Virtueller Bummel durch die deutsche Börsenlandschaft
Regionale Spezialitäten im Netz

Mit täglich mehreren Millionen Abrufen gehören die Internetseiten der deutschen Börsen zu den stillen Stars im Netz. Mit ihren Kursen "direkt von der Quelle sind sie eine erste Adresse für Anleger. Doch bei dieser Grundversorgung wollen es die Anbieter nicht belassen.

Einmal auf dem Parkett stehen und dem Dax in aller Ruhe zusehen. Das kann man rund um die Uhr, zumindest im Internet. Die Parkettkamera der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) zeigt von 8.30 bis 17.00 Uhr quasi in Echtzeit den Puls des Marktes - und einige Makler plus Bildschirme dazu. Aber es sind natürlich nicht die "Augenmenschen", die die Web-Seiten der Deutsche Börse AG (www.exchange. de) zu den am meisten frequentierten hierzulande machen. Laut Auskunft der Börse registriert allein der exchange.de-Server täglich zwei Millionen "Hits". "Die Wachstumsraten sind hoch , erklärte ein Sprecher der Börse; erst jüngst habe man wieder die Technik den Abrufzahlen anpassen müssen.

Die Deutsche Börse ist mit ihrem professionellen Internet-Angebot über Kurse, Umsätze und Tausende von Fakten zwar ein virtuelles Spiegelbild ihrer realen Macht, für den Privatanleger bringt dies aber auch erhöhte Anforderungen an seinen Orientierungssinn. Gerade abseits der Macht vom Main öffnen sich an den Regionalbörsen wahre Fundgruben, leider aber auch Angebote, die nur geringen Ansprüchen genügen.

Die Rheinisch-Westfälische Börse (www.rwb.de) empfängt den Surfer mit dem Slogan "Düsseldorfer Börse - einfach näher dran" und wartet mit einem börsentäglich sehr gepflegten Angebot auf. Standardangebot sind Kursabfragen nach Kürzel, Wertpapier-Kennummer oder Firmennamen sowie Kurstabellen zum Dax 30 und dem Neuen Markt. Das amtliche Kursblatt in elektronischer Form deckt - wie bei den meisten anderen Börsenplätzen auch - den Amtlichen Handel, Freiverkehr und den Geregelten Markt ab und man bereitet die Daten auch zu Gewinnern und Verlierern des Tages auf. Im Devisenbereich finden sich die Referenzkurse der Banken für den Euro, und das umfangreiche Special zu Optionsscheinen ist ebenfalls ein lohnender Abstecher.

RWB-Geschäftsführer Dirk Elberskirch will sich auf dem Erfolg von 120 000 Abrufen pro Monat allein für den Internet-Kursteil nicht ausruhen. Im Juli gibt es das einjährige Jubiläum für die Online-Kurse zu feiern, für die RWB Anlaß zur Überarbeitung der Seiten: "Wir wollen in Zukunft sicher andere Infos bieten als nur einen neuen Zweijahres-Chart mehr." Neben einer Ausweitung der Kurse in "Smax-Richtung wären etwa Depots mit Signalen beim Überschreiten bestimmter Kurslimits ein Angebot. Der Run auf die Kurse habe bei den Regionalbörsen neue Grübeleien ausgelöst. "Wenn wir sehen, was für Geschäfte andere mit den Kursen machen - auch bei 15minütiger Verzögerung - kann man schon mal ins Nachdenken kommen , sagt Elberskirch. Durchaus sei schon die Frage gestellt worden, ob 15 Minuten alte Kurse weiterhin kostenlos sein sollten.

Die Berliner Börse www.berlinerboerse.de tritt weltmännisch auf und hat ihr Angebot wahlweise in Englisch und Deutsch parat. Optisch bieten die Hauptstädter einen der ansprechendsten Web-Auftritte mit Farbfotos und Suchmaschine. Mit letzterer können gezielt einzelne Werte abgerufen werden. Darüber können sich Privatanleger ihr eigenes Portfolio aus den Kursinformationen zusammenstellen und über ein Bookmark ständig direkt auf die eigene "Kursseite" zugreifen. Die Privatanleger honorieren die Mühe mit 800 000 "Besuchen pro Woche.

Beim Ausbau des Angebots der Berliner soll es künftig noch zeitnähere Kursinformationen geben, teilte Sprecherin Eva Klose mit. Insgesamt seien die Erfahrungen mit dem Internet sehr gut und spiegelten das Interesse v.a. jüngerer Aktionäre wider. Die gut sortierten Kursinformationen werden durch einige Ost-Spezialitäten abgerundet. Einmalig ist das Info-Paket zu Osteuropaaktien bzw. Hintergrundinformationen zu den dortigen Kapitalmärkten.

Sparsam hält es die Bremer Börse www.boerse-bremen.de. Die Links im Netz führen nur zu Börsenmitgliedern und Emittenten. Auch die Niedersächsische Börse www.boerse-hannover.de fällt durch recht arme Gestaltung und teils fehlende Aktualisierung auf. Fehlanzeige ist die Hanseatische Wertpapierbörse Hamburg, deren Adresse www.boerse-hamburg.de ins Nichts führt. Ab April werde man aber wieder auf Draht sein, versichert Sprecher Kay Homann. Als Besonderheit sei daran gedacht, auch Informationen zu Schiffsbeteiligungen anzubieten.

Im weiß-blauen Design tritt die Börse München www.bayerische- boerse.de auf. Bestechend ist die Übersichtlichkeit des Angebots, wozu nicht zuletzt eine Site Map beiträgt. Neben Kursen und Informationen für Börseneinsteiger gibt es auch eine Darstellung der Münchner Spezialität, den Prädikatsmarkt für mittlere Unternehmen. Die Baden-Württembergische Wertpapierbörse www.boerse-stuttgart.de plus angeschlossenem Optionsteil (www.warrant.de) ist ein Paradies für den Privatanleger. Neben guter Benutzerführung und klarer Gestaltung ist man an der Meinung der Surfer interessiert und hat dafür einen Beurteilungsbogen entworfen. Ein Börsenforum dient dem Austausch mit anderen Anlegern, jeden Abend ab 20.00 Uhr startet ein Chat für Optionspapiere. Die riesige Link-Auswahl zu Direktbanken, Baufinanzierern, Börsen, Devisen oder zu den weltweiten Rohstoffbörsen spart zeitraubende Recherchen. Laut der Börse werden pro Tag 80 000 Pageviews auf der Homepage und 40 000 auf der Warrant-Seite gezählt. Die 20 bis 30 E-Mail-Anfragen würden umgehend beantwortet, dabei könnten oft Probleme mit den Maklern im Handel direkt geklärt werden. Für dieses Frühjahr sei ein Relaunch geplant, der "wesentliche Verbesserungen im Optionsschein-Bereich bringen soll. Angedacht seien ferner Informationen über risikoreichere Papiere, etwa US-Internetaktien.

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