Vier Fünftel weniger Schadstoffausstoß
IAA: Dieselpreise setzen Branche unter Innovationsdruck

Bemühungen, durch funkgestützte Elektronik den gesamten Güterverkehr effizienter zu machen, stehen auf der Frankfurter Messe im Mittelpunkt.

Reuters FRANKFURT. Die Bilder von Lastzügen, die wegen der gestiegenen Dieselpreise Fernstraßen blockieren, haben den Kraftstoffverbrauch von Lkw zuletzt wieder zum Thema gemacht. Denn die Abnehmer der großen Lkw-Hersteller leiden ohnehin seit Jahren unter einem enormen Preisdruck. Durch die höheren Dieselpreise sind ihre Kosten nach Branchenschätzungen um 10 bis 20 % gestiegen, doch wegen des starken Wettbewerbs können sie diese Kostensteigerungen meist nicht an ihre Kunden weitergeben. Auf der Frankfurter IAA Nutzfahrzeuge sind daher wieder die Anstrengungen der Hersteller in den Mittelpunkt gerückt, den Verbrauch der Lastwagen zu senken und durch funkgestützte Elektronik den Güterverkehr insgesamt effizienter zu machen.

Ein Drittel weniger Kraftstoffverbrauch



Noch vor zwei Jahrzehnten haben Lkw bis zu 50 Liter Diesel pro 100 Kilometer verbraucht. Inzwischen ist der Verbrauch nach Branchenangaben bei einem 40-Tonnen-Lastzug um etwa ein Drittel auf gut 30 Liter gesunken. "Bei Lkw haben wir im übertragenen Sinne schon das Drei-Liter-Auto", sagt ein Mitarbeiter des Branchenführers Daimler-Chrysler. Moderne Motorentechnik habe dies möglich gemacht. Zugleich sei der Schadstoffausstoß um vier Fünftel zurückgegangen. "Viel Spielraum beim Verbrauch gibt es nun von Seiten der Motoren nicht mehr," heißt es in der Branche.

Nach Einschätzung des Verbands der Automobilindustrie (VDA) macht der Kraftstoff im deutschen Güterkraftverkehr etwa 15 % der Kosten aus und ist damit zweitgrößter Kostenblock für die Fuhrunternehmen. "Da ist ein halber Liter auf hundert Kilometer oft kriegsentscheidend", heißt es etwa bei der MAN Nutzfahrzeuge AG. Für die großen Hersteller in Europa ist der Verbrauch allerdings kein Merkmal, mit dem sie sich voneinander abgrenzen können: Unter gleichen Bedingungen hätten die Modelle von MAN, Scania, Volvo, Renault, Iveco und Daimler-Chrysler bei Tests gerade 1 % im Verbrauch auseinandergelegen, sagt der Leiter der MAN-Motorenentwicklung, Georg Pachta-Reyhofen.

Immer stärker in den Mittelpunkt rücken daher elektronische Helfer, die zu sparsamerem Fahren führen und Flottenbetreibern weniger Leerfahrten bringen soll. "Durch ökonomisches Fahren lässt sich der Verbrauch nochmals um 1 bis 2 Liter reduzieren", heißt es bei Daimler-Chrysler. Volvo bietet seinen Kunden das System "Dynafleet" an. Dabei wird auf einer Chipkarte im Lkw alles gespeichert, was ein Fahrer 40 Tage lang mit dem Lkw tut - wie er schaltet, welche Drehzahlen er fährt, wie er bremst. Über das satellitengestützte Ortungssystem GPS kann die Firmenzentrale des Fahrers die Daten abrufen und umgekehrt dem Fahrer elektronisch Anweisungen über eine neue Fahrtroute geben.

Daimler-Chrysler allen voran



Die Daimler-Chrysler AG sieht sich mit ihrem neuen, internet- gestützten System Fleetboard in diesem Bereich an der Spitze der Branche. Dabei wird der Kraftstoffverbrauch in Abhängigkeit von Faktoren wie der Beladung, Fahrtroute oder dem Bremsverhalten des Fahrers bewertet. Das System im Lkw übermittelt die Daten per Funktelefon an Daimler-Chrysler, von wo sie via Internet an den Spediteur geschickt werden. Für Fahrer, die etwa durch ständiges Gasgeben und Bremsen zu viel Kraftstoff verbrauchen, bietet Daimler-Chrysler Trainingskurse in seinem Lkw-Werk in Wörth an. Gleichzeitig ermöglicht Fleetboard Spediteuren, via Internet den Fahrern Nachrichten in deren Routenplanungssystem zu schicken, wenn etwa neue Aufträge hereinkommen und der betreffende Fahrer gerade mit einem leeren Lkw unterwegs ist.

In der Verringerung der Leerfahrten sehen die Hersteller noch ein großes Potenzial für Effizienzsteigerungen. Volvo etwa schätzt, dass die Auslastung der Lkw bei gerade etwa 50 % liegt. MAN veranschlagt den Anteil der Leerfahrten auf 30 %. Eine Reduzierung um 10 % sei aber noch denkbar.

Keine Alternative zum Diesel



Zum Dieselantrieb sehen die Hersteller für die "Brummis" mittelfristig keine Alternative. Zwar haben Daimler-Chrysler und MAN bereits Prototypen von Bussen mit wasserstoffgetriebenem Brennstoffzellen-Motor im Programm. "In den nächsten 5 bis 10 Jahren ist es aber unrealistisch, dass nennenswerte Teile des Verkehrs auf den Verbrennungsmotor verzichten könnten", sagt Daimler-Chrysler-Nutzfahrzeug-Chef Dieter Zetsche.

Eine eigene Meinung hat MAN-Entwickler Pachta-Reyhofen zur Reduzierung von Schadstoffen. Zuletzt hat er noch in der Türkei für MAN gearbeitet. "Was da an Lastwagen herum fährt...", sagt er. Dort überlege man, die Euro-1-Norm einzuführen, während man in Deutschland zum 1. Oktober zwei Schritte weiter ist und bis 2005 bei der Euro-4-Norm angelangt sein will. "Wenn die Bestände in ganz Europa auf den gegenwärtigen Stand der Technik erneuert würden, hätten wir mit Abstand den größten Nutzen", sagt er.

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