Vierte Modellreihe nur eine Frage der Zeit
Porsche setzt seine eigenen Trends

Wer Porsche-Chef Wendelin Wiedeking kennt, der weiß, dass er bei Prognosen stets einen Gang zurück schaltet. Aktionäre und Lieferanten sollen nicht enttäuscht werden. Deshalb sagt er derzeit nur voraus, den Rekordgewinn des Vorjahres wieder einzufahren.

STUTTGART. Dennoch könnte Ende Juli, wenn das Porsche-Geschäftsjahr endet, erneut ein Plus bei Umsatz und Gewinn herauskommen. Das Unternehmen hat bis jetzt bereits den Umsatz um 6 % erhöht.

Der Stuttgarter Sportwagenhersteller ist der profitabelste Autobauer der Welt. Seit der existenzbedrohenden Krise Anfang der 90er-Jahre hat das Unternehmen nicht nur jährlich mit zweistelligen Wachstumsraten den Umsatz auf 4,4 Mrd. Euro vervierfacht. Die Umsatzrendite, gemessen am Jahresüberschuss, liegt inzwischen bei über 6 %. Im Vergleich dazu: BMW schafft nicht mal 1 %.

Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft lobt denn auch die Arbeit von Porsche: "Das Unternehmen hat sich darauf konzentriert, unverwechselbare Produkte zu machen, die ein unverwechselbares Image zur Folge haben."

Bei Porsche war das nicht immer so. Neben Missmanagement und Familienquerelen hatte eine falsche Modellpolitik das Unternehmen Anfang der 90er fast ruiniert. Die Modellreihen 944, 928 und 959 wurden von den Kunden nicht mehr als Porsche-Fahrzeuge wahrgenommen. In dieser Krise übernahm Wiedeking das Steuer und positionierte das Unternehmen neu. Der damals 40-jährige promovierte Maschinenbauingenieur war nur Fachleuten ein Begriff. 1991 war er als Produktionsvorstand zu Porsche gekommen, um ein Jahr später auf dem Chefstuhl Platz zu nehmen.

Drei Leitlinien hat er damals festgelegt: Die Produkte und das Marketing müssen stimmen und die Fabriken effizient arbeiten. Bei der Produktentwicklung suchte Wiedeking Hilfe in der Firmengeschichte. Der Porsche 911 war das Auto gewesen, das den Erfolg gebracht hatte, das Porsche-Manager aber aufgeben wollten. Stop, sagte Wiedeking und setzte wieder voll auf den 911er. Auch bei der zweiten Modellreihe, dem preiswerteren Boxster, machte er Anleihen beim früheren Spider 55: Ein Kultauto aus den 50er-Jahren, mit dem James Dean tödlich verunglückte.

Wie alle Fahrzeughersteller holt auch Porsche in so genannten Produktkliniken die Meinung der Kunden ein. "Doch Porsche will Trendsetter sein und entscheidet deshalb manchmal auch gegen die Kundenmeinung", erklärt ein Firmensprecher. Beim 911er setzte das Unternehmen Mitte der 90er-Jahre entgegen dem Kundengeschmack auf eine weiche Linie. Das Fahrzeug sollte sich von den kantigen Autos der Konkurrenz absetzen. Bei der Markteinführung wurde der neue 911er als weich gespülter Lenor-Porsche verspottet. Doch die Rechnung ging auf: Der 911er fährt wieder die hohen Gewinne ein.

Auch die dritte Modellreihe, der Geländewagen Cayenne, der im Herbst auf den Markt kommt, besitzt laut Firmensprecher Porsche-Gene. Das Auto werde luxuriös sein und sich mit mehr als 350 PS wie ein Sportwagen fahren lassen.

Der Cayenne katapultiert Porsche in eine neue Größenordnung. Mehr als 25 000 Fahrzeuge pro Jahr glaubt Wiedeking im nächsten Geschäftsjahr verkaufen zu können. Schafft Porsche diese Stückzahlen, erhöht sich der Absatz um mehr als die Hälfte.

Dann soll es auf jeden Fall eine weitere Porsche-Baureihe geben. "Nach drei kommt vier", sagte Wiedeking erst gestern auf der Motor Show in Detroit. Mit dem neuen Auto, für das es bislang nur "verschiedene Ideen" gebe, wollen die Stuttgarter dann die Produktionsgrenze von jährlich 100 000 Autos erreichen.

Für die Verkaufserfolge fundamental ist der weltweite Markenauftritt, der zentral aus Stuttgart gesteuert wird. Wiedeking wird dabei bewusst als "Mister Porsche" positioniert, der öffentlich die firmeneigenen Interessen vertreten soll. Porsche sieht sich dabei als Mittelständler, der sich auch mit eigenständigen Ideen gegen die Konzerne behaupten will.

Dennoch wäre Porsche nicht so erfolgreich, würden nicht auch die Fabriken effizient arbeiten. In der Krise holte Produktionsfachmann Wiedeking japanische Fachleute, die die Stuttgarter Fabrik schlank trimmten. "Jedes Jahr wird die Produktivität um weitere 6 bis 8 % erhöht", betont der Firmensprecher.

Mitarbeiter erzählen, Wiedeking entdecke auf seinen Fabrikrundgängen immer wieder Fettpolster zum Abspecken. Die eigentliche Stärke des Chefs sei, dass er nie aufhöre, nach Verbesserungen zu suchen.

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