Virtuell vernetzt
Kommt jetzt der VPN-Boom?

In Zeiten knapper Kassen sind Outsourcing und Telearbeit für viele Firmen ein spannendes Thema. Festnetzcarrier und Service-Provider haben diese Entwicklung erkannt und bieten vergleichsweise kostengünstige Lösungen für die externe Vernetzung an.

Weder der Mobilfunk noch das klassische Festnetzgeschäft macht den Telefongesellschaften derzeit so richtig Freude. Deshalb kommt es den Betreibern gerade recht, dass immer mehr Unternehmen ganze Filialbetriebe oder outgesourcte Einzel-Mitarbeiter an ihr zentrales Netzwerk anbinden wollen. Das ist grundsätzlich zwar schon seit Jahren möglich, doch früher waren dabei die beiden wenig verlockenden Alternativen eine extrem kostspielige Standleitung oder eine extrem gemächliche und zudem unsichere Anbindung über das Internet. Der jetzt in großem Stil angepriesene Kompromiss heißt Multi Protocol Label Switching VPN, was - zum Leidwesen der Anbieter - erklärungsbedürftig ist.

Grundsätzlich gibt es drei Varianten virtueller, privater Netze, unter denen Firmenkunden wählen können: Die erste Möglichkeit ist eine Anbindung über das öffentliche Internet (IP-Tunneling VPN). Option Nummer zwei ist ein VPN auf Basis einer Standleitung (Leased Line). Die dritte, jetzt vielfach propagierte Version ist die Verbindung über das private IP-Netz eines Carriers einschließlich besonderer Sicherheits- Mechanismen. Bei einem VPN über das öffentliche Internet sind die Einwahlkosten günstig, die Qualität und die Sicherheit der Datenübertragung kann jedoch niemand garantieren.

Eine solche Art der Vernetzung ist deshalb nur dann akzeptabel, wenn sporadisch wenig sensible Daten ausgetauscht werden müssen. Wer hingegen höchste Sicherheitsstandards benötigt und darüber hinaus absolut darauf vertrauen muss, dass die Leitung rund um die Uhr in gleicher Qualität verfügbar ist, muss weiterhin tief in die Tasche greifen und eine Standleitung anmieten. In diesem Fall ist für den Anwender eine Leitung reserviert, andere Nutzer oder gar Hacker bleiben garantiert außen vor. Vielfach ist dieser Luxus jedoch übertrieben.

Ein VPN über das eigene IP-Netz eines privaten Anbieters bietet deshalb einen Kompromiss. Verfügbarkeit, Bandbreite und Laufzeiten werden vorab definiert. Eine zentrale Firewall schützt vor externen Angriffen. Vorteile: Die Daten werden sicher verschickt, die Flexibilität leidet nicht und - last but not least - die Kosten bleiben im Rahmen. Nützlicher Nebeneffekt für die Netzbetreiber: Die kostspieligen, eigenen Backbones sind besser ausgelastet, und es kommt Geld in die Kasse.

Ein Blick auf aktuelle Marktzahlen unterstreicht das: Von den rund 75 000 deutschen Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten nutzen heute bereits 20 Prozent VPN für die unternehmensinterne Datenkommunikation oder planen konkret den Aufbau. Noch erfreulicher: Die Nachfrage steigt um rund 50 Prozent pro Jahr. Da wundert es nicht, dass sich fast alle verbliebenen TK-Anbieter auf dem neuen Markt tummeln: Arcor, die Deutsche Telekom (T-Systems), BT Ignite, Colt, Worldcom und noch dazu zahlreiche Regiocarrier und netzunabhängige Provider wie die Düsseldorfer Ecotel ringen um die Kundengunst. Die Vodafone-Tochter Arcor hat dabei besonderen Grund zur Freude: "Im letzten Jahr sind wir mehr als doppelt so stark gewachsen als der Markt", freut sich ein Firmensprecher.

Die konkrete Zahl der abgesetzten VPN-Lösungen ist bei den Eschbornern trotzdem gering: Im Durchschnitt realisiert der Carrier alle 14 Tage ein VPN-Projekt. Was bescheiden anmutet, ist trotzdem lukrativ, denn hauptsächlich handelt es sich dabei um Großkundenaufträge wie kürzlich beim Versicherungskonzern "Alte Leipziger". Um vermehrt kleine und mittelständische Unternehmen für ihr Angebot zu gewinnen, wollen die Eschborner jetzt allerdings Systemhäuser als Kooperationspartner gewinnen, denn die Fülle der in Frage kommenden Kleinkunden kann das Unternehmen nicht ausschließlich direkt betreuen.

Auch Dr. Wolfgang Essig, Chef von BT Ignite Deutschland, ist beim Thema VPN gut aufgelegt: "Wir konnten unseren Marktanteil deutlich ausbauen." Der Markt wächst immer stärker und verändert sich dabei nicht nur durch Neukunden, sondern auch durch wechselwillige Inhaber, die bislang über teure Standleitungen verfügen. "Zahlreiche Kunden machen sich Gedanken darüber, von ?traditionellen? VPN-Lösungen auf IP-basierte VPN zu migrieren", erläutert Essig.

Quelle: Handelsblatt

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