Virtuelle Weltreise
Tramper mit Handy und Laptop

Für die einen ist er ein Schnorrer, für andere eine geniale Web-Persönlichkeit: Ramon Stoppelenburg. Der 25-jährige Holländer ist am 1. Mai seit einem Jahr unterwegs - derzeit in Australien. Was ihn von anderen Backpackern unterscheidet: Er lässt sich via Internet von wildfremden Leute einladen und berichtet auf seiner Homepage Letmestayforaday.com.

Nur mit Rucksack, Handy und Laptop ausgestattet zog er von zuhause los. Keinen Pfennig Geld hat er dabei, begibt sich komplett in die Hände seiner Gastgeber. Zuerst ging es vom Heimatort Zwolle nach Amsterdam, dann über Belgien und Frankreich nach Großbritannien und Irland. In der Zwischenzeit veranstaltete er einen gehörigen Medienrummel und lockte Sponsoren für Flugtickets an. So gelang der Sprung nach Dänemark und Norwegen ebenso wie nach Südafrika - und nun nach Down Under.

Die australische Tageszeitung "Sunshine Coast Daily" titelte "Er ist der größte Schmarotzer der Welt", doch die britische Sunday Times kürte Ramon Stoppelenburg zur "Internet Personality of the Year 2001". Zwischen diesen Ansichten liegen Welten - und genau so mag es der holländische Journalistik-Student: Die Vielfalt der Meinungen und Lebenseinstellungen der Menschen machen das Leben erst lebenswert. Dass dies so ist, daran lässt Ramon auf seiner Website letmestayforaday.com keinen Zweifel. Er berichtet über das alltägliche Leben seiner Gastgeber, erwartet keine Extrawürste, sondern ein Bett (egal ob im Luxus-Hotel oder auf der Wohnzimmercouch) und einen Telefonanschluss, über den er seine Webseite pflegen kann.

Täglich zwei bis drei Stunden sitzt Ramon am Laptop, meist mitten in der Nacht, wenn seine Gastgeber längst schlafen. Das erfordert äußerste Disziplin und Arbeitsmoral und macht das journalistische Reiseprojekt zu deutlich mehr als bloßem Urlaub.

Ohne Mobiltelefon wäre der Traveller aufgeschmissen. Wie sonst könnte er seine künftigen Gastgeber kontaktieren? Telefonzellen scheiden aus, da er ohne einen Pfennig eigenen Geldes unterwegs ist. Manchmal verbringt er den ganzen Tag am Handy, gibt Telefon-Interviews oder zieht mit Kamerateams durch die Gegend. Ohne Selbstmarketing würden zu wenige Menschen von seinem Vorhaben erfahren und zu wenige Einladungen für einen Tag eintrudeln. Sollte tatsächlich ein Interview Honorar einbringen, leitet Ramon das Geld direkt weiter an ein Schulprojekt in einer der ärmsten Gegenden Südafrikas, das er im November besuchen durfte.

Auch für eigene Reisen kann der Besucher von Letmestayforaday.com Ideen erhalten. Wer weiß schon, dass man in Stellenbosch in einem Township privat übernachten kann? Oder dass in Australien das Trampen zwar offiziell verboten ist, aber anscheinend kein Problem... Im Messageboard finden sich denn auch Kommentare wie "Jeden Morgen lese ich zuerst den aktuellen Report von Ramon und der Tag fängt gut an".

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