Viertgrößte Werbeagentur legt um 14 % zu
McCann wächst mit neuen Kunden

Die Traditionsagentur McCann-Erickson hat das miserable Werbejahr 2001 überraschend gut überstanden. Trotz eines schlechten konjunkturellen Umfelds setzt Deutschlandchef Helmut Sendlmeier auf Wachstum. Doch von der stürmischen Aufwärtsentwicklung der letzten Jahre ist keine Rede mehr.

DÜSSELDORF. Die Werbeagentur McCann-Erickson hat trotz der Krise in der Marketingbranche weiter zugelegt. Das viertgrößte Agenturnetz in Deutschland steigerte im letzten Jahr seine Einnahme um 14 % auf 104 Mill. ?. Agenturchef Helmut Sendlmeier sagte dem Handelsblatt: "Wir sind von den zehn größten Agenturen in Deutschland eine der am schnellsten wachsende." Im Ausnahmejahr 2000 zuvor lag die Steigerungsrate allerdings noch bei 42 %. Sorgen macht dem Unternehmen jedoch die sinkende Umsatzrendite. Zu den erzielten Gewinnen wollte McCann-Erickson keine Angaben machen.

Die Unternehmen gehen angesichts der schwachen Konjunktur mit ihren Werbegeldern sparsam um. "Die McCann-Erickson-Gruppe Deutschland hat 102 Kunden. Ein Drittel verhält sich offensiv, ein weiteres Drittel bleibt auf gleichem Niveau und ein Drittel zeigt sich verhalten bei Werbeausgaben", sagt Sendlmeier. Für dieses Jahr ist die zum amerikanischen Werbekonzern Interpublic gehörende Agentur daher zurückhaltend. Sendlmeier erwartet: "2002 wird nicht schlechter als letztes Jahr. Die Tendenz zeigt nach oben, ich gehe von plus 10 % aus." Der McCann-Chef spricht derzeit von einem uneinheitlichen Markt. Es gebe auch große Kunden wie Coca-Cola und Nestlé, die ihre Etats erhöhen würden.

Derzeit durchlebt die Reklamebranche nach vielen Jahren des Wachstums einer schwierige Zeit. Die Werbewirtschaft rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum um 1 %. Laut Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft werden sich die Unternehmen ihr gesamtes Marketing in diesem Jahr 32,2 Mrd. ? kosten lassen. Im vergangenen Jahr hatten die Firmen ihre Werbeausgaben um rund 4 % auf 31,9 Mrd. ? zurückgeschraubt.

Die Signale der großen Konzernholdings aus New York machen nicht gerade Mut. Auch BBDO - Deutschland größte Agentur - gibt sich zurückhaltend. Einige Werbefirmen kämpfen sogar ums Überleben. Zuletzt warnte BBDO-Chef Rainer Zimmermann: "Es ist ein ungeheurer Preisdruck im Markt. Viele Agenturen - vor allem der mittleren Größe - kämpfen ums Überleben. Aus Verzweiflung werden dann Dumpingangebote gemacht."

Der Optimismus Sendlmeiers ist dennoch ungebrochen. Der 54-Jährige, der vor zwei Jahren die Führung bei McCann übernommen hat, verweist auf seine Bilanz: "Wir haben letztes Jahr 23 neue Kunden gewonnen." Zu den neuen Kunden zählen Opel und die CDU. Verloren hat die Agentur jedoch nur drei Kunden, darunter die Ost-Brauerei Wernesgrüner.

Keine Neueinstellungen

Stolz ist Sendlmeier auf die Wiedereröffnung des Düsseldorfer Ablegers. Nachdem der Etat von L?Oréal gewonnen wurde, entschied sich die Agentur für eine Filiale am Rhein. Für das kommende Jahr will McCann mit derzeit 720 Mitarbeitern - davon 400 allein in den beiden Agenturen in Frankfurt - eine defensive Strategie fahren. "Wir haben keine Neueinstellungen vorgenommen", so Sendlmeier. Nur Führungspositionen in Berlin, Frankfurt und Düsseldorf wurden neu besetzt.

McCann will sich von der Konkurrenz auch strategisch absetzen, das in der Branche übliche Wachstums durch Zukäufe sei kein Thema. Sendlmeier will aus eigener Kraft wachsen und sieht vor allem in der Pharma-Sparte und beim Markendesign Chancen. Außerdem will er die Verkaufsförderung in Düsseldorf ausbauen und in München ein Büro eröffnen.

Als Vorbild für die Agentur sieht Sendlmeier die Tochter in der Hauptstadt. Dort sind sieben Reklamedisziplinen unter einem Dach vereinigt. In Berlin bereut McCann neben der CDU auch internationale Etats wie Siemens Mobiltelefone, Lufthansa und Schering.

McCann-Erickson existiert seit 1911 und ist seit 1928 auf dem deutschen Markt. Das Netz ist mit 275 Büros in 131 Länder das größte der Welt. Insgesamt betreuen die McCann-Werber weltweit Etats von gut 26 Mrd. $, davon rund 696 Mill. ? (2001) in Deutschland.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%