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Virtuelle Reise durch die Welt der Fonds

Wenn es um die Informationssuche und-aufbereitung geht, kann das Internet seine ganze Stärke demonstrieren. Für die Welt der Anlagefonds gilt dies in besonderem Maße, da der Anleger hier börsentäglich mit immer neuen Angeboten konfrontiert wird. Da ist Orientierung gefragt, und die Fondsgesellschaften haben sich darauf mittlerweile recht gut eingestellt.

Wer noch vollkommen ahnungslos ist, kann sich im Netz einen ersten Einblick verschaffen. Erfahrene Fondsanleger wissen, dass sie hier zeitnah die Preis- und Performanceentwicklung präsentiert bekommen und in Ruhe neue Produkte studieren können.

Deshalb verwundert es kaum, dass die Besucherzahlen auf den Web-Seiten nur eine Richtung kennen: steil nach oben. Der zur Dresdner Bank zählende Deutsche Investment-Trust (DIT) etwa erhält nach Auskunft von Internet-Fachmann Ralf Seidensticker pro Monat zirka 500 000 Visits, bei der Allianz-Vermögen sind es ebenfalls gut eine halbe Million, und auch die übrigen Schwergewichte der Branche weisen ähnliche Zahlen auf. Im Mittelfeld sollten vielleicht 100 000 Besucher die Regel sein. Insgesamt bringen es so die rund 60 ernst zu nehmenden deutschen Internet-Präsentationen auf mehrere Millionen Visits im Monat.

Dabei gehen die Suchenden immer zielgerichteter vor. Die Finanz-Surfer seien "an Facts und nicht an bunten Bildchen interessiert", wie Wolfgang Buckler aus dem Bereich Communications Services bei der Union-Investment zu berichten weiß. Dass die Online-Kunden fordernd sind, spürt auch die Allianz, die täglich rund 70 bis 80 Anfragen in ihrem E-Mail-Briefkasten zu Fondsthemen vorfindet. Und auch hier sei eine "steigende Tendenz" zu registrieren, teilt Alfred Wettach mit, der die deutschen Internet-Aktivitäten der Allianz verantwortet.



Präsentation gut im Griff

Gut im Griff haben die Fondsgesellschaften in der Regel die Präsentation ihrer Fonds. Auf Doppelklick erhält der Interessent meist Daten zum jeweiligen Fondsvolumen, Ausgabeaufschlag und Verwaltungsvergütung sowie zur Wertentwicklung und noch einer ganzen Fülle anderer Merkmale. Für die Anhänger grafischer Darstellungen wird die Performance der zurückliegenden Jahre präsentiert und die Anlagestruktur anhand von Diagrammen veranschaulicht. Lediglich die Einteilung in Risikoklassen hat sich noch nicht überall durchgesetzt, obwohl gerade dies für Anleger hilfreich ist. Ebenfalls Mangelware sind Performancemessungen an einer Benchmark. Eine Auswahl der Web-Angebote zeigen die unten stehenden Kästen. Allerdings sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass die Internet-Sites nichts über die Qualität des (realen) Fondsmanagements aussagen.

Stark frequentiert werden die Preisseiten für die Fondsanteile. Zum Standardrepertoire gehören die Wertpapierkennnummern, Ausgabe- und Rücknahmepreise sowie die Zwischengewinne. Im Normalfall werden die Daten täglich zwischen 16 und 18 Uhr aktualisiert.



Beim Kauf hört die Servicebereitschaft auf

Wenn es um den direkten Kauf von Anteilen der Fondsgesellschaften geht, hört die Servicebereitschaft für Anleger aber in der Regel auf. Gerade einmal rund zehn Prozent der Anbieter machen sich die Mühe, interaktive Werkzeuge für einen Erwerb ohne Umwege ins Netz zu legen. Der Hauptgrund hierfür ist in der Branche ein offenes Geheimnis. Die stationären Verkaufswege und die mächtigen Strukturvertriebe schießen Sperrfeuer. Deshalb wird der Kunde zwar auf der so genannten Presales-Ebene mit allem Notwendigen versorgt, wenn er dann aber zugreifen will, muss er auf seinen Berater in der Filiale, den Fondsshop oder die Direktbank bauen. Das ist übertragen auf die Sportwelt ungefähr so, als würde man beim Fußball den Durchmarsch bis zur Torlinie zulassen, dann aber fordern, den Ball ins Aus zu schlagen.

