Villepin unter Druck
„Wer wollte Sarkozy torpedieren?“

Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin droht, durch seine Verwicklung in der Verleumdungsaffäre "Clearstream" aus dem Amt gefegt zu werden. Doch der Regierungschef selbst übt sich an diesem Tag in "business as usual".

PARIS. Krise? Welche Krise? Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin droht, durch seine Verwicklung in der Verleumdungsaffäre "Clearstream" aus dem Amt gefegt zu werden. Doch der Regierungschef selbst übt sich an diesem Tag in "business as usual". Im viel zu kleinen Presseraum im Amtssitz Hotel Matignon prangt der Schriftzug "für soziales Wachstum" vom tiefblauen Hintergrund. Als Villepin für seine zehnte monatliche Pressekonferenz ans gläserne Rednerpult tritt, spannt er die wartenden Journalisten auf die Folter: "Ich weiß, dass einige von Ihnen wegen eines bestimmten Dossiers hier sind. Wir werden es in der Fragerunde erörtern."

Es folgen Ausführungen zu sinkender Arbeitslosigkeit, Pläne für Mitarbeiterbeteiligung und Neues zum Kampf gegen Krebs. Bei Villepins Erklärungen zum Ölpreis muss selbst Regierungssprecher und Haushaltsminister Jean Copé-François gähnen.

Denn seit bald zwei Wochen beschäftigt die französische Presse nur noch ein Thema: Hat Villepin sich der Geheimdienste bedient, um belastendes Material gegen seinen innerparteilichen Rivalen Nicolas Sarkozy in die Hände zu bekommen? Vor allem Frankreichs führende Tageszeitung "Le Monde" erhebt diesen Vorwurf und stützt sich auf Vernehmungsprotokolle des Geheimdienstgenerals Philippe Rondot.

Demzufolge habe Villepin - damals noch Außenminister - am 9. Januar 2004 den General beauftragt, Kontenlisten beim Börsenabwickler Clearstream zu überprüfen, auf denen auch Namen von Politikern wie der von Sarkozy auftauchten. Doch die Kontenlisten waren Fälschungen. Villepin bestreitet die Vorwürfe vehement.

Seite 1:

„Wer wollte Sarkozy torpedieren?“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%