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Vioxx-Rückzug und fehlende neue Produkte belasten US-Pharmawerte

In der amerikanischen Pharmabranche häufen sich nach dem weltweiten Verkaufsstopp für den Kassenschlager Vioxx des US-Konzerns Merck & Co die Hiobsbotschaften.

dpa-afx FRANKFURT. In der amerikanischen Pharmabranche häufen sich nach dem weltweiten Verkaufsstopp für den Kassenschlager Vioxx des US-Konzerns Merck & Co die Hiobsbotschaften. Anhaltender Preis- und Wettbewerbsdruck durch billigere Generika-Konkurrenz und Kostensenkungen im Gesundheitswesen, sowie die Abschwächung beim Nachschub neuer umsatzstarker Medikamente belasten die Branche.

Bei Merck & Co reißt der Rückzug des milliardenschweren Arthritismittels Vioxx große Löcher in die Bilanz. Im laufenden Geschäftsjahr dürften sich die Umsatzeinbußen und die mit dem Verkaufsstopp verbundenen Kosten auf 700 Mill. bis 750 Mill. Dollar summieren. Für 2004 rechnet der Konzern mit einem Ergebnis pro Aktie (EPS) von 2,59 bis 2,64 Dollar. Diese Zahl beinhalte einen Vioxx-Effekt in Höhe von schätzungsweise 0,50 bis 0,55 Dollar. Zuvor hatte der Pharmakonzern ein EPS von 3,11 bis 3,17 Dollar erwartet.

300 Klagen Gegen Merck & CO

Der Pharmakonzern hatte Ende September mit dem so genannten COX-2-Hemmer Vioxx eines seiner wichtigsten Medikamente mit einem weltweiten Umsatz in 2003 von 2,5 Mrd. Dollar zurückgerufen. Der Rückzug ist ein "deutlicher Rückschlag" für Merck, sagte Analyst James Kelly von Goldman Sachs. Dadurch würden Fragen zum Vioxx-Nachfolgeprodukt Arcoxia aufgeworfen, dessen US-Zulassung Mitte November erwartet wird.

Grund für den Vermarktungsstopp war eine Studie, in der eine Verdoppelung von Herzattacken und Schlaganfällen bei einer Medikamenteneinnahme von mehr als 18 Monaten nachgewiesen wurde. Nun rechnen Branchenbeobachter mit einer Klagewelle gegen den Pharmariesen. 300 Klagen seien bereits eingegangen, hatte Merck & Co diese Woche mitgeteilt. Merck bezifferte die Produkthaftungs-Versicherungshöhe für Vioxx auf rund 630 Mill. Dollar.

Branchenprimus Pfizer Warnt VOR Abschwächung DES Wachstums 2005

Auch der Branchenprimus Pfizer musste vor einer Abschwächung des Umsatz- und Ergebniswachstums im kommenden Jahr warnen. Der Markt sei von anhaltendem Preis- und Wettbewerbsdruck sowie von der Konkurrenz durch Generikahersteller gekennzeichnet. Hinzu kämen ein sich verschlechterndes politisches und regulatorisches Umfeld. Für eine Prognose zur Geschäftsentwicklung 2005 sei es noch zu früh, sagte Pfizer-Chef Hank Mckinnell. Die Medikamente, deren Patente dann ausliefen, seien das Pilz-Medikament Diflucan, das Epilepsie-Mittel Neurontin, das Antibiotikum Zithromax und das Bluthochdruck-Medikament Accupril. Für 2004 geht der Pharmakonzern weiter von einem Ergebnis vor Sonderposten von 2,12 bis 2,14 Dollar aus.

Der US-Pharmakonzern Schering-Plough Corp. hat zwar im dritten Quartal unerwartet einen Gewinn ausgewiesen, aber nach Ansicht von Analysten seine Ertragskrise noch nicht überwunden. Der Überschuss belief sich auf 14 Mill. Dollar nach einem Fehlbetrag von 265 Mill. Dollar im Vorjahr. Der Umsatz sank um 1 Prozent auf zwei Mrd. Dollar. Schering-Plough machte hierfür den Umsatzrückgang bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten verantwortlich sowie die Konkurrenz von billigeren Nachahmerprodukten.

Konkurrent Eli Lilly hat den Abbau von 1 000 Arbeitsplätzen beschlossen, um die Produktivität zu erhöhen. Die zusätzliche Restrukturierung hängt hauptsächlich mit der schwachen Umsatzentwicklung des Anti-Depressivums Zyprexa zusammen. Dessen Umsatz war im Berichtszeitraum um neun Prozent auf 1,02 Mrd. Dollar gesunken.

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