Vier neue BSE-Verdachtsfälle in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt
Sicherheitslücken bei BSE-Schnelltests

Zweifel an der Zuverlässigkeit von BSE-Schnelltestergebnissen sind am Wochenende aufgekommen. Das bayerische Gesundheitsministerium bestätigte einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", wonach in Bayern bei einer BSE-infizierten Kuh mehrere Schnelltests nicht oder nur unzureichend anschlugen. Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast erwägt unterdessen eine neue Bundesbehörde für Verbraucherschutz und Lebensmittel.

dpa HAMBURG/MÜNCHEN. Auch BSE-Schnelltests bieten keine 100- prozentige Sicherheit für den Nachweis der Rinderseuche: Bei einer BSE-infizierten Kuh aus Bayern verlief einer von zwei Schnelltests negativ. Erst bei einem weiteren Test in der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten in Tübingen wurde BSE eindeutig festgestellt. Der Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums bestätigte am Sonntag entsprechende Informationen des Magazins "Der Spiegel". Am Wochenende wurden in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt vier neue BSE-Verdachtsfälle gemeldet. Zugleich wurden weitere Bestände getötet. Bundesweit sind inzwischen in Herden mit BSE-Fällen rund 1 800 Rinder gekeult worden. Die Tötung weiterer Tiere steht bevor.

Bundesweit gibt es bisher 16 bestätigte BSE-Fälle, davon sieben in Bayern, jeweils drei in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, zwei in Baden-Württemberg und einer in Mecklenburg-Vorpommern.

Nach Auskunft eines Ministeriumssprechers in München war im Schlachthof von Kempten bei BSE-Schnelltests von 57 Rindern ein Befund zunächst schwach positiv ausgefallen. Daraufhin kamen Proben zum Landesuntersuchungsamt für das Gesundheitswesen in Nordbayern nach Erlangen, wo der Test negativ ausfiel. Erst in der Tübinger Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten wurde zweifelsfrei festgestellt, dass die Kuh mit BSE infiziert war. Von vier weiteren Schnelltests von zwei verschiedenen Herstellern verliefen dort laut "Spiegel" drei negativ. Experten vermuten, dass die falschen negativen Befunde möglicherweise auf einen Fehler bei der Entnahme von Nervengewebe aus dem Hirnstamm zurückzuführen sein könnten.

Der Ministeriumssprecher teilte auf Anfrage mit, bereits in der vergangene Woche seien mit Herstellerfirmen von BSE-Schnelltests und den Landesuntersuchungsämtern Gespräche geführt worden mit dem Ziel, die Test-Probleme auszuräumen. In der kommenden Woche sei im Gesundheitsministerium in München erneut eine Gesprächsrunde anberaumt, an der möglichst auch Experten aus Tübingen teilnehmen sollen. Ziel müsse sein, die BSE-Tests absolut sicher zu machen. Die Unzuverlässigkeit der Testmethoden hatte bislang nur falschen BSE- Verdacht bei gesunden Tieren aufkommen lassen und nicht umgekehrt.

Eine Sprecherin des Ministeriums für Verbraucherschutz und Landwirtschaft in Berlin sagte am Sonntag, Experten hätten immer darauf verwiesen, dass auch negative Resultate von Schnelltests noch keine 100-prozentige Sicherheit bieten könnten, dass das untersuchte Tier tatsächlich gesund war. Für die Tests sei es wichtig, dass die Proben präzise entnommen werden. Die Länder müssten sowohl die Probenentnahme als auch die Durchführung der Tests kontrollieren.

Bei zwei Kühen aus verschiedenen Höfen in der Oberpfalz fielen BSE-Schnelltests positiv aus. Beide Tiere waren nach Angaben des Gesundheitsministeriums in München vom Sonntag aus Krankheitsgründen getötet worden. Eine Kuh wurde im März 1988 in einem Bestand mit 45 Tieren geboren, die andere im Januar 1998 in einer Herde mit 100 Rindern. Die Höfe wurden ebenso gesperrt wie ein Großbetrieb mit 900 Tieren in Mücheln in Sachsen-Anhalt. Dort steht seit Samstag eine 1996 geborene Kuh, die krank war und eingeschläfert werden musste, unter BSE-Verdacht.

Die Behörden in Sachen und Thüringen beschäftigte am Wochenende ein weiterer BSE-Verdacht aus Sachsen, der bereits am Freitagabend bekannt geworden war. Betroffen ist eine 1995 geborene Kuh aus einer Milchviehanlage mit 310 Tieren in Nöthnitz, die in Jena in Thüringen geschlachtet worden war. An diesem Montag will sich Sachsens Regierung in einer Sondersitzung mit dem Verdachtsfall beschäftigen.

Entwarnung gab es am Samstag in Hessen, wo sich nach Angaben von Landessozialministerin Marlies Mosiek-Urbahn (CDU) insgesamt 15 unklare BSE-Testergebnisse als negativ herausstellten. Bei ausführlichen Tests im staatlichen Veterinär-Untersuchungsamt in Gießen hätten sämtliche Proben, die zunächst schwach positiv waren, ein negatives Ergebnis gezeigt. Es handelte sich um Tests an Rindern, die um den 15. und 16. Januar zum überwiegenden Teil in Gießen geschlachtet worden waren. Am Donnerstag hatten auf einen Schlag 100 in Gießen getestete Proben oberhalb der Negativ-Marke gelegen. Durch Nachtests wurden 85 Fälle entkräftet.

Als Konsequenz aus den verwirrenden Ergebnissen forderte die hessische Ministerin eine umgehende Verbesserung der Testverfahren. "Wir brauchen mehr Zuverlässigkeit." Mosiek-Urbahn sagte, die Bundesregierung müsse "endlich die erforderlichen Forschungsanstrengungen starten". Dazu sei eine Koordinierung mit der EU genau so notwendig wie eine Einbindung der Länder.

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