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Vierjähriges Berliner «Muskelpaket» erweckt weltweit HoffnungenDPA-Datum: 2004-06-25 17:50:49

Boston/Berlin (dpa) - Ein vierjähriger, bereits muskelbepackter Junge soll Mediziner zu neuen Therapien gegen Muskelschwund führen. Er ist der erste dokumentierte Fall, der auf Grund von Veränderungen eines Genes mit bereits gut ausgebildeter Bein- und Armmuskulatur auf die Welt kam.

Boston/Berlin (dpa) - Ein vierjähriger, bereits muskelbepackter Junge soll Mediziner zu neuen Therapien gegen Muskelschwund führen. Er ist der erste dokumentierte Fall, der auf Grund von Veränderungen eines Genes mit bereits gut ausgebildeter Bein- und Armmuskulatur auf die Welt kam.

So könne er an ausgestreckten Armen jeweils Drei-Kilogramm-Gewichte halten, berichtete das Berliner Universitätsklinikum Charité. Labormäuse mit der genetischen Besonderheit des Berliner Jungen sind als «Mighty Mice» bekannt, und Rinder werden entsprechend gezüchtet, um möglichst viel fettarmes Fleisch zu bieten.

Nun wollen Forscher anhand der Erkenntnisse Therapien gegen Muskelschwund entwickeln, der vererbt sein kann, bei Mangelversorgung der Muskeln oder Krebs entstehen kann. Andere Experten sagen einen Einsatz des Wissens beim Hochleistungssport voraus. Das Team um den Kinderneurologen Markus Schülke stellt den Fall im «New England Jornal of Medicine» vor.

Bei dem Jungen ist durch eine Mutation der Eiweißstoff Myostatin ausgeschaltet. Dieser sorgt dafür, dass die Muskelmasse auf normale Umfänge begrenzt bleibt. Der Vierjährige ist nach Angaben der Charité gesund, hat demnach aber doppelt so stark entwickelte Muskeln wie seine Altersgenossen. Ob sich die Mutation einmal auf den Herzmuskel ausbreitet und dann Beschwerden machen würde, sei zur Zeit nicht erkennbar.

Die Mutter des Jungen war den Angaben zufolge Berufssportlerin. Auch ihre Gene wurden getestet. Dabei ergab sich, dass eine der beiden Kopien des Myostatin-Gens eine Mutation aufwies. Bei ihrem Sohn waren die Genmutationen jedoch auf beiden geerbten Kopien nachweisbar. Durch die Veränderung bildet der Körper des Kindes kein Myostatin und die Muskeln wachsen übermäßig. Menschen erben jeweils eine Kopie eines Gens von Mutter und Vater.

«Die Myostatin-Blockade wird sich wahrscheinlich in den Berufs- und Amateursport vorarbeiten und auch in dem Geschäft mit der körperlichen Ertüchtigung eine Rolle spielen», schreibt die Expertin Elizabeth McNally von der Universität von Chicago in einem Begleitartikel.

Die Erkenntnis von Schülke und Kollegen könnte Forschern zudem helfen, schon vom genetischen Profil her vorauszusagen, wer bei dem nötigen Training zum Hochleistungssportler werden kann und wer nicht. «Wer Bilder von Arnold Schwarzenegger als Teenager sieht, erkennt, dass er von Natur aus muskulös war», sagte der Humangenetiker Robert Ferrell von der Universität Pittsburgh der «New York Times». Andere Leute könnten Tag für Tag Gewichte stemmen und ihrem Ziel des Bodybuildings keinen Schritt näher kommen.

Das Pharmaunternehmen Wyeth Research in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) entwickelt derzeit ein Mittel, das das Protein Myostatin auszuschalten versucht. Mit klinischen Studien am Menschen ist laut Charité in den kommenden Jahren zu rechnen.

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