Virtuelle Rabattpunkte sammen ist anstrengend
Kaufhaus-Kundenkarten und das Internet

Sammeln Sie auch Punkte? So wie damals Rabattmarken bei Kaisers Kaffee. Nur jetzt mit einer Plastikkarte und Internet. Wo auch immer - mit Payback bei Kaufhof oder bei Karstadt mit der blau-roten Karstadt-Karte?

HB DÜSSELDORF. Viele schöne Punkte sollen am Ende ein Geschenk bringen. Doch der Sammeltrieb und die Vorfreude auf ein Geschenk erfordern Leidensfähigkeit, die Prämie will hart erarbeitet sein. Doch wie einfach war es früher - im Gegensatz zu heute, dem Internetzeitalter. Da gab es beim Bezahlen Märkchen, diese wurden eingeklebt bis das Sammel-Heft voll war und für das volle Heft gab es von der Kassiererin im Supermarkt drei Mark auf die Hand. Heute wird mir für meine Kundetreue versprochen, ich könne im Handumdrehen alles übers Internet selbst regeln: Meine Punkte nachsehen, meine Prämie abfordern und überhaupt.

Doch alles weit gefehlt - nichts ist so unkompliziert, wie es die Werbung weismachen will: Schon die erste Hürde ist hoch für den, der seine Geheimnummer nicht sofort zücken kann - für mich ist es schätzungsweise die 20. Nummerfolge von irgendeinem Unternehmen, das mich ohne eine Nummer schon nicht mehr bedient. Die brauche ich nämlich, um nachsehen zu können, wie viele Punkte ich schon gehamstert habe. Sprich: Ich muss alle Unterlagen samt dem Papier mit dem Code gut verwahrt haben, akribisch. Eine Aufräumaktion auf dem Schreibtisch kann da schon das frühe Ende meiner Payback-Freundschaft bedeuten. Landete versehentlich die Nummer im Papierkorb, sind großartige Aktionen nötig.

Doch das ist nicht die einzige Hürde. Bei Karstadt zum Beispiel - wo man erst kürzlich zum Großangriff auf die Konkurrenzkarte von Kaufhof blies - will mir kein Kassierer Punkte gutschreiben, wenn ich die Rechnung mit Kreditkarte zahle. Nur cash oder Ec-Karte, heißt es dann immer unwirsch. So als ob die kaufkräftigen Kunden stets stapelweise Banknoten mit sich herumtragen, weil sie schon vor dem Einkauf genau wissen, wieviel Geld sie brauchen werden. Oder dass diese wenigstens ihr Girokonto - ohne Guthabens-Zinsen - dennoch immer gut gefüllt lassen. Jedenfalls: Punkte rausrücken trotz Kreditkarte, da werden die Essener kniepig. Ob sie mit dieser Haltung den Großangriff schaffen? Wohl kaum.

Vergesse ich übrigens mal meine Karte zu Hause, wird mir das, was ich verpasst habe, bei Kaufhof jetzt extra unter die Nase gerieben: Auf jedem Quittungsstreifen wird unten drauf ausgedruckt, wie viele Punkte ich für diesen Einkauf nun bekommen hätte - hätte ich die Karte nur eingesetzt.

Doch die größte Enttäuschung bereitete mir Payback erst jetzt, nachdem ich seit eineinhalb Jahren einer der ersten Kartenbesitzer bin: Ich sammle schon seit es Payback gibt brav Punkte - schließlich wollte ich unbedingt die angebotene Moulinex-Friteuse ersparen. Nun habe ich die nötige Punktezahl so ungefähr zusammen, wollte kurz den letzten Check machen und mein Präsent abrufen - und bin bitter enttäuscht. Es gibt keine Friteusen mehr, nur Edelstahltöpfe, Fruchtpressen oder Mixer. Meine Motivation ist dahin, zurück bleibt der frustrierte Kunde.

Kein Wunder, dass meine Kolleginnen von all diesen Kundenkarten nichts wissen wollen. Von Anfang an. Es ist ihnen einfach zu anstrengend.

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