Virtuelle Einkaufsgemeinschaften im Internet
Konsumenten bündeln ihre Einkaufsmacht

Konsumenten bündeln ihre Einkaufsmacht und drücken die Preise. Verstöße gegen das Rabattgesetz und schwache Umsätze stören die Anbieter der Dienstleistung wenig. Riesige Werbekampagnen sollen den Durchbruch bringen.

"Wir wollen die größte Einkaufsgemeinschaft der Welt werden", sagt Rolf Hansen, Geschäftsführer der Letsbuyit.com GmbH in München. Für ihn ist "Powershopping" die Handelsform der Zukunft: Verbraucher schließen sich im Internet zusammen und handeln für Fernseher, Kinderwagen und Kaffeemaschinen Großkundenrabatte aus. Je mehr Interessenten, desto billiger die Ware.

Ein halbes Dutzend Powershopping-Anbieter tummelt sich mittlerweile auf dem Deutschen Markt, hinter fast allen stehen große Handelskonzerne oder Medienhäuser. Bei RTL-Primus-Power (www.powershopping.de) engagieren sich der gleichnamige Fernsehsender und die Metro Holding, der deutsche Ableger der schwedischen Letsbuyit.com (www.letsbuyit.de) kooperiert mit der Pro Media AG-Sieben und die Atrada AG (www.atrada.de) hat T-Online als strategischen Partner gefunden.

Dabei stört es die Branche wenig, dass sie in einer rechtlichen Grauzone agiert und mit dem Rabattgesetz und dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) in Konflikt gekommen ist. "Wir vermitteln nur Interessenten der Ware an die Händler." Kaufwillige könnten sich melden, der Händler der Ware unterbreite danach das eigentliche Verkaufsangebot.

Auch Letsbuyit.com glaubt sich auf der sicheren Seite: Bislang habe noch niemand gegen das Unternehmen geklagt, versichert Hansen. Die Industrie klagt gegen Kampfpreise Tatsächlich wartet die Branche auf ein Grundsatzurteil. Sony und Philips hatten gegen die Primus-Power geklagt, weil die Metro-Tochter zum Beispiel einen Fernseher unter dem Einkaufspreis angeboten hatte. Gerichte in Hamburg und Köln gaben den Elektrokonzernen Recht: Powershopping stehe nicht im Einklang mit dem UWG und dem Rabattgesetz.

"Wir verstoßen nicht gegen das Rabattgesetz, jeder Kunde erhält bei uns den gleichen Preis", sagt Frank Bohmann, Aufsichtsrat bei Primus Power. Das Unternehmen strebt seit Dezember ein Grundsatzurteil beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe an. "Ein Urteil gibt es frühestens in drei Jahren", schätzt Bohmann.

Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) begrüßt grundsätzlich Powershopping als neue Handelsform. "Wir sehen nur die Gefahr, dass die Beratungsleistung des stationären Handels ohne Gegenleistung ausgenutzt wird", betont Stefan Schneider, stellvertretender Hauptgeschäftführer beim HDE.

Größere Sorge müssen sich die Anteilseigner der Co-Shoppingunternehmen um die Rentabilität ihrer Beteiligungen machen. Zwar verweist Letsbuyit.com auf über 100 000 registrierte Kunden in Deutschland, gekauft hat bislang aber erst jeder vierte.

Bei Primus wurden 1999 gerade einmal 3 Mill. DM umgesetzt. Der Durchschnittskauf liegt bei 300 DM, Primus und Letsbuyit.com werben zudem mit kostenfreiem Lieferservice. Branchenkenner schätzen, dass weniger als 20 % der angebotene Ware wirklich einen Käufer findet.

Die Branche steht vor einer Werbeschlacht "Powershopping ist gut für die Verbraucher, für die Anleger aber riskant", urteilt Fondsmanager Andre Köttner von der Frankfurter Union Investment. "Im Einzelhandel sind die Margen gering, die neuen Anbieter müssen erst noch beweisen, dass sie Geld verdienen können." Um die Umsätze anzukurbeln, vergrößern die Internethändler ständig ihr Angebot. Anfangs waren PCs und Unterhaltungselektronik die Renner. Jetzt suchen auch Gartenmöbel, Kinderspielzeug und Kosmetika ihre Käufer. 120 verschiedene Artikel bietet Primus an, bei Atrada kann der Kunde unter 1 000 Produkten auswählen. Bei Letsbuyit.com sollen demnächst virtuelle Weinlager, Versicherungen und Investmentfonds die Schnäppchenjäger anlocken.

"Langfristig wird nur Erfolg haben, wer es schafft, einen Markennamen zu etablieren", prognostiziert E-Commerce-Spezialist Köttner. Die Kosten zum Aufbau des Marktes seien enorm. Primus verzichtet dieses Jahr zwar auf Printkampagnen, will aber für 8 Mill. DM Spots im Internet und im Fernsehen schalten. Das könnte allerdings etwas zu eng kalkuliert sein: Konkurrent Letsbuyit.com plant einen europaweiten Werbefeldzug für mehr als 100 Mill. DM.

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