Vier Tote bei Bombenanschlag im Norden des Landes – Ben-Eliezer wird Verteidigungsminister
Terror überschattet Regierungsbildung in Israel

Bei dem Selbstmordanschlag eines vermutlich palästinensischen Terroristen sind am Sonntag in Netanja vier Menschen getötet und sechzig schwer verletzt worden. Ariel Scharon bekräftigte die Notwendigkeit einer Regierung der nationalen Einheit, stößt bei Rechtsparteien allerdings auf Widerstand.

HB JERUSALEM. Wenige Tage vor der geplanten Vorstellung der neuen Regierung in Israel hat ein Bombenanschlag in der Küstenstadt Netanja vier Todesopfer gefordert. Unter den Toten ist nach Angaben der Polizei auch der Selbstmordattentäter. Mindestens 45 Menschen wurden bei der gewaltigen Explosion im belebten Zentrum der Stadt verletzt.

Der designierte israelische Ministerpräsident Ariel Scharon sagte, der Anschlag unterstreiche die Notwendigkeit, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden. Die Bombe explodierte am Sonntagmorgen an einer zentralen Kreuzung in der Nähe des Marktplatzes. Der Täter trug Augenzeugen zufolge die Bombe in einer Tasche und stand mit Passanten vor einem Zebrastreifen. Einige Beobachter berichteten, der Mann habe noch versucht, in einen Bus zu steigen, sei aber daran gehindert worden.

Der Sonntag ist in Israel ein gewöhnlicher Arbeitstag, die Straßen im Zentrum von Netanja waren voller Menschen. Die palästinensische Untergrundorganisation Hamas drohte erst kürzlich mit Selbstmordanschlägen, um gegen die Wahl des rechtsgerichteten Politikers Ariel Scharon zum neuen israelischen Ministerpräsidenten zu protestieren. Hamas-Sprecher Machmud Sahar sagte im Gazastreifen, es sei derzeit noch nicht bekannt, wer den Anschlag ausgeführt habe. Sahar fügte hinzu: "Der Widerstand wird andauern, bis wir die Besetzer aus unserem Land vertrieben haben."

Auch in den Autonomiegebieten dauerte die Gewalt weiter an. Am Samstag kamen drei Palästinenser im Westjordanland ums Leben, unter ihnen eine 43-jährige Frau in der Stadt El Bireh. Vorausgegangen war nach Militärangaben ein Beschuss der jüdischen Siedlung Psagot. Der neuerliche Bombenanschlag - seit Beginn des palästinensischen Aufstands Ende September vergangenen Jahres verging kaum ein Monat ohne Terrorakt - löste in der israelischen Öffentlichkeit eine Stimmung der Verzweiflung und der Ausweglosigkeit aus. Der scheidende Ministerpräsident Ehud Barak sagte in einer Kabinettssitzung, Israel müsse eine beharrliche Politik der Ausdauer verfolgen. Alles andere spiele den Terroristen in die Hände. Scharon sagte, Israel befinde sich in einer unruhigen Phase, die "die Wichtigkeit einer Regierung der nationalen Einheit demonstriert".

Unerwarteter Widerstand bei Rechtsparteien

Am Mittwoch will Scharon sein Kabinett vorstellen, dem auch Minister von Baraks Arbeitspartei angehören sollen. Allerdings sind die Bemühungen Scharons um eine rasche Regierungsbildung bei den Rechtsparteien auf unerwartet großen Widerstand gestoßen. Nahezu alle rechtsgerichteten und ultraorthodoxen Parteien, die Scharon in seine "Regierung der nationalen Einheit" aufnehmen will, drohten am Wochenende, sie würden unter den gegebenen Bedingungen den Beitritt zu einer großen Koalition mit dem Likud und der israelischen Arbeitspartei verweigern. Vor allem Scharons Verhandlungen mit der ultraorthodoxen Schas-Partei treten auf der Stelle.

Aus Verärgerung über die seiner Meinung nach völlig überzogenen Forderungen der Religiösen kündigte Scharon, er werde mit der liberal-säkularen Schinui (Erneuerungs)-Partei Verhandlungen aufnehmen. Der Chef der überwiegend von Russen gewählten Partei "Israel durch Einwanderung", Nathan Scharanski, kündigte an, seine Fraktion werde der Koalition voraussichtlich nicht beitreten.

Der Fraktionsvorsitzende der Arbeitspartei, Ofir Pines-Pas, wiederum äußerte sich kritisch zu den politischen Zugeständnissen, die Scharon den rechtsextremen Gruppen im Parlament machen wolle. Die israelische Arbeitspartei hatte am Freitag Friedensnobelpreisträger Schimon Peres als Außenminister in der geplanten großen Koalition mit der rechtsgerichteten Likud-Partei nominiert. Peres soll auch Stellvertreter Scharons werden. Für das in Israel besonders prestige-trächtige Verteidigungsministerium nominierte ein Sonderparteitag der Arbeitspartei in Tel Aviv den 64-jährigen Ex-General und bisherigen Wohnungsbauminister Benjamin Ben-Elieser. Der Minister ist für eine harte Haltung gegenüber den Palästinensern bekannt.

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