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Viva will MTV in Italien aus dem Geschäft boxen

Ein massiver Streit zwischen der Kölner Viva Medien AG und der MTV Networks in London bahnt sich auf dem dritt größten europäischen Werbemarkt in Italien an. In einer dürren Pressemitteilung erklärte der Kölner Sender Viva am Freitag, dass er ab 2001 auch in Italien senden werde. Dazu sei ein Kooperationsvertrag mit dem italienischen Sender Rete A geschlossen worden. Einziger Schönheitsfehler: Rete A hat bereits ein langlaufendes Exklusivabkommen mit dem schärfsten Konkurrenten MTV. So jedenfalls sieht es MTV London

pos DÜSSELDORF. Die Europazentrale des Musiksenders aus dem amerikanischen Viacom-Konzern erklärte am Freitag abend umgehend, dass man rigoros auf alle exklusiv geschlossenen und weitreichenden Vertragsverbindungen bestehen werde. Diese verpflichteten Rete A dazu, das speziell auf den italienischen Markt zugeschnittene Programm zu liefern.

Eine Sprecherin von MTV Networks erklärte am späten Freitag gegenüber dem Handelsblatt auf Anfrage, dass es auf den Frequenzen von Rete A keinen Platz für zwei Musikkanäle in Italien gebe. Also ziele Viva darauf ab, MTV zu verdrängen. Die Laufzeit der Verträge mit Rete A wollte sie nicht kommentieren, Marktkenner in Deutschland gehen aber noch von einer Restlaufzeit von mehreren Jahren aus.

Das prekäre an der Sache: Rete A sendet derzeit ohne Sendelizenz, MTV wird aufgrund vorläufiger Vereinbarungen weiter, da eine Entscheidung, ob Rete A tatsächlich vom Netz gehen muss, erst einmal aufgeschoben worden ist. Anscheindend sieht Viva in dieser Grauzone eine Möglichkeit, in die MTV-Verträge einzubrechen. Der Investor-Relations Sprecher, Michael Armbrust, erklärte auf Anfrage, dass man vor einer "Pressekonferenz im Dezember" keine weiteren Details nennen könne.

Der Angriff trifft MTV an empfindlicher Stelle. MTV Italien ist seit September 1997 auf der Rete A-Frequenz auf Sendung und zählt nach Angaben der Londoner Sprecherin zu den mit Abstand erfolgreichsten europäischen MTV-Operationen. Erst vor kurzem hatte MTV zudem angekündigt, das Programm verstärkt zu lokalisieren, also den Anteil italienisch sprachiger Sendungen und Moderatoren weiter zu erhöhen und hat außerdem ein neues Studio in Rom eröffnet. Die Reichweite von MTV Italien wird mit gut 12 Mill. Haushalten angegeben. Laut Viva sieht der jetzt geschlossene Vertrag, über dessen Einzelheiten im Laufe des Monats in Mailand berichtet werden soll, vor, zunächst ein tägliches, von Viva produziertes, Program (Viva Italia) zu senden. Viva und Rete A sähen in dem Vertrag eine "ideale Verbindung mit großem Potenzial zum seiteren Ausbau", heißt es. Der Werbemarkt in Italien ist laut Viva mit geschätzten 4,7 Mrd. Euro in 2000 bereits der drittgrößte in Europa.

Der Börsenneuling Viva steht unter Erfolgsdruck. Erst im Oktober hatte etwa die Commerzbank für den Jugendsender ein Umsatzwachstum von 56,8 Mill. Euro im Jahr 2000 auf 177,7 Mill. Euro im Jahr 2005 geschätzt und für 2002 erstmalig einen Gewinn vor Steuern avisiert. Allerdings müsse Viva dafür seine ehrgeizigen Pläne zur internationalen Expansion bis 2003 umsetzen, heißt es. Am Freitag hat die Viva-Aktie am Neuen Markt in Frankfurt mit 15,20 Euro geschlossen. Im Juli war die Aktie zu 17 Euro an die Börse gekommen.

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