Zu den wenigen Gesellschaften, die einen Kauf, Verkauf oder Tausch von Fondsanteilen online anbieten, gehören die Allianz Vermögens-Management, der DIT sowie Fidelity und Flemings.

Üblicherweise muss ein Neukunde erst einmal ein Konto eröffnen, wobei die Unterlagen nach dem Download aus dem virtuellen Formularcenter auf dem Postweg verschickt werden müssen. Solange es keine neuen Verfahren (elektronischer Fingerabdruck oder Smartcard-Leser) gibt, ist diese Papierarbeit notwendig, um die Identität des Antragstellers zu prüfen. Auf diese Weise sollen etwa Geldwäsche-Transaktionen verhindert werden. Nach der Anmeldung kann der Anleger dann mit Passwort/Mitgliedsnummer und PIN-Verfahren agieren, wobei ihn die üblichen Verschlüsselungen schützen sollen.

Die wenigen Fonds-Pioniere, die einen Kauf ohne Umwege zulassen, sind recht erfolgreich. "Das Internet sehen wir als zukunftsorientierten Vertriebskanal", erklärt etwa Alexander Judkins, Associate Director für das Direktkundengeschäft bei Fidelity in Deutschland. Bei einer gesamten Kundenzahl von 140 000 würden schon rund 10 000 Konten mit dem "WebXPress" online geführt. Um den Anleger nun richtig in Kaufstimmung zu bringen, müssten aber auch noch - etwa im Vergleich zu den Direktbanken - attraktive Konditionen her. Und hier hapert es gewaltig. Dabei sei es nur logisch, dass der Kunde für die "Arbeit im Internet", die ihm ja Such- und Abwicklungskosten verursacht, auch belohnt wird, sagt Dr. Holger Kern, Mitglied der Geschäftsleitung beim Beratungsunternehmen Roland Berger & Partner.

Momentan sind die virtuellen Schaufenster der Branche also in erster Linie ein "sehr interessantes Informationsmedium", wie Andreas Fink, Pressesprecher des Bundesverbandes Deutscher Investment-Gesellschaften (www.bvi.de) erklärt.

Aber nahezu alle Anbieter sagen auch, dass sie an einer Überarbeitung ihrer Web-Auftritte arbeiten, wobei das "Millenniumfieber" für zusätzlichen Zeitdruck sorgt. Im Jahr 2000 sollen bei vielen Fondsgesellschaften interaktive Tools und auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Internet-Seiten die Anleger locken. Die Marketingexpertin einer der großen Anlagegesellschaften weiß: "Am Thema Direktkauf sind doch alle dran."

Wie eine zukünftige Homepage aussieht, kann sich der Anleger beim Blick über den großen Teich zeigen lassen. Unter www.fidelity.com erreicht man eine Web-Site mit Portalcharakter, das heißt, man ist mit einem Klick auf der Einstiegsseite für das Thema Geldanlage. Neben Fonds bekommt der Anleger Nachrichten, Research-Zugänge, Kreditkarteninfos, Zahlungspläne für die Altersvorsorge und in Kürze auch Zugang zum nachbörslichen Wertpapierhandel. Um den Investor über die Möglichkeiten zu informieren, investiert Fidelity 40 bis 60 Mill. Dollar in eine Werbekampagne für den Internetbereich. In Deutschland dagegen, weiß ein Insider, habe die Fondsbranche die Internet-Aktivitäten bisher nie groß beworben.

