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Villa Massimo in Rom ist wieder lebendig

Rom (dpa) - Noch vor kurzem wussten nicht mal römische Taxifahrer, wo die Villa Massimo liegt. Dabei handelt es sich immerhin um die renommierteste Einrichtung zur Förderung deutscher Künstler im Ausland.

Rom (dpa) - Noch vor kurzem wussten nicht mal römische Taxifahrer, wo die Villa Massimo liegt. Dabei handelt es sich immerhin um die renommierteste Einrichtung zur Förderung deutscher Künstler im Ausland.

Ausgerechnet zum großen «Jubeljahr» 2000 wurde das Traditionshaus für dreijährige Renovierungen geschlossen; manche konnten darüber nur den Kopf schütteln. Jetzt erstrahlt das Haus in neuem Glanz, zwölf Künstler-Stipendiaten wohnen dort. Vor allem aber lockt die Villa Deutsche und Römer mit einem quicklebendigen und farbigen Kulturprogramm. Und das, eher selten für deutsche Kulturpräsentation im Ausland, mit Stil und Eleganz.

Die Villa Massimo, vor fast 100 Jahren vom Industriellen Eduard Arnhold für Künstleraufenthalte eingerichtet, ist in der Tat ein Juwel: Umrahmt von einem riesigen Park samt Schatten spendender Zypressenallee und antiken Tempelruinen. Antike Vasen begrenzen Kieswege, Sarkophage dienen als Blumenkübel, Marmorkapelle und Granitsäulen markieren Plätze. «So was gibt es sonst nirgends: Luxus pur für denjenigen, der hier arbeiten darf», schwärmt der Stipendiat und Komponist Carsten Hennig (36) aus Dresden.

Jeder Künstler hat ein eigenes, lichtdurchflutetes Studio, ein komfortables Appartement samt eigenen Gärtchen - manche haben Partner und Kinder dabei. «Ein Idyll», meint Hennig. «Der Olymp unter den deutschen Stipendien», begeistert sich auch Martin Schmidt, Installationskünstler aus München. «Man muss aufpassen, dass man nicht meint, man ist im Urlaub.» 2500 Euro im Monat beträgt das Monatssalär, höher als jedes andere deutsche Künstlerstipendium.

In früheren Zeiten gab es mitunter Kritik, die Oase der Ruhe inmitten der brausenden Metropole sei gar nicht förderlich für die Künstler. Sie bekämen von Rom nichts mit, lebten in Isolation. Damit die Stipendiaten nicht gar in Gefahr geraten, sich abzukapseln, werden heute sogar Italienischkenntnisse gefordert. Dagegen bekennt der Komponist Henning ganz offen: «Ich war vorher noch nie in Italien gewesen. Ehrlich gesagt, ich hatte gar kein richtiges Italienbild.» Das Komponieren gehe trotzdem flott voran.

Dafür, dass die Künstler nicht im Abseits stehen, sorgt schon der umtriebige Joachim Blüher, Leiter des Hauses. «Ich möchte, dass ein gewisser Glanz auf die Villa fällt», heißt das Programm des 50- Jährigen. Blüher, zuvor Galerist aus Köln, ist die Zusammenarbeit mit den Großen der Kunstszene gewohnt. Mehrere hat er schon zu Ausstellungen nach Rom geholt. «Soltanto un quadro al massimo» (Höchstens ein Bild in der Massimo) ist einer seiner Ideen, eine Art «Kunst-Duell», so römische Zeitungen, bei der jeweils ein Bild zweier Künstler gegenüber gestellt werden. Unter anderem traten Jörg Immendorff und der Grieche Jannis Kounellis an oder Georg Baselitz und der Italiener Enzo Cucchi.

Doch es bleibt nicht allein beim Kunstgenuss: Es gibt Feste und Tanzabende unter Sternenhimmel. Oder etwa eine Podiumsdiskussion zum Thema der ewigen Vorurteile zwischen Deutschen und Italienern. Letztere stand etwa unter dem ironischen Motto «Warum die Deutschen immer so fröhlich sind, und warum die Italiener immer so gerne nach Deutschland reisen».

Nach dem hitzigen Gespräch präsentierte der deutsche Starkoch Heinz Beck, seit vielen Jahren von italienischen Restaurantführern als «bester Italiener Roms» gefeiert, wie nahe sich beide Völker mitunter sogar kulinarisch stehen: Er kredenzte das italienische Leibgericht pasta e fagioli (Nudeln mit Bohnen) und urdeutschen Linseneintopf mit Kartoffeln. «Selten haben sich Reserviertheit und Vorurteile auf solch schmackhafte Weise verflüchtigt», meint Blüher.

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