„Virtuelle Kreditfabrik“ soll Effizienz steigern
Sparkassen forcieren ihr Engagement im Mittelstand

Die Sparkassen wollen mehr Geschäft mit dem Mittelstand machen. Vor allem bei Fusionen und Übernahmen wollen sie anders als bisher ihre Kompetenz herausstellen.

BERLIN. "Das Geschäft mit dem Mittelstand kann sich für Sparkassen lohnen", sagt der geschäftsführende Vorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Thomas Mang, dem Handelsblatt. Pauschale Behauptungen wie die vom Mittelstand als Geldvernichtungsmaschine der Banken, hält Mang für eine Mär. Gleichwohl arbeitet die Sparkassenorganisation an Projekten um die Mittelstandsfinanzierung effizienter zu gestalten: Beispiel Kreditabwicklung. Hier setzt der DSGV weniger auf die Installation einer zentralen Kreditfabrik auf der grünen Wiese für alle deutschen Geldinstitute, wie sie jüngst KfW-Chef Hans W. Reich vorgeschlagen hat, oder die Schaffung einiger kleinerer Kreditfabriken, wie sie beispielsweise einige Großsparkassen oder der Ostdeutsche Sparkassen- und Giroverband (OSGV) planen.

Stattdessen laute die mögliche Alternative: "virtuelle Kreditfabrik". Ziel sei es, die Kreditabwicklung der Sparkassen so zu standardisieren, "dass ein Großteil davon in die drei Rechenzentren des Verbundes verlagert werden kann". So könnten die Kosten für die Kreditbearbeitung halbiert und die Spielräume der Sparkassen bei der Kreditvergabe erweitert werden, erwartet Mang. Diese machen knapp ein Drittel der Kreditkosten der Institute aus. "Dann werden wir sehen, ob sich eine Auslagerung in eine Kreditfabrik wirklich lohnt", so Mang. Die "virtuelle Kreditfabrik" habe für die Sparkassen den Charme, dass die Prozesse effektiver gestaltet würden, ohne die Wertschöpfung aus den Instituten herauszubrechen.

Skeptisch sieht indessen Jürgen Moormann, Professor an der Hochschule für Bankwirtschaft (HfB) in Frankfurt, diesen Ansatz. "Virtuelle Fabriken sind sicher eine interessante Idee; die Umsetzbarkeit in einer sehr agilen, aber auch von vielen unterschiedlichen Interessen durchzogenen Großorganisation erscheint jedoch zweifelhaft." Als erfolgversprechender betrachtet Moormann die konsequente Auslagerung an real existierende Kreditfabriken. Beispiele gibt es bereits, wie etwa das genossenschaftliche VR-Kreditwerk für Hypothekenkredite. Damit könnten sich die Sparkassen auf den Teil der Wertschöpfungskette konzentrieren, in dem sie ihre wirklichen Stärken haben - den Vertrieb.

Zudem wollen die Sparkassen künftig verhindern, dass sich ihre Mittelstandskunden meist bei den Konkurrenten umschauen, wenn es um das M&A-Geschäft geht. "Die meisten Sparkassen werden bisher kaum von ihren mittelständischen Kunden gefragt, wenn es um Börsengänge, Übernahmen oder Expanision ins Ausland geht", diagnostiziert Mang. "Viele Sparkassen sind hier passiv, wir wollen sie aktivieren." Deshalb hat der Verband ein Pilotprojekt Corporate Finance mit der Bildung regionaler Netzwerke bei einem Dutzend Sparkassen angestoßen. Künftig soll jede Sparkasse im Handumdrehen jedem Mittelständler ein kompetentes Beraterteam zur Verfügung stellen.

Die kritische Größe für M&A-Engagements sieht Mang bei einer Größenordnung von zehn Mill. Euro - ein für Investmentbanken "uninteressantes Volumen". Allerdings hält der DSGV-Vorstand Kapitalmarktfinanzierungen nur für fünf Prozent der mittelständischen Sparkassenkundschaft für wirklich interessant. "Schließlich rechnet sich eine Kapitalmarktfinanzierung gegenüber einem klassischen Bankkredit erst ab einem Volumen von 50 Mill. Euro."

Neue Spielräume in der Mittelstandsfinanzierung eröffnen sich den Sparkassen infolge von Basel II, da mit den neuen Eigenkapitalrichtlinien alle Sparkassen über ein einheitliches Ratingsystem verfügen werden. "Dies ist die Voraussetzung für die Sparkassen, gemeinsame Kreditkörbe anzulegen und so ihr Klumpenrisiko deutlich zu minimieren", sagt Mang.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%