Da sich dies nicht schlagartig ändern dürfte, sind die Anleger hier zu Lande gut beraten, zumindest in regelmäßigen Abständen die Web-Adresse ihrer Fondsgesellschaften abzurufen. Denn Innovationen kommen hier auf leisen Sohlen.



ADRESSEN

Unbedingt ausprobieren: die Adig-Zeitreise aus Anlass des 50. Geburtstages der Gesellschaft. Mit diesem Gewinnspiel, das noch bis Ende dieses Jahres im Internet-Angebot steht, wird auf lockere Art gezeigt, wie Geldvermögen wachsen. E-Mail-Abo für Fondspreise, Online-Bestellung von Informationspaketen, etwa der Kundenzeitschrift "Investment Spezial". Formularshop mit allen notwendigen Unterlagen für die Depoteröffnung von zu Hause aus.

www.allianz-vermoegen.de Gelungene Lösung mit ansprechender Optik und interaktiven Bestandteilen. Anleger-Analyse mit fünf verschiedenen Typen, vom Gewinnfreudigen bis zum Gelassenen, Darstellung von Risikoprofilen der Strategien. Der Clou ist sicher das persönliche Watchdepot für einen kostenfreien Test der Wertentwicklung über 90 Tage. Online-Kauf möglich nach Kontoeröffnung, Partner ist die Allianz Vermögens-Bank AG. In Zukunft soll ein Depotverwaltungssystem kommen.

www.bfg-invest.de Elektronisches Aushängeschild des Fondsgeschäfts der BfG-Bank mit klarem Layout und kurzen Ladezeiten. Verkaufsbroschüren und Rechenschaftsberichte als Download, das Fondslexikon mit rund 120 Begriffen basiert auf den Angaben des BVI. Das "Investment des Monats" bezog sich im Oktober leider immer noch auf eine Zeichnungsfrist im August. Online-Typberatung nach Risikoneigung, danach kann man sich ein Info-Paket per Post kommen lassen. Auswahl mit dem Scroll-Menü am unteren Bildschirmrand ist bequem zu handhaben, allerdings auch leicht zu übersehen.

www.deka.de Internet-Auftritt der DGZ Deka Bank, der monatlich wechselnde Empfehlungen von Fondsmischungen präsentiert. Der "Anlageassistent" wertet Präferenzen aus und unterbreitet Anlagevorschläge, die Zinseszinsrechnung übernimmt ein Anlagerechner. Prominent platziert ist die Schaltfläche "Fondscharts", hinter der sich alle Sparkassenfonds verbergen (javafähiger Browser notwendig, optimiert für Netscape Navigator 4.5 oder Microsoft Internet Explorer 4.01). Gehaltvoll und kostenlos ist auch das Fondsmagazin, dessen redaktionelle Beiträge teilweise mit Links zu weiterführenden Internet-Adressen versehen sind.

www.dit.de Der zur Dresdner Bank gehörende Deutsche-Investment-Trust hat erst vor wenigen Tagen seinen Relaunch hingelegt. Durchgestyltes und luftiges Layout. Dit-Direkt für Online-Transaktionen, im neuen Auftritt mit Login auf der Homepage. Ersteinzahlung mindestens 1 000 Euro je Fonds, Folgezahlungen/Sparplan mindestens 500 Euro. Höchstanlagebetrag 25 000 Euro. 25 Prozent Rabatt auf das Ausgabeaufgeld bei mindestens 2 500 Euro pro Einzelauftrag. Bezahlung per Lastschriftverfahren möglich. Gutes Themenpaket zu den Investmentfonds für die Altersvorsorge und generell mehr Kontaktmöglichkeiten als bisher.

