Virtuelle Poststelle erhöht die Sicherheit
Firmen unterzeichnen mit eigener Signatur

Die Verschlüsselung von E-Mails ist immer noch zu umständlich. Daher werden auch in Unternehmen nur etwa fünf Prozent aller elektronischen Post verschlüsselt. Das könnte sich bald bessern. Firmen erhalten künftig eine eigene Signatur, und die Post der Mitarbeiter wird automatisch im Firmennetz verschlüsselt.

DÜSSELDORF. Vielen Firmen ist die Ausstattung einzelner Arbeitsplätze mit Verschlüsselungsprogrammen für die E-Mail zu aufwendig. Zwar steht seit Jahren das Thema E-Mail-Sicherheit auf der Aufgabenliste vieler Unternehmen ganz oben, doch bis auf wenige nicht miteinander kompatible Verschlüsselungsstandards wie S/MIME oder PGP gibt es bislang kaum unternehmensweite und umfassende Lösungen. Die Folge: In der Regel kommunizieren Unternehmen untereinander über unsichere Kanäle.

Auch die elektronische Signatur kommt in den Unternehmen nicht recht weiter. Auch sie gilt als zu kompliziert. Bislang muss sich jeder Mitarbeiter eine eigene Signatur besorgen. Das will das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nun ändern. Die Sicherheitsexperten haben vorgeschlagen, dass anstelle der einzelnen Mitarbeiter das jeweilige Unternehmen eine eigene Identifikationsnummer erhält. Mit dieser können sich dann alle Mitarbeiter der Firma im E-Mail-Verkehr eindeutig ausweisen.

Eine Signatur für alle - in der Firma

Das Bundesarbeitsministerium will die ID-Nummer für Unternehmen und Bürger, die wirtschaftlich tätig sind, bis Januar 2005 einführen und eine Reihe bisher genutzter Signaturen ersetzen. Das Konzept der "virtuellen Poststelle" ist als Teil des E-Government-Programms ausgeschrieben. Deutschland zieht mit der Initiative der allgemeinen europäischen Entwicklung nach, wie die für die EU-Kommission erstellte Studie "The electronic identification of citizens and organisations in the European Union: State of Affairs" zeigt.

Noch muss das BSI-Konzept für die virtuelle Poststelle erarbeitet werden, eine Ausschreibung folgt demnächst. Schon jetzt ist klar: Datenschutz und IT-Sicherheit beziehen sich künftig nicht mehr auf den einzelnen Mitarbeiter, sondern auf das gesamte Unternehmen. Datenschutzexperte Johann Bizer, Jurist an der Universität Frankfurt, begrüßt die Poststellen-Lösung: "Für den Einsatz qualifizierter Signaturen scheint mir die Poststellenlösung vor allem unter Kostengesichtspunkt eine sinnvolle Lösung zu sein."

Anders als bei der herkömmlichen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung brauchen die Nutzer bei der virtuellen Poststelle weder Schulung noch zusätzliche Anwendungen oder Geräte wie einen Kartenleser am Arbeitsplatz. Sie sehen die E-Mails immer im Klartext, da die Entschlüsselung automatisch abläuft. Beim Versenden werden die E-Mails ebenfalls automatisch verschlüsselt, wenn ein Schlüsselzertifikat vorliegt. Da E-Mails mit Firmenzertifikaten verschlüsselt und signiert werden, entfällt der Verwaltungsaufwand für die Nutzerzertifikate. Die Firma kann außerdem die ein- und ausgehende elektronische Post zentral auf Viren und Inhalt prüfen. Ein weiterer Vorteil: Mit der neuen Lösung lassen sich künftig Vertretungs- und Sekretariatsregelungen einfacher finden.

Softwarehersteller bieten erste Lösungen

Technische Lösungen für das virtuelle Postamt gibt es bereits von T-Systems, Cryptovision und neuerdings von einer "SecurE-Mail-Alliance" unter Führung des Sicherheitsspezialisten Utimaco. Das Unternehmen will gemeinsam mit Siemens I&S, der Bechtle AG und weiteren sechs Unternehmen eine umfassende Komplettlösung bieten: Sie kombiniert standardisierte Client- und Serverlösungen für die Verschlüsselung mit dem Signieren von E-Mails. Die E-Mail der Mitarbeiter wird - wie in dem Konzept der virtuellen Poststelle vorgeschlagen - direkt im Netz ver- und entschlüsselt.

Im Mittelpunkt des Konzepts steht ein von Utimaco Safeware entwickeltes E-Mail-Gateway, in dem die eingehenden und ausgehenden Briefe automatisch ver- und entschlüsselt werden und wenn gewünscht eine digitale Signatur angehängt bzw. geprüft werden kann. Verwendet werden Standardverschlüsselungen und spezielle Codes, die von den Kunden hinterlegt werden können. Mit einer solchen Lösung kann der E-Mail-Verkehr im Unternehmen recht schnell auf einen höheren Sicherheitsstandard gehoben werden.

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