Vier Interessenten für Fernsehproduktionsfirmen
Springer verliert die Lust am Fernsehen

Der Axel Springer Verlag steht kurz vor der Trennung vom TV-Produktionsgeschäft. Europas größter Zeitungskonzern führt nach Informationen aus Unternehmenskreisen bereits abschließende Verhandlungen über den Verkauf der Töchter an einen Interessenten aus Süddeutschland.

HAMBURG. Eine Verlagssprecherin wollte dazu nicht Stellung nehmen. Auch das zuständige Springer-Vorstandsmitglied Hubertus Meyer-Burckhardt hielt sich bedeckt: "Wir restrukturieren da, wo wir es für nötig halten."

Zu den TV-Produktionsfirmen des Springer-Verlags gehören die Hamburger Schwarzkopff TV sowie Cinecentrum und Multimedia. Bei Cinecentrum und Multimedia handelt es sich um Gemeinschaftsunternehmen mit der Produktionsgesellschaft Studio Hamburg. Ob Studio Hamburg bei einem Ausstieg von Springer an den Joint-Ventures festhalten würde, wollte eine Sprecherin gestern nicht kommentieren.

Bereits vor Monaten hatte der Axel Springer Verlag einen Schweizer M&A-Berater beauftragt, Käufer für die Produktionsfirmen zu suchen. Dabei waren vier Interessenten in die engere Wahl gekommen, die die Unternehmen offenbar auch gründlich geprüft haben. Dazu gehören den Angaben aus den Unternehmenskreisen zufolge zwei Firmen aus dem Ausland, die die Übernahme zusammen mit Risikokapitalgesellschaften finanzieren wollen, unter anderem der britischen 3i Group.

Abgewunken hat bereits der Heinrich Bauer Verlag. "Wir haben kein Interesse, erneut bei TV- Produktionen einzusteigen", sagte ein Sprecher. Der Bauer-Verlag hat sich bereits weitgehend aus der TV-Produktionsfirma MME Me, Myself & Eye zurückgezogen. Dafür bemüht sich Bauer derzeit, die Mehrheit an der Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 Media AG für rund 700 Mill. Euro zu erwerben.

Der Springer-Verlag hingegen würde sich mit dem Verkauf der Töchter weitgehend aus dem kapitalintensiven TV-Geschäft zurückziehen. Eine Baustelle bliebe allerdings noch im Fernsehgeschäft: Springer ist noch mit einem Anteil von 11,5 % bei Pro Sieben Sat 1 engagiert, deren Mehrheitseigner die insolvente Kirch Media ist. Springer hatte Ende Januar vergeblich versucht, eine Put-Option zu ziehen und Kirch Media den Pro-Sieben-Anteil für einen Preis von 767 Mill. Euro zurückzugeben. Damit hatte die Verlagsgruppe den Zusammenbruch des Kirch-Imperiums mit ausgelöst.

Doch nun sitzt Springer-Chef Mathias Döpfner auf dem Anteil und versucht, mit den Geschäftsführern der Kirch Media einen Vergleich zu finden, um wenigstens einen Teil des Geldes für den Anteil zu bekommen. Springer ist erklärtermaßen bereit, entweder ganz bei Pro Sieben auszusteigen oder als Ausgleich für die Forderung einen höheren Anteil an der Fernsehgruppe zu nehmen.

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