Virusinfektion nach Hüftoperation
Frankreichs Industriekapitän Lagardère gestorben

Jean-Luc Lagardère, eine der großen Unternehmerpersönlichkeiten Frankreichs und Co-Aufsichtsratschef des europäischen Luft- und Raumfahrtgiganten EADS, ist am Freitag im Alter von 75 Jahren in Paris gestorben. Seine Unternehmensgruppe bestätigte den Tod des Industriekapitäns, der nach einer Hüftoperation an einer seltenen Virus-Infektion erkrankt war.

HB/dpa PARIS. Präsident Jacques Chirac, der mit Lagardère befreundet gewesen war, äußerte "große Trauer über den Tod dieses unermüdlichen, weltoffenen und europäischen Unternehmers".

Zusammen mit dem heutigen DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp hatte Lagardère die EADS-Fusion eingefädelt. Im Jahr 1999 war die Airbus-Muttergesellschaft aus der französischen Aerospatiale-Matra und der deutschen Dasa entstanden, zu der wenig später dann noch die spanische CASA stieß. "Er war ein sehr enger Freund für mich, und er hinterlässt nicht nur bei mir, sondern in der gesamten europäischen Industrielandschaft eine große Lücke", sagte Schrempp am Samstag zu dem Tod dieses Visionärs. Auch die EADS würdigte Lagardères Schlüsselrolle bei fast allen großen Entwicklungen der europäischen Luft- und Raumfahrt: "Für die Mitarbeiter der EADS verkörperte Jean- Luc Lagardère die Ideale der Luft- und Raumfahrt", erklärten die EADS-Vorstandsvorsitzenden Philippe Camus und Rainer Hertrich.

Der aus Südfrankreich stammende Unternehmer herrschte über ein Imperium aus Rüstungs-, Raumfahrt- und Medienunternehmen, das er durch Firmenübernahmen und Fusionen stetig ausbaute. Sein einziger Sohn Arnaud hatte bereits die Co-Leitung der Gruppe übernommen, die im Jahr 2002 mehr als 13 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete. Dem 41-Jährigen, der sich mehr auf den Medienbereich konzentriert, steht mit dem EADS-Co-Präsidenten Camus in den schwierigen Zeiten der Branche ein erfahrener Luft- und Raumfahrtunternehmer zur Seite.

Jean-Luc Lagardère begann seine steile Karriere bei dem Luftfahrtunternehmen Dassault. Später holte ihn der Gründer des Rüstungs- und Raumfahrtkonzerns Matra, Marcel Chassagny, in sein Unternehmen, das Lagardère von 1977 an leitete und mit dem Einstieg in den wichtigen Hachette-Konzern um das Mediengeschäft erweiterte.

Lagardère gelang es, den staatlichen Luftfahrtkonzern und Airbus - Partner Aerospatiale mit dem Matra-Rüstungsbereich zu fusionieren und die Hindernisse zur anschließenden EADS-Fusion zu überwinden. Zuletzt sorgte seine Lagardère-Gruppe mit der Übernahme des französischen Verlagsgeschäfts des angeschlagenen Vivendi-Konzerns für Furore.

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