Viertel Milliarde Dollar ausgegeben
Kampf um Compaq ist für HP-Aktionäre teuer

Der Kampf um die Stimmen der Aktionäre wird immer teurer: Hewlett-Packard und Compaq haben nach eigenen Schätzungen fast eine Viertel Milliarde Dollar allein für Anwälte und Berater ausgegeben. Ganzseitige Anzeigen sind inzwischen selbst beim Kampf um Aufsichtsratssitze keine Seltenheit mehr.

NEW YORK. Der Kampf um den Zusammenschluss der US-Konzerne Hewlett-Packard (HP) und Compaq Computer Corp. hat offiziell fast eine Viertel Milliarde Dollar gekostet: Nach Schätzungen der Konzerne und des schärfsten Opponenten, des Gründererben Walter Hewlett, haben die Unternehmen allein 232 Mill. $ für Anwälte und Berater ausgegeben. Die Kosten etwa für Anzeigenkampagnen sind da laut Firmenangaben nicht drin.

Die Beträge, die Unternehmen für den Kampf um die Zustimmung ihrer Aktionäre ausgeben, ist deutlich gestiegen. "HP und Compaq haben die Latte für die Zukunft noch höher gelegt", sagt Ram Kumar von der Beratungsfirma Institutional Shareholder Services. "Es gibt immer mehr ganzseitige Anzeigen." Und das nicht nur bei Übernahmeschlachten: Beim Pharmakonzern ICN Pharmaceuticals steht ein Kampf um die Aufsichtsratssitze bevor. Der ist einigen Aktionären nicht unabhängig genug von Firmen- und Aufsichtsratschef Milan Panic. Das Unternehmen kündigte jetzt an, mit den Rekordgewinnen des Jahres 2001 als Verdienst des alten Managements und des Aufsichtsrates zu werben.

In Deutschland lag der Rekordwert bei einer Übernahmeschlacht bisher bei rund 1 Mrd. Euro - so viel haben nach Expertenschätzungen der deutsche Traditionskonzern Mannesmann und die britische Mobilfunkgesellschaft Vodafone für Anzeigenkampagnen und Beraterteams ausgegeben. Vodafone hat Mannesmann schließlich übernommen.

Im Kampf um Compaq reklamiert HP-Chefin Carleton Fiorina einen knappen Sieg bei der Abstimmung der Aktionäre für sich, doch wegen des komplizierten Wahlverfahrens liegt immer noch kein endgültiges Ergebnis vor. Der Konzern schätzt, dass die Transaktion bisher 150 Mill. $ gekostet hat - das sind aber nur die Gebühren für Rechtsberater und Investmentbanken. Was der öffentliche Kampf um die Stimmen der Aktionäre gekostet hat, will der Konzern nicht enthüllen. Compaq, bei dem die Aktionäre der Fusion mehrheitlich zustimmten, schätzt seine Ausgaben auf 50 Mill. $ in den vergangenen sechs Monaten. Fusionsgegner Walter Hewlett hat nach eigenen Angaben über den William Fonds 32 Mill. $ ausgegeben. Die Schlacht um Compaq hatte allerdings eine Besonderheit, sagt Charles Elson, Professor der University of Delaware: "Das war eine ungewöhnliche Verwendung des Aktionärskapitals, wenn man bedenkt, dass fast die Hälfte der Anteilseigner gegen die Fusion war."

Steven Kaplan, Finanzprofessor an der University of Chicago, gibt jedoch zu bedenken, dass der Fall HP/Compaq "in absoluten Zahlen groß war, aber nicht in relativen". Die Finanzierung solcher Kosten über die Ausgabe von Junk Bonds, die in den 80er Jahren beliebt war, trieb die Kosten solcher Deals auf 3 bis 4 % der Kaufsumme. Im Fall HP/Compaq seien das nur 1 %. Die direkten Kosten seien zudem nur ein Bruchteil der Integrationskosten, wenn die Fusion genehmigt wurde: So hat AOL Time Warner Inc. die direkten Kosten des Zusammenschlusses auf 127 Mill. $ geschätzt. Die Kosten der Integration - einschließlich Stellenabbau - haben sich seit Anfang 2001 auf 377 Mill. $ summiert.

Quelle: HANDELSBLATT.

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