Virgin Express und British Airways planen Übernahme
Britische Airlines wollen Sabena aufteilen

Die Fluggesellschaften Virgin Express und British Airways wollen die vor der Pleite stehende belgische Sabena unter sich aufteilen. Der von Richard Branson kontrollierte Billig-Flieger Virgin Express hat sowohl der belgischen Regierung als auch dem Sabena-Management ein Angebot für die Übernahme aller Kurzstreckenflüge gemacht.

and/tom LONDON/BRÜSSEL. British Airways (BA) hat Interesse an den Langstrecken-Verbindungen bekundet. Die belgische Fluglinie ist zu 50,5 % in Staatsbesitz, 49,5 % hält die in Bankrott gegangene Swissair.

Zwischen London und Brüssel hat seit zwei Wochen eine heftige Reisediplomatie statt gefunden. Zuletzt war Virgin-Chef Branson am Montag zu Gesprächen mit dem zuständigen Minister Rik Daems in Brüssel, wie eine unternehmensnahe Quelle dem Handelsblatt in London bestätigte. "Wir sind sehr zuversichtlich über die Zukunft", so die Auskunft zum Stand der Verhandlungen.

BA-Chef Rod Eddington war schon vergangene Woche in Brüssel zu Verhandlungen, bestätigte gestern eine Konzernsprecherin. "Natürlich haben wir Interesse an der Konsolidierung in der Branche, wenn gleich wir nicht nach einem neuen Investment schauen", lautet die Marschroute.

Sowohl British Airways also auch die Branson-Gruppe sind von den Auswirkungen der jüngsten Luftfahrtkrise stark betroffen. In Großbritannien sind BA und Virgin Atlantic die Hauptanbieter für Flüge in die USA. Beide Airlines setzen auf Business-Kunden und spüren den Einbruch beim Transatlantik-Geschäft besonders.

Virgin Atlantic hat zwar nichts direkt mit dem in Brüssel ansässigen Billiganbieter Virgin Express zu tun, doch an beiden Unternehmen ist Firmengründer Branson Hauptanteilseigner. Virgin Express wiederum ist durch ein Code-Sharing-Abkommen mit dem Schicksal von Sabena verbunden. Der Flieger, der im vergangenen Quartal erstmals in die Gewinnzone geflogen ist, teilt sich mit Sabena Strecken, etwa nach London, Rom oder Barcelona. Dieses lukrative Geschäft macht rund 35 % des Umsatzes von Virgin Express aus, bei einem Ende der belgischen Linie würde Branson?s Gesellschaft auf einen Schlag Probleme haben. Und die Übernahme der Sabena-Kunden dürfte für Virgin Express bei der harten Konkurrenz am Himmel schwer werden.

Zudem muss Branson den Einstieg einer anderen Fluggesellschaft und damit neue Konkurrenz fürchten. "In Brüssel gibt es keinen Platz für zwei Billig-Flieger", räumt selbst ein Top-Manager von Virgin ein. Das Unternehmen tritt darum die Flucht nach vorne an. Trotz angespannter Finanzlage hat Branson der belgischen Regierung angeboten, bis zu 20 Mill. $ in die neue Airline zu stecken. Und noch eine Konzession würde der Virgin-Macher an die Belgier machen: Der fusionierte Kurzstrecken-Flieger müsse nicht unbedingt Virgin im Namen tragen.

Die angepeilte schnelle Übernahme noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft ist denkbar. Am 15. November läuft der Gläubigerschutz für Sabena aus, und er dürfte kaum verlängert werden. Da Firmenchef Christoph Müller bislang auch keinen Rettungsplan für die Staatslinie präsentieren konnte, hat die "britische Lösung" mit Virgin Express und British Airways für die Sabena-Eigner durchaus Charme.

Allerdings sorgt noch einiger Streit im Sabena-Management für Unklarheit. Konzernchef Müller soll einer Lösung unter Beteiligung der Lufthansa nicht abgeneigt sein, heißt es in Brüssel. Sabena würde so zum Zuträger für das Drehkreuz Frankfurt. Zudem soll auch Air France an Sabena-Strecken Interesse haben, insbesondere nach Afrika.

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