www.dws.de Investment-Glossar für Einsteiger von A wie Absicherung bis Z wie Zwischengewinn. Eine ganze Reihe von Rechenmodulen, etwa für regelmäßige Einzahlungen oder Entnahmen unter der Prämisse des Kapitalerhalts. Unter www.dbfunds.com gibt es seit September 1999 auch eine Anlaufstelle für internationale Investoren. Neuland hat die mehrheitlich zur Deutschen Bank gehörende DWS-Gruppe mit dem Fondsjournal-TV betreten, wo Manager ihre Strategien erklären. Ausführliche Anleitung für das Herunterladen der dazu benötigten Video-Software. Über "DWS-Direkt"ist via T-Online die direkte Kontoführung möglich.

www.fidelity.de Herzstück des Angebots ist "WebXPress", ein interaktives Instrument für Depoteinsicht, Portfolio-Analyse, Umschichtung, Kauf und Verkauf von Anteilen. In Planung ist die Ergänzung um ein Werkzeug für die Performance-Analyse. Weitere - schon verfügbare - Online-Hilfen sind ein Wachstumskalkulator, Anlageplan und Euro-Rechner. Die News-Ecke könnte man sich noch aktueller vorstellen, die "wichtigsten Marktnachrichten der vergangenen Woche" sind nicht für alle Anleger ein dringendes Bedürfnis. Die Fonds-Suche per Weltkarte ist dagegen ein origineller Einfall. Performance-Messung gegen jeweiligen Vergleichsindex.

www.flemings.lu Die Luxemburger Homepage ist eine Drehscheibe für ganz Europa, und die Navigation bietet gleich zwei Zugänge zur deutschen Version. Für Online-Dealing ist das Programm "Flemings Rapide" installiert. Nach Registrierung in der Benutzerdatenbank muss ein Online-Konto auf dem normalen Postweg beantragt werden. Die Sicherheit soll über einen persönlichen Sicherheitscode garantiert werden. Die Fondspreise werden hier in Euro, Dollar und Schweizer Franken genannt, die Marktberichte wirken recht zeitnah. Dagegen sind die Informationen zu den Gebühren recht allgemein gehalten.

www.nordinvest.de Tägliches E-Mail-Abo für alle Fondsdaten dieser Tochtergesellschaft der Vereins und Westbank - möglich. Die Fondsdaten stehen in Euro und DM im Netz, die Wertentwicklung in Prozent. Deutliche Gegenüberstellung der Fonds-Performance gegen den jeweiligen Vergleichsindex. Die grafischen Lösungen sind nicht auf dem letzten Stand der Technik. Online-Order über Verlinkung auf die Direkt Anlage Bank (www.diraba.de). Für das Top-Produkt "Nordinternet" gibt es ab 8.00 Uhr den jüngsten Trend von der Nasdaq - die aktuellen Kurse der Aktien, die in diesem Fonds enthalten sind.

www.templeton.de Gutes Beispiel für erschöpfende Informationen zu den einzelnen Fonds. Wer seinen Favoriten anklickt, kann sich in der linken Navigationsleiste Daten zum Anlageziel, zur Wertentwicklung, zu den Branchen und Werten, zum Indexvergleich und zur geographischen Struktur anschauen und dann das Ganze als Download behalten. Die Presseschau sieht in der Übersicht noch gut aus, die Artikel selbst sind aber ohne Nachberabeitung eingescannt und sehen düster und schief aus. Positiv ist der "Feedback"-Button, der zur Bewertung des gesamten Auftritts aufruft.

www.union-investment.de Unglaublich umfassendes Angebot, das allein von der Homepage aus 30 Informationsfelder eröffnet. Der "FondsInsider" erzählt im Wochenabstand eine "Selling Story" zu einem bestimmten Produkt. Gute Tipps auf steueroptimierte Fonds im Hinblick auf die ab dem Jahr 2000 kommende Halbierung der Sparerfreibeträge. Link auf Finanznachrichten der Nachrichtenagentur vwd. Insgesamt ein gepflegtes, wenn auch stark von werblichen Aspekten durchtränktes Angebot der Kapitalanlagesellschaft im Verbund der Volksbanken und Raiffeisenbanken.



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