Vier Interessenten
Brau und Brunnen im Angebot

Der Konzernchef verspricht Gewinn, und Großaktionär Hypo-Vereinsbank ist verkaufsbereit. Damit dürfte es wohl noch in diesem Jahr zum Einstieg eines weiteren großen internationalen Braukonzerns auf dem als schwierig geltenden deutschen Markt kommen.

ire/hst DORTMUND. Die Münchner Hypo-Vereinsbank will offenbar ihren Anteil von 55 % am Dortmunder Getränkekonzern Brau und Brunnen AG alsbald verkaufen. Dies bestätigte Brau-und-Brunnen-Chef Michael Hollmann gestern auf der Bilanzpressekonferenz. Damit dürfte es wohl noch in diesem Jahr zum Einstieg eines weiteren großen internationalen Braukonzerns auf dem als schwierig geltenden deutschen Markt kommen. Zuvor hatten bereits Heineken und Interbrew den Sprung gewagt.

Das Brau-und-Brunnen-Management sei eng in die Verkaufsverhandlungen einbezogen, sagte Hollmann. Indirekt gab der BuB-Vorstandsvorsitzende auch schon eine Wunschvorstellung für den möglichen Verkaufspreis an. So soll im Jahr 2004 das Ergebnis der nach Interbrew, Radeberger und Holsten viertgrößten deutschen Braugruppe vor Steuern und Abschreibungen (Ebita) bei etwa 100 Mill. Euro liegen. Branchenüblich wird bei Übernahmen etwa das Zehnfache des Ebita-Wertes gezahlt. Einen konkreten Kaufinteressenten nannte Hollmann jedoch nicht. Zum Konzern zählen unter anderem die Biermarken Jever, Berliner Pilsener, Brinkhoff's sowie die Altmarke Schlösser und die Kölschsorten Sion, Küppers und Gilden.

Als heiße Bewerber werden nach Insider-Informationen der dänische Braugigant Carlsberg, die britische Scottish & Newcastle oder der Braukonzern SAB Miller gehandelt. Auch die zum Bielefelder Oetker-Konzern zählende Radeberger-Gruppe ist an Verhandlungen interessiert. Hollmanns Wunschkandidat kommt jedoch aus dem Ausland, sagte er dem Handelsblatt.

Die britischen Brauer sowie SAB verweigerten auf Anfrage jeden Kommentar. Die dänische CarlsbergBrauerei hingegen reagierte erstaunt: "Die Deutschen behaupten immer wieder, wir seien an ihnen interessiert. Das stimmt aber nicht", sagte eine Carlsberg-Sprecherin. Der BuB-Aktienkurs war in den letzten Tagen aufgrund von Marktgerüchten bereits stark gestiegen und verharrte auch gestern auf einem Wert bei etwa 82 Euro.

Von dem erhofften Ebita-Ergebnis ist das Unternehmen jedoch noch weit entfernt. Für das Jahr 2002 lag das Ebita bei 47,3 Mill. Euro, operativ machte BuB sogar noch einen Verlust von 25,6 Mill. Euro. Nach dem Verkauf der Mineralwassermarke Apollinaris an den britischen Joint-Venture CadburySchweppes Plc-Partner im vergangenen Jahr ging der bereinigte Umsatz im gleichen Zeitraum um 0,9% auf 577,7 Mill. Euro zurück.

Die Trennung von Apollinaris nannte Hollmann gestern einen "Befreiungsschlag", der letztlich die Eigenkapitalquote von null auf 13,4% befördert habe. Auch der Cash-flow vervierfachte sich dadurch gegenüber dem Vorjahr auf 172,1 Mill. Euro. Die Eigenkapitalquote bewertete Analyst Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe gegenüber dem Handelsblatt aber als "nicht zufriedenstellend".

Im Jahr 2002 ging der Bier-Absatz des Konzerns entsprechend der Markttendenz leicht um 0,3% auf 7,16 Mill. Hektoliter (hl) zurück. Im ersten Quartal 2003 ist der Bier-Ausstoß wegen der Einführung des Mehrwegpfandes schon um fast 11% eingebrochen. Für das Gesamtjahr rechnet Hollmann mit einem Verlust von bis zu 500 000 hl. Trotzdem hält der Vorstandschef am Plan fest, im Geschäftsjahr 2003 "zum ersten Mal seit 28 Jahren" operativ schwarze Zahlen zu schreiben. Im Jahr 2004 soll das Vorsteuerergebnis (Ebit) gar 20 Mill. Euro betragen. Zu dieser Summe soll das Geschäft mit Erfrischungsgetränken dann etwa die Hälfte beisteuern.

Zunächst plant BuB weitere kostspielige Aktivitäten. Nach der Übernahme der Hanseatischen Brauerei Rostock Ende letzten Jahres steht in den nächsten Wochen noch die Akquisition einer Weißbiermarke auf dem Programm. Außerdem investiert BuB in eine Pet-Abfüllanlage für Bier mit einer Kapazität von 500 000 hl am Standort Dortmund im Wert von 10 Mill. Euro.

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