsig Power Systems (BBPS).

mjh/tag HB OBERHAUSEN. "Heute geht ein sehr starker Spieler an den Markt", sagte Horst Piepenburg, der Vorstandsvorsitzende der Babcock Borsig AG und neue Vorsitzende der Geschäftsführung der Auffanggesellschaft. Die BBPS wird sich als reines Engineering-Unternehmen künftig auf die Energie- und Umwelttechnik sowie Service-Leistungen für Kraftwerke konzentrieren. "Im Service-Geschäft hat Babcock schon in der Vergangenheit gutes Geld verdient", sagt ein Branchenkenner. Allerdings seien die Gewinne von der chronisch klammen Mutter stets abgeschöpft worden.

Die Fertigung von Kraftswerkskomponenten zählt nicht zum Kerngeschäft. "Mit den hohen Lohnkosten in Deutschland ist dieser Bereich international schon lange nicht mehr wettbewerbsfähig", erläutert ein Aktienstratege. Außerdem wird BBPS künftig nicht als Komplettanbieter von Kraftwerken auftreten. "Damit reduzieren wir das Risiko auf die von uns zugelieferten Komponenten", erläuterte Piepenburg. Als Anschubfinanzierung für die BBPS haben acht Banken - die bisherigen Kernbanken Deutsche und Dresdner Bank, Commerzbank, ING-BHF-Bank, WestLB und Hypo-Vereinsbank sowie die WGZ Bank und die Bank Austria - einen Kreditrahmen von 330 Mill. Euro zur Verfügung gestellt, der zu 90 % von Landes- und Bundesbürgschaften gedeckt wird. Weitere 30 Mill. Euro stellen die Banken für den täglichen Geschäftsverkehr bereit.

Die Babcock Borsig AG bringt zusätzlich 30 Mill. Euro als Eigenkapital ein. Das Geld stammt aus dem Verkauf der Kieler U-Boot-Werft HDW an den Finanzinvestor OEP. Mittelfristig soll BBPS einen Umsatz von 660 Mill. Euro erzielen. Im ersten Geschäftsjahr ist das Unternehmen noch zu zwei Dritteln mit Altaufträgen ausgelastet. Mit 30 Mill. Euro ist die Eigenkapitaldecke aber vergleichsweise kurz. Aber Piepenburg und der Insolvenzverwalter Helmut Schmitz mussten einen Interessenausgleich zwischen den Gläubigern, die nicht ihre Forderungen gefährden wollen und den Mitarbeitern erreichen. "Wir erwarten, dass die Gläubiger letztlich mehr Geld bekommen werden als sie in BBPS einbringen", sagt Piepenburg. Spätestens wenn das Unternehmen floriert, soll es wieder verkauft werden - mit guter Verzinsung für die Gläubiger."

Schmitz glaubt, dass dies schon in drei oder vier Jahren so weit sein könnte. Bereits jetzt stehe man in aussichtsreichen Verhandlungen mit einem halben Dutzend Investoren, die bei BBPS einsteigen wollten. Zu den Interessenten gehört nicht der französische Konkurrent Alstom versicherte Schmitz, wohl aber die Roland-Berger-Tochter CMP, die gemeinsam mit einer Bank und einem weiteren Gesellschafter Anteile an BBPS erwerben will. Pikant dabei: Berger-Berater haben bei dem Zukunftskonzept für die BBPS beraten. Für den Babcock-Chef wäre CMP als Investor dennoch willkommen: "Das verkürzt lediglich den Prüfungsprozess, mehr nicht." Sein Kollege Schmitz ergänzt, dass CMP nicht der erste Anwärter auf einen Einstieg bei BBPS sei. Vor der Insolvenz zählte Babcock weltweit 21 000 Mitarbeiter. Mit dem Start der BBPS seien jetzt 80 % oder knapp 17 000 Arbeitsplätze gesichert, betonte Piepenburg. In seiner Erfolgsbilanz unterschlägt er indes, dass 10 000 Jobs bei ausländischen Babcock-Töchtern von dem Zusammenbruch der Oberhausener Mutter ohnehin nicht betroffen waren. Gleichwohl hofft Piepenburg, "auch für die 4 200 noch gefährdeten Arbeitsplätze eine Lösung zu finden."

Quelle: Handelsblatt

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