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Vioxx-Klagewelle gegen Merck & Co erwartet - Rückversicherer zurückhaltend

Im Zusammenhang mit dem weltweiten Vermarktungsstopp des umsatzstarken Arthritis-Medikaments Vioxx des US-Pharmakonzerns Merck & Co erwarten die meisten Fachleute eine gewaltige Prozesslawine. Die finanzielle Dimension einer solchen Klagewelle dürfte allerdings erst im Laufe der kommenden Jahre zu ermessen sein. "Entscheidend für Merck ist nun die Höhe des Versicherungsschutzes", sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dpa-AFX am Mittwoch.

dpa-afx FRANKFURT. Im Zusammenhang mit dem weltweiten Vermarktungsstopp des umsatzstarken Arthritis-Medikaments Vioxx des US-Pharmakonzerns Merck & Co erwarten die meisten Fachleute eine gewaltige Prozesslawine. Die finanzielle Dimension einer solchen Klagewelle dürfte allerdings erst im Laufe der kommenden Jahre zu ermessen sein. "Entscheidend für Merck ist nun die Höhe des Versicherungsschutzes", sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dpa-AFX am Mittwoch.

"Es wäre gut, wenn Merck sich jetzt offensiv dazu äußern würde, wie die Versicherungsmechanismen greifen", erklärte Tüngler. Merck hatte Vioxx weltweit vom Markt genommen wegen des Risikos von Herz- und Schlaganfällen. Nach einem bericht des "Wall Street Journals" vom Mittwoch könnte Vioxx im Zusammenhang mit mehr als 27 000 Herzattacken stehen.

"Merck sollte aus den Fehlern von Bayer bei der Rückrufaktion von Lipobay lernen", rät DSW-Experte Tüngler. Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern sah sich seinerzeit in den USA einer Flut von mehr als 10 000 Klagen gegenüber. Der Dax-Konzern hat bisher 1,1 Mrd. Dollar für Vergleiche mit Patienten aufgewendet und kam nach Einschätzung von Experten noch glimpflich davon.

Vioxx-Verbreitung Spricht FÜR Hohe Zahl AN Klagen

Für eine sehr hohe Zahl an Klagen spricht vor allem die weite Verbreitung von Vioxx. Das Schmerzmittel wurde nach letzten Angaben von Merck & Co. seit der Markteinführung im Jahr 1999 etwa 105 Mill. Mal verschrieben. Seine Schätzungen für die Zahl der Patienten, die Vioxx bisher eingenommen haben, hat der US-Konzern allerdings deutlich reduziert, von zunächst mehr als 80 Mill. auf jetzt etwa 20 Millionen. Auch auf diesem Niveau bleibt Vioxx der mit Abstand umfangreichste Rückruf eines Medikaments in der Geschichte der Pharmabranche.

Bei anderen prominenten Fällen wie der Rücknahme des Cholesterinsenkers Lipobay von Bayer und Phen-Fen des US-Pharmakonzerns Wyeth waren etwa sechs Mill. Patienten betroffen. Merck & Co will sich bei Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal am 21. Oktober zu den Kosten der Rückrufaktion äußern.

Versicherungsgesellschaften Halten Sich Zurück

In der Versicherungswirtschaft hält man sich bislang mit Kommentaren zurück. Die meisten Rückversicherer wollten zu möglichen Schäden im Zusammenhang mit Vioxx vorerst nicht Stellung nehmen. Bei der Hannover Rück hieß es: "Wir haben in den USA ganz wenig Pharmageschäft und deshalb wird der Rückruf nur geringe Auswirkungen haben." Die Münchener Rück und die Swiss Re betonten, dass sie grundsätzlich zu Kundenbeziehungen keine Stellung nähmen. 2002 musste der Schweizer Rückversicherer einen Schaden in der Größenordnung von 300 bis 400 Mill. Schweizer Franken verbuchen für die Haftung von Health-Care-Unternehmen in ähnlich gelagerten Fällen, sagte ein Schweizer Analyst.

Die Vioxx-Problematik kam für die Assekuranz nicht völlig überraschend, nachdem unter Medizinern bereits seit mehr als zwei Jahren über mögliche Herz-Kreislauf-Risiken bei diesem Medikament diskutiert wird. Die Wirkstoffklasse der Coxibe werde daher von den Versicherungen schon seit längerem mit kritischen Augen verfolgt, heißt es in der Branche. Zudem sind bereits seit 2003 zwei Schadensersatz-Verfahren im Zusammenhang mit Vioxx anhängig. Der erste Prozess wird laut Analysten Anfang 2005 erwartet.

Nach Branchenangaben haben die Versicherer in den letzten Jahren bereits generell auf die wachsenden Haftpflicht-Risiken im Pharmabereich reagiert und sowohl ihre Engagements zurückgefahren als auch die Preise erhöht. Der Aufwärtstrend bei den Prämien für die Pharma-Produkthaftpflicht habe sich in den letzten Jahren weiter fortgesetzt.

Erste Sammelklage Wegen Vioxx-Nebenwirkungen Bereits Eingereicht

In den USA ist bereits die erste Sammelklage gegen Merck & Co eingegangen. Die Anwaltskanzleien Federman & Sherwood und Strong sowie Martin & Associates hatten am Donnerstag eine Sammelklage bei einem US-Bundesgericht in Oklahoma-City Klage eingereicht. Darin wird dem Konzern vorgeworfen, Öffentlichkeit und Gesundheitsdienstleister nicht über die Risiken von Vioxx informiert zu haben. Der Konzern hat keine Verbindung zu der deutschen Merck Kgaa .

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